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Badische Neueste Nachrichten: Super-Gedenkjahr

Karlsruhe (ots) - So nah - und doch so fern. Gerade einmal 14 Jahre ist es her, dass die Menschen rund um den Globus in der Silvesternacht des Jahres 1999 das Ende des unheilvollen 20. Jahrhunderts feierten und mit großen Hoffnungen das neue Jahrtausend begrüßten - was zwar mathematisch nicht korrekt war, doch der Symbolkraft des Zahlenwechsels entsprach. Mit gigantischen Feuerwerken sollten die bösen Geister der Vergangenheit endgültig vertrieben und der Aufbruch in ein neues, besseres Zeitalter bejubelt werden. Europa, das zweimal Schauplatz verheerender Kriege und blutiger Schlachten war und auf dessen Boden es Völkermorde, Bürgerkriege und Vertreibungen mit Millionen Toten gegeben hatte, war dabei, mit einer neuen Währung noch enger zusammenzurücken und den Fluch der Geschichte zu überwinden. Mit dieser Vergangenheit wollte man nichts mehr zu tun haben, sie war weit weg. Eine andere Zeit. 14 Jahre später kehrt die Erinnerung umso mächtiger zurück. Das 20. Jahrhundert ist vorbei, und doch präsent, in diesem Jahr wird es kein Entrinnen geben. 2014 ist das Jahr des Super-Gedenkens, da sich die Schicksalstage des Millenniums jähren: Vor 100 Jahren, am 28. Juni 1914, löste die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand den Ersten Weltkrieg aus, vor 75 Jahren, am 1. September 1939, überfiel die deutsche Wehrmacht Polen, Auftakt des Zweiten Weltkrieges, und vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer, womit die bipolare Nachkriegsordnung mit der Teilung Deutschlands und Europas zu Ende ging. Es sind nur drei Daten, wie an einer Perlenkette aufgereiht, und doch bündelt sich in ihnen das Schicksal des 20. Jahrhunderts, das der britische Historiker Eric Hobsbawm das "Zeitalter der Extreme" genannt hat, wie in einem Brennglas. Europa, der Kontinent der Aufklärung und der Menschenrechte, wurde zum Ort, an dem die großen Ideologien wie Nationalismus, Faschismus und Kommunismus ihre blutigen Kämpfe um die Vorherrschaft austrugen, ohne Rücksicht auf Verluste, bis sie selbst zugrunde gingen. Durch das gesamte Jahrhundert zieht sich eine Spur der Verfolgung und der Vernichtung, der Ausrottung und des Leides. Und Deutschland, die zu spät gekommene Nation in der Mitte Europas, stand immer mittendrin, war Hauptakteur und Aggressor. Deutsche waren Täter, die unermessliche Schuld auf sich luden, aber auch Opfer, die bitter für die Verbrechen ihrer Führung zahlen mussten. Und das Land hat seine Lektion gelernt, hat sich zu seiner Schuld bekannt und die Konsequenzen daraus gezogen. Die Geschichte der europäischen Integration wäre ohne die Katastrophen der beiden Weltkriege und des Völkermordes an den europäischen Juden unvorstellbar. An all das wird in diesem Jahr dutzendfach, hundertfach erinnert werden, in Büchern, Filmen und Ausstellungen, Reden und Gedenkfeiern. Schon stapeln sich in den Buchhandlungen die Neuerscheinungen, es droht ein medialer Overkill. Und dennoch ist die Erinnerung unverzichtbar, weil sich jede Generation aufs Neue mit diesen traumatischen Ereignissen auseinandersetzen und ihre Schlüsse daraus ziehen muss. "Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen", wusste schon William Faulkner. Allenfalls der Blick ist ein anderer, weil sich mit der Zeit manche Fragestellung ändert oder bisher unumstößliche Feststellungen neu bewertet werden. Nichts aber ändert sich daran, aus dem Geschehenen zu lernen und alles zu tun, um die Fehler von einst nicht zu wiederholen. Es gibt immer Alternativen.

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