DFI - Deutsches Fussball Institut

DFI-Analyse des Leistungseinbruches beim FC Bayern München
Die Fehler von Trainer Guardiola und dem Management

Das DFI, www.fussball-institut.de, analysiert fachlich regelmäßig das Geschehen im Spitzenfußball. Bayern Münchens Halbfinal-Pleite in der Champions-League wird dabei in einem umfassenderen Zusammenhang gebracht. Weiterer Text über OTS und www.presseportal.de/pm/109807 / Die Verwendung dieses Bildes ist... mehr

Regensburg (ots) - Schwerwiegende Fehler unterliefen Trainer Pep Guardiola in der Mannschaftsführung und bei Aufstellung und Taktik, was dann letztendlich für den Titelverteidiger zum Ausscheiden im Champions-League Halbfinale führte. Aber auch die Vereinsführung trägt durch Passivität einen nicht unerheblichen Anteil an Mitschuld. Das königliche Real Madrid, das normalerweise in Schockstarre verfällt, wenn ihnen die Bestia Negra zugelost wird, hatte überraschend leichtes Spiel. Der Demütigung ersten Ranges im eigenen Stadion setzte der umstritten gewählte Weltspieler des Jahres Cristiano Ronaldo mit einem "Lächerlichmach"-Tor zum 4:0 die Krone auf. Bayern München scheiterte, weil man einvernehmlich, Trainer und Vereinsführung, den Bezug zur Realität verloren hatte und sich nicht mehr wie ein Jahr zuvor beim Triple-Sieg auch um die vorhandenen eigenen Schwächen gekümmert hat, geblendet von berauschenden Siegen gegen Gegner, die nicht ansatzweise die Klasse und Cleverness der Clubs aus Madrid, Manchester, London und Barcelona haben.

Fehler bei der Spielführung

Die taktische Ausrichtung im Rückspiel, bei dem man ein 0:1 aufzuholen hatte, war ganz der Offensive geschuldet. Trainer Guardiola wollte Real Madrid im Sturmspiel überlaufen. Zwischen dem 29. März und dem Tag des Rückspiels gegen Real, also innerhalb eines Monats, geriet Bayern München unvorstellbare sieben Mal, und dies nicht nur gegen Topteams, mit 0:1 in Rückstand (Hoffenheim, ManU, Augsburg, ManU, Dortmund, Real und Bremen). Dies bedeutet schlichtweg, dass die Aufstellung und Taktik für die Spieleröffnungsphase nicht funktionierte, so wie dann auch gegen Real Madrid, wo man sich bereits nach 16 Minuten das achte 0:1 einfing, das durch die Auswärtstorregel im Prinzip schon alles entschied. Hauptproblem und Ausgangspunkt vieler Gegentore ist die völlig verunsicherte Innenverteidigung mit Boateng und Dante, die im eigenen Strafraum kaum Zweikämpfe gewinnen konnte. Selbst bei Ecken, bei denen der Ball sekundenlang unterwegs ist, befinden sich die Bayernabwehrspieler nicht einmal in der Nähe der Gegenspieler. Völlig freistehend und unbedrängt, aus etwa 7 Metern Entfernung, fing man sich so bei Manchester United (Vidic) und gegen Real Madrid (Ramos) in München jeweils mit Kopfbällen die Führungstreffer ein. Auch wenn es hart klingt, so muss man diese Zweikampfschwäche als nicht einmal zweitligareif bezeichnen. Es war klar, dass man kaum mehr weiterkommen kann, wenn Real auch in München trifft. Trotzdem verstärkte Guardiola nicht die Abwehr im entscheidenden Spiel gegen Real Madrid, sondern spielte offensiv, hinten aber offen wie ein Scheunentor. Entsprechend schnell war das Spiel auch entschieden mit einem Tor, das so einfach niemals fallen darf. Zur Erinnerung, der gleiche Blackout passierte auch in der vorletzten Saison, als Drogba von Chelsea völlig freistehend und unbedrängt zum entscheidenden Ausgleich im Champions-League Finale einköpfte.

