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POL-SH: Geschichte der Polizei in S-H: Ringen um respektvolles Gedenken und verantwortungsvolle Erinnerung

Kiel (ots) - "Die Landespolizei will sich stärker als bisher der Aufgabe widmen, die wechselvolle Geschichte der Polizei während der NS-Zeit in Schleswig-Holstein wissenschaftlich aufzuarbeiten", das erklärte Landespolizeidirektor Michael Wilksen heute (09.11.2018) bei einer Gedenkveranstaltung in Kiebitzhörn anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht.

Ein Anlass dieser Initiative war vor etwa einem Jahr die Entdeckung, dass im Dienstgebäude in der Kieler Blumenstraße seit 1954 eine bislang völlig unkommentierte Gedenkstätte "zu Ehren gefallener Kameraden" installiert ist. Neben den Namen einfacher Polizeibeamter ist dort an der Spitze der Name des früheren Kieler Polizeipräsidenten und NSDAP-Spitzenfunktionärs Joachim Meyer-Quade aufgeführt. Während der landesweiten Pogrome am 9. November 1938 soll er Befehle zur Vernichtung von Synagogen und jüdischen Einrichtungen in Kiel befohlen haben.

"Eine Person wie Meyer-Quade kann für eine demokratische Landespolizei, die den Grundwerten von Menschenwürde und Rechtstaatlichkeit verpflichtet ist, niemals ehrenwert oder gar traditionsstiftend sein" erklärte Michael Wilksen. "Wir wissen nicht, welche Kriterien damals bei der Auswahl der Namen angelegt wurden. So stehen die Namen von möglichen Kriegsverbrechern neben den Namen von Menschen, die keine Verbrechen begingen". Die notwendige Neugestaltung des Gedenkens der auf den drei Tafeln aufgeführten im Zweiten Weltkrieg gefallenen Kieler Polizeibeamten in einem Dienstgebäude der Landespolizei erfordere eine sorgfältige historische Beleuchtung der einzelnen Biografien.

Als ersten Schritt hatte die Behördenleitung der Polizeidirektion Kiel externen Sachverstand eingeholt und gemeinsam mit dem Hausherren der Bezirkskriminalinspektion entschieden, die Gedenktafel nicht zu entfernen, sondern sich der Frage nach historischem Wert und Hintergründen dieser aus heutiger Sicht höchst problematischen Ehrung zu stellen und im Spiegel einer bewegten Geschichte wissenschaftlich zu beleuchten. Unter Mitwirkung der Kieler Historiker Claudia Kuhnert und Dr. Jan Schlürmann ist entschieden worden, zunächst einen Kommentar in Form einer ergänzenden Informationsplatte anzubringen. Der kurze Text erläutert den historischen Kontext und kündigt eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung an.

"Diese Auseinandersetzung ist wichtig und sie ist unerlässlich. Dabei geht es nicht allein um Aufklärung und Aufarbeitung mit Blick auf die Verstrickung der Polizei in das NS-System. Wichtiger noch ist der Ansatz, dass aus einer aktiven Auseinandersetzung mit der Geschichte das demokratische Selbstverständnis der Polizistinnen und Polizisten in der Gegenwart gestärkt wird", betonte Dr. Jan Schlürmann, der die Landespolizei zum Thema Erinnerungskultur beraten hat.

Die notwendige Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte erfordere Gründlichkeit und solle unter Einbindung von externem wissenschaftlichem Sachverstand erfolgen, kündigte Wilksen an: "Diese Gedenkstätte hier ist nur ein Schritt, für ein noch zu erstellendes Gesamtbild der Geschichte der Landespolizei. Dabei soll das respektvolle Gedenken an die Kriegsopfer ebenso berücksichtigt werden, wie die verantwortungsvolle Erinnerung an die Opfer der NS-Herrschaft und der deutliche Hinweis auf die Beteiligung von schleswig-holsteinischen Polizisten an den Verbrechen der NS-Diktatur vor und während des Krieges". Zuletzt hatte sich 2001 die wissenschaftliche Dokumentation "Täter und Opfer unter dem Hakenkreuz, eine Landespolizei stellt sich der Geschichte" intensiv mit dem Thema Landespolizei im Nationalsozialismus befasst. Das Innenministerium und der Freundeskreis zur Unterstützung der Polizei Schleswig-Holstein waren damals federführend. Die ehemalige Gestapo-Zentrale in der Düppelstraße stand dabei im Fokus der Betrachtung. Neben der Veröffentlichung einer Publikation wurde vor dem Gebäude des heutigen 1. Polizeireviers Kiel außerdem ein Denkmal eingeweiht, das an die Opfer der NS-Herrschaft in Schleswig-Holstein erinnert.

"Die Rolle der Polizei im Dritten Reich ist Bestandteil der polizeilichen Ausbildung. Ergänzend finden während der Holocaust-Gedenkwoche Veranstaltungen an der Polizeischule in Eutin statt, es werden Vorträge gehalten und die Gedenkstätte in Ahrensbök besucht", erläutert Wilksen. "Zur israelischen Gedenkstätte Yad Vashem bestehen Kontakte, die zukünftig noch weiter ausgebaut werden sollen."

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