Polizeipräsidium Stuttgart

POL-S: Polizeiliche Kriminalstatistik 2013 für die Landeshauptstadt Polizeipräsident Franz Lutz: "Stuttgart ist und bleibt ein sicheres Pflaster, wenn uns auch vor allem Wohnungseinbrüche zu schaffen machen"

Stuttgart (ots) - Die Zahl der Straftaten ist in der Landeshauptstadt im vergangenen Jahr von 59.284 leicht um 1,6 Prozent auf 58.325 Fälle gesunken. Die Aufklärungsquote liegt wie seit Jahren bei über 60 Prozent und ist mit 61,9 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt von 58 Prozent. Mehr Straftaten als zuletzt gab es im Bereich der Wohnungseinbrüche, der Diebstahldelikte sowie der Rauschgiftkriminalität. Rückgänge stellte die Polizei hingegen im Bereich der Gewalt - und Straßenkriminalität sowie der Körperverletzungsdelikte fest. "Stuttgart ist und bleibt im Vergleich zu anderen Großstädten ein sicheres Pflaster und behält seine Spitzenposition", so Polizeipräsident Franz Lutz bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Donnerstagmorgen (03.04.2014) in Stuttgart. Kein gutes Signal sei der Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen. "Kein Polizist kann mit dieser Entwicklung zufrieden sein", stellte Franz Lutz klar. "Es gibt da auch nichts schönzureden", so der Polizeipräsident weiter. Wie im Land hat die Polizei sich mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen, erstmals nach 1997 wurde gar die 1.000er Marke wieder überschritten, obgleich die Steigerungsrate in der Fläche mit rund 32 Prozent fast doppelt so hoch liegt als in der Landeshauptstadt (16,2 Prozent). Die Aufklärungsquote liegt mit 11,4 Prozent, fast doppelt so hoch als im Vorjahr (2012; 6,1 Prozent), dennoch ist diese Quote nicht zufriedenstellend. Mit dazu beitragen haben mehrere satte Ermittlungserfolge, so u.a. die Festnahme von mehreren Einbrechern die für über 150 Wohnungseinbrüche im Stadtgebiet verantwortlich waren. Insgesamt sind im Jahr 2013 90 Tatverdächtige ermittelt worden, die im Verdacht stehen in Wohnungen eingebrochen zu haben. Von diesen waren 40 in Stuttgart gemeldet, weitere 19 wohnten in Baden-Württemberg verteilt, zwei im Ausland und 19 hielten sich ohne festen Wohnsitz in Deutschland auf. Bemerkenswert ist, dass mittlerweile sehr viele Taten, nämlich gut 40 Prozent, im Versuchsstadium stecken bleiben. Intensive Anstrengungen, zahlreiche Präventionsaktivitäten, Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen sowie die überaus gut angenommenen, kostenlosen Beratungsgespräche der Beamten der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle scheinen also zu fruchten. Bei den Taschendiebstählen bestätigt sich die bereits in den vergangenen Jahren festgestellte Tendenz, dass die Täter es neben Bargeld zielgerichtet auf Smartphones und Tablets abgesehen haben. "Offenbar ein lohnendes Geschäft", so Franz Lutz, bei dem wir eine bandenmäßige Begehensweise feststellen, die wir mit zahlreichen Präventions-, sprich Aufklärungsaktivtäten, versuchen in den Griff zu bekommen." Menschenansammlungen jeglicher Art, seien es Märkte oder Feste, Bahnen oder Diskotheken, sind nach einer Auswertung der Statistiker und Erkenntnissen der Ermittler vor Ort besonders lukrativ, um als Taschendieb erfolgreich zu sein. Auffällig sei, dass auch zunehmend Betrunkene als Opfer anvisiert werden. "Die Menschen können selbst einiges tun, um nicht bestohlen zu werden. Wir wundern uns schon, wie leichtsinnig manche mit ihren wertvollen Geräten umgehen und dann von der Polizei die Lösung ihrer Probleme erwarten", so Lutz. Wie auch im Land hat die Rauschgiftkriminalität in der Landeshauptstadt eklatant zugenommen. Dabei handelt es sich in knapp dreiviertel der Fälle um Verstöße im Zusammenhang mit Cannabisprodukten. Offenbar verleitet der vermeintlich laxe gesellschaftliche Umgang mit der Droge insbesondere jüngere Menschen zur Sorglosigkeit. "Das Für und Wider zur Freigabe von Cannabis kann bei der polizeilichen Arbeit nicht zielführend sein", erläuterte der Polizeipräsident. "Die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen lassen es nicht zu, hier in irgendeiner Form in der Verfolgung dieser Delikte nachzulassen", so Franz Lutz weiter. Unbefriedigend ist aus polizeilicher Sicht zudem das Phänomen Computerkriminalität. "Während sich zum Beispiel der Räuber früher maskiert auf den Weg zum Banküberfall gemacht hat, so sitzt der Täter von heute unmaskiert vor seinem Monitor", stellte der Polizeipräsident ernüchtert fest. "Hier polizeilich erfolgreich zu sein, insbesondere im momentan medial präsenten Thema 'Kinderpornografie', verlangt der Polizei hohen personellen und technischen Aufwand ab", so Franz Lutz. Zudem fänden sich derzeit lediglich zwischen zehn und zwanzig Prozent dieser Delikte in der polizeilichen Kriminalstatistik wider, da viele Taten vom Ausland aus begangen würden und trotzdem immense und zeitraubende Ermittlungen nötig machten. Auch das Thema 'Gewalt gegen Polizeibeamte' ist wiederkehrend und trotz gesunkener Fallzahlen kein Grund zur Zufriedenheit. "Unsere Beamtinnen und Beamten stehen weiterhin auf dünnem Eis; sie werden bedroht, geschlagen, bespuckt und beleidigt", stellte der Polizeipräsident fest. "Nur unserem Konzept der Stärke, das heißt mit massiver Polizeipräsenz insbesondere am Wochenende in der Innenstadt aufzutreten, ist geschuldet, dass wir hier rückläufige Zahlen präsentieren können. Mangelnden Respekt kann die Polizei so zwar nicht einfordern, aber eine Unmissverständlichkeit zum Ausdruck bringen", so Franz Lutz. Wie schon in den vergangenen Jahren war jeder vierte Tatverdächtige unter 21 Jahre alt. Im Einzelnen gab es weniger Gewaltkriminalität (minus 13,8 Prozent) und weniger Aggressionsdelikte (minus 7,2 Prozent). Polizeipräsident Franz Lutz sieht dies als besonderen Erfolg der konsequenten Schwerpunktarbeit der Stuttgarter Polizei an. Auch in diesem Jahr werde mit Nachdruck daran gearbeitet, diesen Trend - statistisch wurden 25.820 Tatverdächtige und damit 191 Personen weniger als im Jahr 2012 registriert - weiter auszubauen. "Ich fordere alle, Bürger, Arbeitende und Gäste in Stuttgart auf, nach Kräften aktiv an der Sicherheit und dem Sicherheitsempfinden in unserer Stadt mitzuwirken. Nicht wegzuschauen in der Nachbarschaft, Zivilcourage zu zeigen bei Auseinandersetzungen, Handeln oder zumindest die Polizei zu alarmieren, wenn etwas nicht stimmt" würde sich der Polizeipräsident mehr wünschen. "Wir kommen zu jedem Fall, zu jedem Verdacht, zu dem wir gerufen werden" betonte Franz Lutz.