Toni Kroos spielte nicht auf seiner angestammten Position hinter den Spitzen, dort wo er zweifelsfrei seine Stärken hat, sondern zwischen Abwehr und Offensive. Er kann sich nicht effektiv in die Abwehr-Viererkette fallen lassen oder das Spiel von ganz hinten führen. Zwei solche Spieler wären aber auf der "Sechser-Position" bei Bayern notwendig, da die Abwehr um die zentrale Innenverteidigung, Boateng und Dante, seit Wochen von der Rolle war und selbst in der Bundesliga permanent vorgeführt wurde. Schweinsteiger war überfordert, alleine das verunsicherte Innenverteidigerpaar zu stabilisieren. In der zurückliegenden Erfolgssaison haben sich er und Martinez in den "großen" Spielen diesen Part perfekt geteilt. Lahm, der diese Rolle als gelernter Verteidiger viel besser als Kroos spielen kann, war als Außenverteidiger aufgestellt. Stürmer Müller fand sich auch nicht auf seiner Effektivposition. Er spielte auf der Kroos/Götze Position. Müller ist kein Spielmacher und das sichere Ballverteilen hinter den Spitzen ist nicht Bestandteil seiner Weltklasse. Mandzukic hat sich zwar gut weiterentwickelt, ist aber limitiert, richtet gegen Weltklasse-Innenverteidiger wenig aus und ist zu schwach, diese wichtigste Schaltstation des Gegners bei deren Spielaufbau effektiv zu stören. Müller hätte aufgrund seiner Laufstärke, Schnelligkeit und unangenehmen Unberechenbarkeit viel mehr Leben in das Sturmzentrum bringen können und mit anderer Qualität bereits an vorderster Front forechecken können.

Blamabler Zweckfußball von Real Madrid - Systemwechsel von Bayern ein No-Go

Real Madrid hat in beiden Spielen nicht besser gespielt als der FC Bayern München, es hat nicht brilliert durch mitreißenden Fußball, sie haben sich eingeigelt und auf Fehler gewartet. Dies wurde ihnen dann sehr leicht gemacht. Durch Guardiolas Spielausrichtung war die Verteidigung hilflos und es genügten bereits einfache Aktionen, um zu den ersten entscheidenden Toren zu kommen.

Im Nachhinein wird der Sieger medial immer schön geredet. Der Zweck heiligt die Mittel, aber zweifelsfrei war der Auftritt von Real Madrid, und man kann es nicht schönreden, blamabel. Sich mit der teuersten Mannschaft der Welt, einer kompletten Weltauswahl, den besten Nationalspielern verschiedener Länder, im eigenen restlos ausverkauften Bernabéu Stadion mit allen 10 Superstars wie Borussia Neunkirchen oder der SV Alsenborn gegen Bayern in der eigenen Hälfte einzuigeln, ist peinlich.

Es waren individuelle und prinzipielle Fehler, die zum Ausscheiden des FC Bayern führten und nicht das System. Die laut gewordenen Forderungen nach einem Systemwechsel sind nicht nachvollziehbar und nur Worthülsen ohne Begründungen. Die Alternative wäre dann wohl, noch teurere Spieler einzukaufen und dann wie Real Mauerfußball zu zelebrieren.

   Fehler bei der Mannschaftsführung 
   Schongang nach früh gewonnener Meisterschaft überflüssig und nicht
   angebracht  

Die Bundesliga-Meisterschaft wurde vom FC Bayern grandios und in Rekordzeit bereits im März eingefahren. Guardiola entschied daraufhin, den Druck in den Bundesligaspielen herauszunehmen, um die Stammspieler für die Champions-League Spiele zu schonen und dort die Konzentration hochzuhalten. Dies ging voll daneben. Die Guardiola-Rotation mit wechselnden Formationen und Aufstellungen in den Spielen gegen Hoffenheim, Augsburg und Dortmund führte zu Negativ-Ergebnissen und Negativ-Erlebnissen. Daraus folgte der Verlust des Selbstbewusstseins und des Eingespielt seins auf höchstem Niveau. Bereits gegen Manchester United war die einsetzende Verunsicherung greifbar. Man geriet gegen ManU sowohl im Auswärts-, als auch im Heimspiel in Rückstand. Mitte der zweiten Halbzeit gelang Bayern in der Allianz Arena nach dem Führungstreffer sofort innerhalb einer Minute der Ausgleich. Betrachtet man den vorausgehenden Spielverlauf, wäre man wohl sonst schon im Viertelfinale ausgeschieden.

