Polizeiinspektion Goslar

POL-GS: PI Goslar: Pressemitteilung vom 25.07.14

POL-GS: PI Goslar: Pressemitteilung vom 25.07.14
von links nach rechts: Lothar Niemann, Günter Koschig, Uwe Hoffmann, Tobias Siefert, Ruth Siefert, Christiana Berg, Denis Habig

Goslar (ots) - Tobias Siefert wurde für seine Zivilcourage ausgezeichnet. Goslarer Zivilkampagne würdigt mutigen Helfer aus Kirchweyhe

Am vergangenen Mittwoch wurde Tobias Siefert im Rahmen einer kleinen Feierstunde von Günter Koschig, Goslarer Zivilcouragekampagne (GZK), der Leiterin der PI Goslar, Polizeidirektorin Christina Berg, dem Buchautor Fadi Saad aus Berlin sowie dem Opferanwalt Uwe Hoffmann aus Seesen im Beisein seiner Mutter Ruth Siefert für seinen Mut geehrt.

Was war geschehen?

Sein 25-jähriger Bruder Daniel wurde in der Nacht zum 10. März 2013 vor dem in der niedersächsischen Gemeinde Weyhe Ortsteil Kirchweyhe/LK Diepholz gelegenen Bahnhof Opfer eines gewalttätigen Angriffs und starb an dessen Folgen vier Tage danach in einem Krankenhaus im benachbarten Bremen.

Er befand sich gemeinsam mit anderen Personen in einem Bus auf der Fahrt von Wildeshausen nach Weyhe, als es zu einem heftigen Streit mit zwei türkischstämmigen Mitfahrern kam. Die streitenden Gruppen orderten per Mobiltelefon "Verstärkung" zur Endhaltestelle. Daniel versuchte während dieser Zeit, zunächst erfolgreich, zu vermitteln und die beiden gegnerischen Gruppen im Bus zu beruhigen.

Als der Bus das Ziel am Bahnhof des Weyher Ortsteils Kirchweyhe erreichte, hatte sich dort bereits eine Gruppe von Freunden der Mitfahrer versammelt. Daniel stieg aus dem Bus und wurde dann unvermittelt angegriffen, indem ihm der verurteilte Täter in "Kung-Fu-Manier" in den Rücken trat, so dass er gegen den Bus prallte und zu Boden stürzte. Mehrere Männer schlugen und traten anschließend auf ihn ein, wobei er lebensgefährlich verletzt wurde. Er erlag vier Tage später seinen schweren Kopfverletzungen.

Nach der Tat wurden fünf Tatverdächtige festgenommen. Gegen einen bereits durch frühere Gewalttaten polizeibekannten 20-jährigen Haupttatverdächtigen wurde anschließend Haftbefehl erlassen. Das zuständige Gericht verurteilte ihn später zu fünf Jahren und neun Monaten Jugendhaft.

Der Vorfall erregte überregionales Aufsehen, nachdem die ethnische Zugehörigkeit der mutmaßlichen Täter bzw. des Hauptverdächtigen von der "Bild"-Zeitung thematisiert und von Rechtsextremisten für ausländerfeindliche Propaganda genutzt worden war.

Auf den Tag genau ein Jahr später wollten die Menschen in Kirchweyhe eine friedliche Gedenkfeier durchführen. Rechtsextreme, die von Anfang an versuchten, den Fall politisch auszuschlachten, hatten bereits im Vorfeld angekündigt, in diesem Rahmen eine eigene Mahnwache veranstalten zu wollen. Das wiederum rief Antifa-Aktivisten auf den Plan. Tatsächlich standen sich etwa 15 Rechtsextreme und gut 150 zum Teil vermummte Linksautonomen gegenüber. Die Polizei trennte zwar beide Seiten durch eine Absperrung, trotzdem versuchten Autonome, diese zu durchbrechen. Tobias stellte sich dem Ansturm entgegen und brüllte die Autonomen an: Sie sollten den Tod seines Bruders nicht für ihre Zwecke instrumentalisieren. Seine Botschaft: Wo eines Streitschlichters gedacht werde, sei ein Streit zwischen links und rechts fehl am Platz; eine Gedenkfeier nicht der richtige Ort für lautstarken, tumultartigen Protest.

Nach seinem beruhigte sich die Lage, die Menschen hielten eine Schweigeminute ab und konnten die Veranstaltung in dem gebührenden Rahmen beenden.

Für seinen dabei gezeigten couragierten Einsatz erhielt er nun die Auszeichnung der Goslarer Zivilcouragekampagne, die einmal mehr überörtlich tätig ist und dabei von Opferanwalt Uwe Hoffmann, der die Angehörigen als Nebenkläger im Gerichtsverfahren anwaltlich vertritt, unterstützt wird.

Die Anwesenden würdigten in ihren sich anschließenden Reden noch einmal deutlich das von Tobias Siefert trotz des schmerzlichen Verlusts gezeigte vorbildliche Verhalten und machten deutlich, dass es für alle anderen Menschen gerade unter diesen Umständen eine entsprechende Vorbildfunktion haben sollte. Nach Abschluß der Veranstaltung verbrachte er auf Einladung des Weissen Rings gemeinsam mit seiner Familie ein paar erholsame Stunden im Harz und die Nacht in einem Hotel der Kaiserstadt.

Siemers, KOK

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