Polizeiinspektion Stade

POL-STD: Verkehrsunfallgeschehen 2013 im Landkreis Stade - Pressegespräch bei der Stader Polizeiinspektion

Unfallstatistik Landkreis Stade

Stade (ots) - Im Rahmen eines Pressegesprächs wurden heute in den Räumen der Polizeiinspektion Stade die Zahlen der Verkehrunfallstatistik für den Landkreis Stade für 2013 bekannt gegeben. Inspektionsleiter Polizeidirektor Jens Eggersglüss, Leiter Einsatz und Verkehr Polizeioberrat Winfried Stöhr sowie aus dem Sachgebiet Verkehr Polizeihauptkommissar Robert Schlimm und Mitarbeiterin Brigitte Voß standen den anwesenden Journalisten dabei Rede und Antwort.

Im Einzelnen konnten dazu die folgenden Aussagen gemacht werden.

Die Bilanz des Verkehrsunfallgeschehens im Landkreis Stade wird von der Polizeiinspektion Stade verhalten optimistisch gesehen.

Die Gesamtzahl der in 2013 polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle (VU) als auch die Anzahl der Unfallopfer sind gesunken. Bei 3907 VU in 2013 gab es 142 schwer und 673 leicht verletzte Personen. Im Vorjahr waren es bei 4049 Unfällen noch 148 Schwerverletzte und gar 747 Leichtverletzte. Die Zahl der verletzten Unfallopfer hat sich somit um 8,7 % auf nunmehr 826 reduziert.

Allerdings forderte das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer im Landkreis Stade wie im Vorjahr wiederum 12 Todesopfer.

Bei 11 tödlich verlaufenen Unfällen prallte 8mal ein Pkw gegen einen Baum, so dass es zu den tödlichen Verletzungen kam. Sehr häufig war die unangepasste Geschwindigkeit Ursache für den Crash.   Mit großer Betroffenheit bleibt dabei der Unfall Mitte August in Jork in Erinnerung. Bei diesem Unfall kamen 2 junge Männer als Beifahrer ums Leben. Was häufig dabei vergessen wird: Neben der Unglücksbewältigung bei den betroffenen Familien und Freunden, mussten auch die bei diesem Unfall eingesetzten Rettungskräfte mit der starken emotionalen Belastung fertig werden, was in einigen Fällen nur durch professionelle Hilfe möglich war.   Wie in den Vorjahren auch, haben sich 2/3 der Verkehrsunfälle in den Städten und Gemeinden ereignet. In diesem Vergleich gibt es jedoch eine Auffälligkeit bei den Unfällen mit Schwerverletzten: Während sich die Anzahl der schwerverletzten Personen in den Vorjahren jeweils zu gleichen Teilen innerorts und außerorts verteilten, waren in 2013 nur 1/3 dieser Unfälle außerhalb geschlossener Ortschaften zu verzeichnen. Zum Teil lässt sich dieser Trend durch die verstärkte Verkehrsüberwachung an den Landstraßen erklären. Für eine abschließende Bewertung ist es aber zur Zeit noch zu früh, da solche Maßnahmen in ihrer Wirkung erst nach Ablauf mehrerer Jahre verlässlich beurteilt werden können.   Bei den Fahranfängern (18 - 24jährige) sind ebenfalls sinkende Unfallzahlen und -opfer zu verzeichnen. Der überproportionale Anteil am Gesamtunfallgeschehen bleibt jedoch bestehen: 881 Unfälle mit 18-24jährigen machen 22,5 % des gesamten Schadensbild im Landkreis Stade aus. Auch die Verursacherquote (75 %) entspricht den Vorjahren, wobei sich hier die männlichen Fahranfänger mit einem 2/3 Anteil besonders hervortun.   An 3 Unfällen mit Todesfolge waren Fahrer dieser Personengruppe beteiligt, zweimal als Verursacher. Dabei starben, wie erwähnt, die beiden Beifahrer in Jork (17 und 20 Jahre) und ein 20jähriger aus Buxtehude auf der K 26 bei Grundoldendorf. Beim dritten VU mit Beteiligung eines jungen Fahrers hatte dieser offensichtlich keine Schuld, weil eine Frau die B 73 bei Nottensdorf in der Dunkelheit überquerte, ohne auf den Fahrverkehr zu achten.