Die Bayern Spieler hätten Geschichte schreiben können

Das Zurücknehmen der Mannschaft war ein Fehler. Es lag eine einmalige Ausnahmesituation vor, die nicht erkannt wurde. Die Mannschaft hätte ohne Probleme auf hohem Niveau weiterspielen können:

Es lagen keine Verletzungen vor. Durch die Rotation, in die gut 15 Spieler regelmäßig eingebunden waren, hatte kein Akteur Verschleiß-Erscheinungen. Im Gegenteil, die meisten Spieler wollten eher mehr spielen und waren nach wie vor heiß. Es gab also keine körperlichen Gründe sich schonen zu müssen. Und dann waren noch die unglaublichen Erfolgsserien, die jeden einzelnen Spieler hätten unsterblich machen können. Erste Champions-League Titelverteidigung mit längster Siegesserie und erste Mannschaft, die ungeschlagen Bundesligameister wird und dabei mehr als 100 Tore erzielt. Die Protagonisten wären gleichgezogen mit Namen wie Beckenbauer, Müller, Breitner, Messi, Zidane oder Cruyff. Das alles hätte Beine gemacht, ein Motivationsproblem gab es mitnichten. Es gab genügend handfeste Gründe, auch gegen Hoffenheim, Augsburg und Bremen zu laufen und zu kämpfen, auch wenn man schon als Meister feststand.

   Fehler bei der sportliche Leitung und dem Management 
   Wo blieb Sammer? Rückpfiff mit Folgen!  

In der Saison 2011/12 gab Trainer Jupp Heynckes ein trauriges Bild ab. Acht Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund in der Bundesliga, ein verlorenes Heim-Champions-League-Endspiel gegen den schwachen Außenseiter Chelsea London, an dem der Trainer selbst ganz entscheidenden Anteil trug und zum Abschluss eine 5:2 Demontage - wieder hatte Heynckes viele unglückliche Händchen - im DFB-Pokalfinale gegen Dortmund. Zur neuen Spielzeit installierte man Matthias Sammer als Sportdirektor und es wurde beim FC Bayern die beste Saison aller Zeiten, das Triple konnte erstmals gewonnen werden. Dass der damals schon 66-jährige Heynckes von einer Saison auf die andere zur Trainerlichtgestalt wurde ist nicht logisch und erklärbar. Der Unterschied war der nüchterne, geradlinige Fußballexperte Sammer, der die Erfolgsspur in der Saison 2012/13 vorgab.

Dieser Sammer wurde nun vom Präsidium öffentlich zurückgepfiffen, unter dem neuen unfehlbaren Trainerpapst Guardiola sollte er in das hintere Glied rücken. Ein halbes Jahr grandiose Ergebnisse und brillianter Traumfußball gegen gute, aber nicht europäische Spitzenteams haben den Blick von Hoeneß, Rummenigge und selbst von Guardiola getrübt. Sammers Warnungen und Erfahrungen aus der ultimativen Erfolgssaison waren nicht mehr gefragt.

Zweifelsfrei hat Guardiola den FC Bayern phänomenal weiterentwickelt, das Dominanzspiel lief so perfekt, dass die Abwehr nicht gefordert war. Er hat nicht erkannt, welche Defizite hier vorhanden sind, wenn man die europäischen Eliteteams trifft und dann auch noch das Angriffsspiel gerade nicht so rund läuft.

Guardiola machte in den entscheidenden Spielen der Champions-League ähnliche Fehler wie Heynckes zwei Jahre zuvor. Als sich das neidische Fußball-Deutschland genüsslich auf Ribery und den noch sprachlich beschränkten und somit unglücklich artikulierenden Trainer Guardiola stürzte und nicht nur diese beiden sukzessive filetierten, war Sammer nicht helfend zur Stelle. Zurückgepfiffen von einer mit eigenen Problemen beschäftigten Vereinsführung schlug Sammer nicht zu, als man ihn dringendst brauchte. Notwendige Ablenkmanöver und klare Ansagen, auch an Guardiola, fanden nicht statt.

Guardiola hat, was ihn ehrt, die Schuld am Ausscheiden gegen Real Madrid auf sich genommen. Es steht aber noch das nun mit irrsinnigem Stellenwert aufgeladene DFB-Pokal-Endspiel gegen Dortmund an. Guardiola darf hier nicht nochmals als Verlierer vom Platz gehen, dies erzeugt ungeheuerlicher Druck. Nun zeigt es sich, ob er ein wirklich großer Trainer ist, seine Fehler erkennt und behebt und die Mannschaft noch zum deutschen Double führt. Mit Klopp steht ihm da aber jemand gegenüber, der mindestens gleiches Format aufzuweisen hat. Also freuen wir uns auch auf einen großartigen Zweikampf auf dem Spielfeld, auf der Bank und hinter den Kulissen.

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