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10.12.2020 – 11:16

Save the Children Deutschland e.V.

Corona-Pandemie und Armut verschärfen Bildungsnotstand in Syrien
Zwei Drittel der Kinder in Nordsyrien nicht in der Schule

Berlin (ots)

Fast zehn Jahre nach Beginn des Syrien-Konflikts verschärfen die Corona-Pandemie und die wachsende Armut den Bildungsnotstand in dem Land. Im Norden Syriens gehen inzwischen zwei Drittel aller Kinder nicht zur Schule, wie eine aktuelle Erhebung von Save the Children zeigt.

In ganz Syrien besuchten Schätzungen zufolge bereits Ende vergangenen Jahres 2,45 Millionen Kinder keine Schule - das war jedes dritte Kind. Inzwischen ist durch Covid-19 die Bildung für tausende weitere syrische Kinder ausgesetzt oder findet wegen der Schulschließungen und der Herausforderungen des Fernunterrichts unter erschwerten Bedingungen statt. Hinzu kommen gravierende wirtschaftliche Probleme. Wie in den meisten Krisen- und Konfliktgebieten müssen viele Familien ums nackte Überleben kämpfen und ihre Kinder zur Arbeit statt zur Schule schicken. In Nordostsyrien ist Kinderarbeit der Hauptgrund für Schulabbrüche.

"Nach zehn Jahren Krieg ist Bildung für viele Kinder in Syrien nur noch ein frommer Wunsch", sagt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children. "Jeder Schulabbruch eines Kindes ist einer zu viel. Wenn aber hunderttausende Kinder in einem Land aus purer Not die Schule abbrechen, verliert eine ganze Generation die Chance auf eine bessere Zukunft. Der Bildungsnotstand in Syrien wirft das Land um viele Jahre zurück. Wir müssen schnell gegensteuern, um das Verlorene wieder aufzuholen und den syrischen Kindern das Rüstzeug für den Wiederaufbau ihres Landes zu geben."

Der Bericht "Reversing Gains", den die Kinderrechtsorganisation heute veröffentlicht, bringt alarmierende Zahlen zum Vorschein:

  • Wegen der Covid-19-Krise brach die Hälfte der Kinder in Nordsyrien die Schule ab. Das hat zur Folge, dass dort insgesamt zwei Drittel der Kinder nicht zu Schule gehen.
  • In den Bildungsprogrammen von Save the Children und seinen Partnerorganisationen ist die Zahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler vom ersten zum zweiten Quartal 2020 von 11.200 auf 7775 gesunken.
  • In einigen Gegenden Nordwestsyriens haben die Partnerorganisationen von Save the Children durch die Corona-bedingten Schulschließungen den Zugang zu fast 50% der Kinder verloren.
  • Im Nordosten Syriens berichten Lehrerinnen und Lehrer in den Flüchtlingscamps Al Hol, Roj und Areesha von ähnlichen Schwierigkeiten. Hier brachen etwa 5500 Kinder die Schule ab.
  • In Nordostsyrien ist Kinderarbeit der Grund für 79% der Schulabbrüche.

Für die Erhebung wertete Save the Children Daten unter anderem von den Vereinten Nationen aus, analysierte die Situation in den eigenen Programmen, sprach mit anderen Organisationen und interviewte rund 500 Lehrerinnen und Lehrer. Die Kinderrechtsorganisation finanziert seit Jahren Bildungsprogramme in Syrien und hat ihre Arbeit durch mobile Lernkonzepte an die Corona-bedingten Schulschließungen angepasst. Viele Kinder und Jugendliche sind jedoch wegen fehlender Endgeräte nicht erreichbar und damit gänzlich vom Lernen ausgeschlossen. Andere müssen mit der Doppelbelastung aus Arbeit und Schule zurechtkommen, wie der zwölfjährige Ameen*, der in einem Camp in Nordwestsyrien lebt:

"Ich habe wegen Covid-19 die Schule abgebrochen und arbeite in der Gurkenproduktion", berichtet er Save the Children. "Nach einem Monat Arbeit konnten meine Mutter und ich uns ein Telefon kaufen. Ich nehme damit am Fernunterricht teil: Nach der Arbeit schaue ich mir über Whatsapp-Gruppen Kurse an, höre die Sprachnachrichten meiner Lehrer ab und mache Hausaufgaben."

Save the Children fordert ungeachtet der Fortsetzung von humanitärer Nothilfe mehr Geld für Bildungsprogramme für syrische Kinder sowie Hilfen für Familien, damit sie der Armut entkommen. Die Kinderrechtsorganisation unterstützt Bildungsprojekte für syrische Kinder in Syrien und den Nachbarländern unter anderem mit der Aktion "Ein Schal fürs Leben". Seit 2014 kamen bei der gemeinsamen Aktion mit der Frauenzeitschrift BRIGITTE insgesamt 1,7 Millionen Euro an Spenden für syrische Kinder zusammen. Der heutige Tag der Menschenrechte ist zugleich der Aktionstag der Kampagne. Der "Schal fürs Leben" wird in auch in diesem Jahr wieder von vielen Prominenten unterstützt, u.v.a. von der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock, dem Pianisten Igor Levit und der Sängerin Sophie Hunger.

Der Report "Reversing Gains - The impact of Covid-19 on education in Syria" zum Download: https://bit.ly/2K72n4Y

Unter folgenden Links finden Sie Bildmaterial zum Download. Die Bilder stehen Ihnen unter der Nennung © Save the Children auch zur Weitergabe an Dritte honorarfrei zur Verfügung.

Case Study Ameen*:

https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SFGQBCS

Case Study Hashem*:

https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SAL8HB0

*Namen zum Schutz der Identität geändert

Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in über 110 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle - Susanne Sawadogo
Tel.: 030 - 27 59 59 79 - 120
Mail: susanne.sawadogo@savethechildren.de

Original-Content von: Save the Children Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell

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