Polizeiinspektion Verden / Osterholz

POL-VER: Bekanntgabe der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2017 für den Bereich der Polizeiinspektion Verden/Osterholz

Kriminalitätsentwicklung in den Landkreisen Verden und Osterholz

2 Dokumente

Landkreis Osterholz (ots) - ++ Weniger Straftaten und hohe Aufklärungsquote ++ Deutlich weniger Einbrüche ++ Mehr Straftaten zum Nachteil älterer Menschen ++

In einem Pressegespräch wurden am heutigen Dienstag die Kriminalitätszahlen aus dem vergangenen Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt.

1. Straftatenaufkommen

Im Jahr 2017 sind im Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion Verden/Osterholz insgesamt 13.520 Straftaten erfasst worden. Dies sind 1048 Taten in den Landkreisen Verden und Osterholz weniger als im Vorjahr, weniger wurden in den vergangenen zehn Jahren nicht registriert. Gleichzeitig hat die Aufklärungsquote (AQ) mit 64,93 % einen neuen Höchstwert erreicht. Die AQ der Polizeiinspektion Verden/Osterholz liegt somit oberhalb der durchschnittlichen AQ im Land Niedersachsen (62,3 %). Im Landkreis Osterholz waren 2017 mit 5.374 Taten insgesamt 644 Straftaten weniger zu verzeichnen als im Vorjahr, erneut sank das Straftatenaufkommen im Jahr 2017 auf einen Tiefststand. Die AQ ist um 3,69 Prozentpunkte auf nunmehr 62,50 % angestiegen.

2. Kriminalität Minderjähriger im Landkreis Osterholz

Im Berichtszeitraum haben im Landkreis Osterholz 388 minderjährige Tatverdächtige (Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre) 499 Straftaten begangen. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl wie in ganz Niedersachsen zwar angestiegen, sie bewegt sich aber im Rahmen statistischer Schwankungen und ist mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre noch immer niedrig (2016: 317 minderjährige Tatverdächtige/418 Straftaten). Dabei ist zu berücksichtigen, dass sowohl der Anteil Minderjähriger als auch derjenige der Nichtdeutschen an der Gesamtbevölkerung gestiegen ist. Daraus zu schließen, dass allein nichtdeutsche Kinder und Jugendliche für den Zuwachs verantwortlich sind, trifft im Landkreis Osterholz allerdings nicht zu: Während 2016 237 deutsche Kinder und Jugendliche straffällig wurden, waren es 2017 310. Bei den nichtdeutschen Kindern und Jugendlichen wurde ein geringer Rückgang von 80 (2016) auf 78 (2017) registriert.

3. Körperverletzungen

Im Jahr 2017 wurden im Landkreis Osterholz insgesamt 554 Körperverletzungen begangen. Im Vergleich zum Vorjahr (571) ist hier ein geringer Rückgang zu verzeichnen. Während die Zahl der leichten Körperverletzungen unverändert blieb, nahmen die gefährlichen und schweren Körperverletzungen von 162 auf 145 Taten ab. Alkohol hat bei Gewaltdelikten schon immer eine große Rolle gespielt. In 193 Fällen waren die Tatverdächtigen im vergangenen Jahr alkoholisiert (34,84 %). 18 Körperverletzungen an Schulen haben die Beamten im Jahr 2017 registriert (2016: 11).

4. Eigentumsdelikte

Ein deutlicher Rückgang ist bei den Diebstahlsdelikten zu verzeichnen, womit die Polizeiinspektion Verden/Osterholz einem landesweiten Trend folgt. Im Jahr 2017 wurden in den Landkreisen Verden und Osterholz insgesamt 4.588 Diebstähle registriert. Dies ist ein Rückgang um 1.203 Taten im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Wert im gesamten Betrachtungszeitraum von zehn Jahren. Im Landkreis Osterholz war ein Rückgang sowohl bei den einfachen (- 126) als auch bei den schweren Diebstählen (- 339) zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote liegt bei 36 %. Insgesamt ist es zu einer Deliktsverschiebung gekommen: Während die Täter immer weniger Diebstahlsdelikte begehen, werden gleichzeitig mehr Betrugsdelikte registriert. Hier ist das unmittelbare Entdeckungsrisiko geringer und der "Ertrag" erscheint lukrativer. Eine nochmalige Steigerung gab es auch bei den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (siehe auch die Ausführungen zum Thema "Straftaten zum Nachteil älterer Menschen" im Anhang, in denen die derzeit gängigen Maschen der Täter dargestellt werden).

Eine positive Entwicklung ist bei den Einbruchdiebstählen (ED) aus Firmen und Geschäften im Landkreis Osterholz festzustellen. Offenbar haben die Täter erkannt, dass es durch derartige Delikte immer seltener möglich ist, Beute zu erlangen, da immer seltener Bargeld aufbewahrt wird und es aufgrund wirksamer Sicherungsmaßnahmen immer schwieriger wird, in die Firmen einzusteigen. Im Landkreis Osterholz ging die Zahl von 226 Einbruchsdiebstählen im Jahr 2016 auf 190 im Jahr 2017 zurück. Gleichzeitig verringerte sich die AQ bei diesen Delikten auf 31,58 %.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Kfz-Diebstähle angestiegen. In beiden Landkreisen wurden drei Delikte mehr registriert als im Vorjahr, im Landkreis Osterholz stieg die Anzahl von 14 auf 20 an. Hoch im Kurs steht bei den Dieben derzeit der VW T5/T6 (Multivan), weiterhin aber auch hochwertige Fahrzeuge der Marken Audi, BMW und Mercedes. Die AQ stieg inspektionsweit um fast 5 Prozentpunkte auf 45,61 % an.

