Staatsanwaltschaft Hamburg

STA-HH: 011016-1.StAHH Pressemitteilung

    Hamburg (ots) -

      Die Pressestelle der Staatsanwaltschaften teilt mit:

      Dr. Friedrich Engel - Vorwurf der Teilnahme an Exekutionen
in Italien in den Jahren 1944/45

      Die Staatsanwaltschaft Hamburg bearbeitet in einem
Sonderdezernat das Verfahren gegen Dr. Friedrich Engel wegen des
Verdachts des Mordes im Zusammenhang mit Exekutionen in Italien
in den Jahren 1944/45.
      Hierzu sind intensive Ermittlungen im In- und Ausland
durchgeführt worden, die noch nicht abgeschlossen werden
konnten.

      In Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Hamburg sowie
unter Mitwirkung des italienischen Historikers und
Sachverständigen Gentile, der über ein umfangreiches Wissen im
Zusammenhang mit der Partisanentätigkeit in Ligurien sowie den
Massnahmen der deutschen Dienststellen verfügt, konnten in den
einschlägigen deutschen Archiven wichtige Beweismittelunterlagen
gesichtet und sichergestellt werden. Hieraus ergaben sich
Hinweise auf über 200 mögliche Zeitzeugen. Die Kriminalpolizei
ist noch damit beschäftigt, den Verbleib dieser Personen zu
klären und gegebenenfalls zeugenschaftliche Vernehmungen
vorzunehmen.

      Im Juli 2001 wurden in Turin Gespräche mit dem
Sachbearbeiter des Militärgerichtsverfahrens gegen Dr. Engel,
Militärstaatsanwalt Dr. Rivello, geführt und die dortigen
Verfahrensakten eingesehen und ausgewertet.
      Bedeutsame Hinweise ergaben sich auch aus den gesichteten
Akten eines Verfahrens des Appellationsgerichts in Genua aus dem
Jahre 1945 gegen einen zwischenzeitlich verstorbenen Beteiligten
an der sogenannten Turchino-Aktion.
      Weitere ergänzende Unterlagen konnte der zuständige
Dezernent, Oberstaatsanwalt Kuhlmann, in Archiven in Washington
auffinden.

      Am 3.8.2001 hat bei dem Beschuldigten Dr. Engel eine
Hausdurchsuchung stattgefunden. Es wurden zahlreiche Unterlagen
(Korrespondenz, Aufsätze, Notizen, Zeitungsberichte)
sichergestellt. Der Beschuldigte verhielt sich kooperativ. Im
Anschluss an die Durchsuchung wurde dem Beschuldigten
rechtliches Gehör angeboten und eine erste Vernehmung
durchgeführt. Dr. Engel machte zunächst Angaben zur sogenannten
Turchino-Aktion, bei der nach einem Anschlag auf ein deutsches
Soldatenkino in Genua im Mai 1944 59 italienische Gefangene aus
dem SD-Gefängnis hingerichtet worden sind.

      Bei vier folgenden Vernehmungen des Beschuldigten in
Anwesenheit seines Verteidigers ist Dr. Engel auch zu dem Fall
«Benedicta», befragt worden, bei dem im Rahmen einer Aktion
gegen Partisanen im April 1944 insgesamt 147 zuvor gefangen
genommene italienische Staatsbürger erschossen worden sind,
sowie zu dem Fall «Cravasco» im März 1945 mit 18 Opfern.

      Die Staatsanwaltschaft strebt den baldigen Abschluss der
Ermittlungen an.

ots-Originaltext: Pressestelle Staatsanwaltschaft Hamburg

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