Die Hauptunfallursache bei dieser Altersgruppe ist und bleibt die Geschwindigkeitsüberschreitung, da mindestens jeder 4. der durch junge Fahrer verursachten Unfälle auf dieses Fehlverhalten zurückzuführen ist. Bei den Unfällen mit Schwerverletzten war es sogar jeder zweite. 21 Mal waren junge Männer bei Verkehrsunfällen alkoholisiert und zweimal standen sie unter Drogeneinfluss.   Die Altersgruppe der Senioren (ab 65 Jahre) ist mit 678 VU am Unfallgeschehen beteiligt. Das sind 13 VU weniger als 2012. Bei 3 Unfällen wurden Senioren getötet, einmal als Fußgänger auf der L 111 in Freiburg und zweimal im Pkw als Alleinunfall. Die Anzahl derverletzten Senioren blieb ungefähr gleich; insgesamt waren 103 Verletzte (2012: 99) zu versorgen. In dieser Altersgruppe sind die Unfallursachen im Bereich Rückwärtsfahren/Wenden, Abstand und Vorfahrt, also komplexere Fahrmanöver zu finden. Bei 23 Unfällen wurde der Führerschein sichergestellt, weil die Verkehrstüchtigkeit altersbedingt in Frage zu stellen war. In diesen Fällen erfolgte eine Überprüfung der Fahrerlaubnis durch den Landkreis.   Die Polizei musste im abgelaufenen Jahr 83 Unfälle mit Kindern (0-14 Jahre) aufnehmen, 9 weniger als im Vorjahr. Während in den letzten 3 Jahren jeweils 2 durch Verkehrsunfälle getötete Kinder zu beklagen waren, musste in 2013 keine Todesnachrichten nach Unfällen mit Kindern überbracht werden. Mit 6 schwer (2012: 14) und 68 (71) leicht Verletzten waren weniger Kinder durch Unfälle zu Opfern geworden. Diese Entwicklung hatte auch Auswirkungen auf die Schulwegunfälle. Statt 34 VU in 2012 gab es in 2013 nur 16 Unfälle auf dem Weg zur Schule, mit 16 Leichtverletzten. Kleine Kinder verunglücken häufig als Mitfahrer in Kraftfahrzeugen, ältere Kinder eher mit dem Fahrrad.   In 2013 wurden wieder mehr Motorradunfälle als noch in 2012 verursacht. Die Steigerung um 7 auf 135 Unfälle ist überwiegend auf zwei Wochen im Mai zurückzuführen, an denen auffällig viele VU mit Kradbeteiligung zu verzeichnen waren. 1 Kradfahrerin kam unverschuldet auf der B 495 bei Wischhafen ums Leben, als ihr ein Geländewagen die Vorfahrt nahm. Weiterhin gab es 34 schwer und 62 leicht verletzte Biker.   Auch die nicht motorisierten Zweiräder waren in weniger Verkehrsunfälle verwickelt als 2012. 181 Unfälle mit Radfahrern (2012: 203) sowie 26 Schwerverletzte (22) und 137 Leichtverletzte (147) wurden durch die Polizei des Landkreises Stade aufgenommen. Tödlich verletzte Radler gab es nicht. Dabei ist anzumerken, dass die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen bei Unfallbeteiligung von Radfahrern sehr hoch ist. Radfahrer setzen bei etwa jedem 4. Unfall die Ursache für den Zusammenstoß. Im Landkreis Stade wurden 6 VU mit Pedelecs (Fahrräder mit Elektromotorunterstützung) gemeldet. Neben einem Schwerverletzten wurden auch 3 Pedelec-Fahrer leicht verletzt. In 5 Fällen waren die Fahrerinnen/Fahrer zwischen 60-70. Diese Altersgruppe stellt auch wohl den Großteil der Nutzer von Pedelecs. Für die Zukunft ist mit einem steigenden Anteil an Pedelecs zu rechnen. Dabei ist auch mit einer höheren Unfallbeteiligung zu rechnen, da die Geschwindigkeit dieser Pedelecs in vielen Fällen erheblich höher ist, als man das von herkömmlichen Fahrrädern gewohnt ist.   Wie oben schon erwähnt, gab es in 2013 bei 2 Unfällen tote Fußgänger zu verzeichnen. Insgesamt jedoch sind die Unfälle mit Fußgängern um 16 auf 66 zurückgegangen. 10 Fußgänger erlitten schwere, 46 Personen leichte Verletzungen. Sorgen bereiten die Baumunfälle. Während in 2012 noch 115 Unfälle am Baum endeten, waren es in 2013 schon 135. Dabei ist aus Sicht der Unfallbekämpfung als problematisch anzusehen, dass Bäume an Straßen mit Baumunfallvergangenheit nachgepflanzt werden. Es sollte geprüft werden, ob nicht ebenfalls geeignete, aber für den Verkehrsteilnehmer mit weniger Folgen behaftete Pflanzen/Sträucher als Alternative eingesetzt werden können. Insgesamt ist zu hoffen, dass sich bei vermehrter Anbringung adäquater Fahrbahnrandmarkierungen der Auslöser dieser Baumunfälle, nämlich das Abkommen von der Fahrbahn, zu gewissen Teilen verhindert werden kann. Der Landkreis ist für die Kreisstraßen bei diesem Thema aber am Ball.   Wildunfälle, die der Polizei gemeldet wurden, haben sich deutlich reduziert. 595 Wildtiere wurden bei diesen Unfällen angefahren, 2012 waren es noch 762.   Einen anderen Brennpunkt im Unfallgeschehen im Landkreis Stade stellen die Unfallfluchten dar. Sie steigen seit Jahren kontinuierlich. Mittlerweile enden fast tausend Unfälle mit der Flucht des Verursachers. 69 Unfälle haben dabei auch Personenschäden zur Folge. Hier appelliert die Polizei an die Bürger und Verkehrsteilnehmer, dass sie beobachtete Verkehrsunfälle und durch Fahrzeuge verursachte Schäden unbedingt der Polizei melden sollen. Bei der Unfallflucht handelt es sich nämlich nicht um ein Kavaliersdelikt, gehen die Kosten für den Geschädigten doch häufig in die Tausende.   Bei der Ursachenverteilung zu den Unfällen hat sich gegenüber den Vorjahren nichts verändert. Fehlerhafte Fahrmanöver die mit Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren zu tun haben, sind deutlich am meisten festzustellen. Danach folgen zu geringer Abstand und unangepasste bzw. zu hohe Geschwindigkeit, wobei diese beiden Fehlverhalten stark miteinander korrelieren. Bei den Unfällen außerhalb geschlossener Ortschaften ist unangepasste Geschwindigkeit das häufigste Fehlverhalten.

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