Wohnungseinbrüche

Im Stadtgebiet Stuttgart sind im Jahr 2013 insgesamt 1.025 Wohnungseinbrüche bei der Polizei registriert worden, 143 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Polizei wird neben örtlichen Tätern zunehmend mit überregionalen Einzel- und Serientätern, die häufig ihre Aufenthaltsorte wechseln, konfrontiert. Zum Teil handelt es sich um kriminelle Banden aus Süd- und Osteuropa, die mitunter Strukturen von organisierter Kriminalität aufweisen. "Um hier besser zu werden, benötigen wir die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger, scheuen Sie sich nicht die 110 anzurufen, wenn Sie verdächtige Beobachtungen machen. Gleichzeitig stehen bei uns natürlich Ermittlungs- und Kontrollmaßnahmen und Prävention ganz oben auf der Tagesordnung", so Norbert Walz, der Leiter des Führungs- und Einsatzstabes. Die Spezialisten der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle haben so viele Präventionsveranstaltungen und Beratungen in Sachen Wohnungseinbruch wie nie zuvor bewältigt, insgesamt waren es über 1.424 Gespräche. Davon 367 in Wohnungen von betroffenen Bürgerinnen und Bürger, bei denen eingebrochen wurde. "Die hohe Zahl von Einbruchsversuchen und gescheiterten Einbrüchen (44,0 Prozent) in Häuser und Wohnungen zeigt, dass es sich lohnt, in Sicherungsmaßnahmen zu investieren, um sein Eigentum zu schützen", erläuterte Norbert Walz. Die Einsatzkräfte der Polizeireviere, der Einsatzhundertschaft und der Kriminalpolizei waren nicht nur in Uniform, sondern auch in zivil in den Wohngebieten unterwegs. Dabei sind mehrere Tausend Karten mit `Tipps für Ihre Sicherheit` an Bewohnerinnen und Bewohner im Zeitraum von Ende Oktober bis Ende Dezember 2013 verteilt und Gespräche mit den Bewohnern geführt worden.