Einen deutlichen Rückgang registriert die Polizeiinspektion Verden/Osterholz bei den Wohnungseinbrüchen. Die Anzahl der versuchten und vollendeten Wohnungseinbrüche ging inspektionsweit erheblich zurück, von 931 Taten im Jahr 2016 auf 562 Taten im Jahr 2017 (- 39,63 %). Die AQ unterliegt auch in diesem Deliktsbereich starken jährlichen Schwankungen. 2017 erreichte die AQ gute 42,7 % und ist damit so hoch wie in den letzten zehn Jahren niemals zuvor. "Der Trend ist sicherlich erfreulich, es besteht für uns jedoch keinerlei Anlass, in den Bemühungen zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls nachzulassen", so Uwe Jordan, Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. "Diese Taten haben eine hohe Wirkung auf die Opfer, das kann jeder nachvollziehen, bei dem schon einmal ein Einbrecher in die eigenen vier Wände und somit in die Privatsphäre eingedrungen ist. Wir werden unser Konzept, bestehend aus präventiven und repressiven Maßnahmen, weiterverfolgen." In dieses Konzept ist unter anderem das Präventionsteam der Polizeiinspektion Verden/Osterholz eingebunden. Im Jahr 2017 gab es wieder eine Vielzahl an kostenlosen Vorträgen und Hausbesuche, dabei wurden verhaltenspräventive und technische Tipps und Hinweise rund um das Thema "Wie schütze ich mich vor Einbrechern?" verbreitet. Im Jahr 2017 hat das Präventionsteam der Polizeiinspektion Verden/Osterholz in den Landkreisen Verden und Osterholz insgesamt 181 individuelle Beratungen bei den Bürgerinnen und Bürgern zum Thema Einbruchschutz durchgeführt, darunter befanden sich 50 Haushalte, die von Einbruchstaten bzw. Versuchstaten betroffen waren. In Vorträgen vor unterschiedlichen Gruppen erreichte das Präventionsteam in beiden Landkreisen insgesamt weit über 2.000 Personen, darüber hinaus viele weitere Interessierte auf Messen, Ausstellungen und Veranstaltungen wie dem "Tag des Einbruchschutzes". Der Trend bei den Einbruchszahlen in der Inspektion spiegelt sich auch im Landkreis Osterholz wider, wo ein Rückgang von 32,38 % zu verzeichnen war (2017: 284 Taten, 2016: 420 Taten). Die AQ erreichte hier 44,01 %. Innerhalb des Landkreises ist nicht in allen Gemeinden ein Rückgang der Einbruchszahlen festzustellen: Grasberg (-3 Wohnungseinbrüche), Hambergen (-21), Lilienthal (+8), Osterholz-Scharmbeck (-50), Ritterhude (+8), Schwanewede (-60), Worpswede (-18). Weiterhin wird die zentrale Ermittlungsgruppe "Wohnungseinbruchdiebstähle (WED)" Bestand haben, die die Polizeiinspektion Verden/Osterholz im Oktober 2016 eigens für die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche eingerichtet hat. "Die Arbeit der zentral agierenden Ermittlungsgruppe hat sich bewährt", so Fabian Bernert, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. "Der Informationsaustausch über Täter, Tatorte und kriminelle Begehungsweisen mit der Polizei Bremen sowie mit anderen Polizeien im Fall von überörtlich agierenden Delinquenten ist enorm wichtig und funktioniert so viel besser", ergänzt Bernert mit Blick auf die Aufklärung mehrerer Tatserien seit Einrichtung der Ermittlungsgruppe.

5. Kriminalität im Zusammenhang mit Flüchtlingen

Die PKS enthält keine Definition für den Begriff "Flüchtling". Um Flüchtlingskriminalität trotzdem annähernd zuverlässig quantifizieren zu können, werden hier nachfolgend all jene Tatverdächtigen betrachtet, die zur Gruppe der Asylbewerber, der Schutzberechtigten, der Geduldeten, der Kontingent-/Bürgerkriegsflüchtlinge und der unerlaubt im Bundesgebiet aufhältigen Ausländer gehören. "Das Straftatenaufkommen durch die zu uns geflüchteten Menschen hielt sich auch im vergangenen Jahr in einem unauffälligen Rahmen. Die überwiegende Mehrheit der Geflüchteten tritt nach wie vor polizeilich nicht in Erscheinung", so Inspektionsleiter Uwe Jordan. Dies spiegelt auch die Statistik wider. Im Landkreis Osterholz lebten im vergangenen Jahr rund 6.200 Ausländer, davon 1.100 Geflüchtete (18 %), von denen wiederum 65 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge waren . Der Schwerpunkt der begangenen Delikte liegt hier bei den sogenannten Rohheitsdelikten wie z.B. Körperverletzungen. Überwiegend spielten sich die Taten innerhalb der Gruppe der Flüchtlinge ab, so wurden in 15 Fällen die Flüchtlinge selbst Opfer von Rohheitsdelikten, bei denen andere Flüchtlinge die Tatverdächtigen waren. In zehn Fällen richteten sich Aggressionen von Flüchtlingen gegen Menschen, die nicht zu dieser Gruppe gehörten. Fünfmal wurden Flüchtlinge von Tatverdächtigen angegriffen, die selbst nicht zu dieser Gruppe gehörten. Dabei sind es mitunter wenige Täter sind, die eine Vielzahl an Taten begehen. Ein krasses Beispiel gab es im Landkreis Verden: In den Jahren 2016 bis zum Erlass eines Untersuchungshaftbefehls im Jahr 2017 wurden allein gegen einen heute 19-jährigen Syrer 46 Strafverfahren eingeleitet. Vor Kurzem ist der Heranwachsende vom Amtsgericht Verden zu einer zweieinhalbjährigen Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

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