Diebstahlsdelikte

Die Zahl der registrierten Diebstähle ist 2013 zum vierten Mal in Folge angestiegen. So wurden der Stuttgarter Polizei 1.050 Diebstähle mehr gemeldet als im Jahr 2012. Damit stiegen diese auf 18.516 Fälle an. Mit ursächlich dafür waren Taschendiebstähle. Opfer von Taschendiebstählen sind meist Besucherinnen und Besucher von sogenannten Massenveranstaltungen wie Feste, Veranstaltungen und Märkte. Hier nutzen die Diebe oftmals das Gedränge aus, um zuzugreifen. "Leider machen es die Opfer den Tätern auch leicht, daher hat die Stuttgarter Polizei im vergangenen Jahr ein besonderes Konzept mit Flyern und Transparenten aufgelegt. Darüber hinaus wird auch gemeinsam mit der Stuttgarter Straßenbahn AG und deren Fahrgastanzeigen vor Taschendiebstählen gewarnt", sagte Norbert Walz. Häufig werden auch Besucherinnen und Besucher von Diskotheken und Clubs Opfer von Taschendiebstählen. Mit Tischaufstellern und Plakaten versuchen Betreiber in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und der Polizei die Gäste zu sensibilisieren und zur Wachsamkeit aufzufordern.

Rauschgiftdelikte

Die registrierten Rauschgiftstraftaten stiegen vor allem wegen Besitz- und Erwerbsfällen um 723 auf insgesamt 3.518 Fälle an. Dies entspricht einer Zunahme um 25,9 Prozent. Damit hat Stuttgart eine höhere Steigerung zu verzeichnen als dies der Landestrend aufzeigt; hier liegt die Steigerung bei 16,9 Prozent. Ursächlich dafür dürften auch die polizeiliche Einsatzmaßnahmen in der Eventszene sein, die zum Auffinden von Drogen und damit zu einer Steigerung der Ermittlungsverfahren führten. Knapp 90 Prozent der Fälle wurden geklärt. Im Jahr 2013 verstarben zwölf Menschen an ihrer Drogensucht.

Gewalt-/ Straßenkriminalität; Aggressionsdelikte junger Menschen und Heranwachsender

Die Attraktivität der Eventszene in der Landeshauptstadt und die einhergehende Sogwirkung auf die Innenstadt durch Feste, Veranstaltungen und Märkte ist ungebrochen. Das steigende Personenaufkommen, die vielen Treffpunkte und der Einfluss von Alkohol, können als mitursächlich für Tatgelegenheiten der Gewaltkriminalität angesehen werden. Damit verbunden auch die Begleiterscheinungen wie Diebstähle, Körperverletzungen und Raubstraftaten. Im Jahr 2013 setzte sich der Trend eines Rückgangs der Straßenkriminalität fort. So wurden bei der Polizei insgesamt 8.394 Fälle von Straßenkriminalität angezeigt; dies sind 221 Fälle weniger als im Jahr 2012. Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum wurden 2013 zu rund einem Drittel von unter 21-Jährigen begangen (785 von 2.891 Fällen). Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Straßenkriminalität. 1.682 Tatverdächtige sind ermittelt worden, 616 von ihnen waren zum Tatzeitpunkt unter 21 Jahre alt. Mit 36,6 Prozent liegt Stuttgart hier deutlich unter dem Landesdurchschnitt (43,2 Prozent). Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren an der Gewaltkriminalität, der Straßenkriminalität und den Aggressionsdelikten ist in Stuttgart im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Bei der Gewaltkriminalität ist der Anteil der Tatverdächtigen um 36,9 Prozent zurückgegangen (2013; 648 Tatverdächtige, minus 239 Personen). 232 Tatverdächtige weniger wurden bei den Aggressionsdelikten verzeichnet (2013; 785 Tatverdächtige, 2012; 1.017 Tatverdächtige). Auch der Anteil der unter 21-Jährigen an der Straßenkriminalität ist in Stuttgart gesunken, im Jahr 2013 um 186 Tatverdächtige (2013; 616 Tatverdächtige, 2012; 802 Tatverdächtige). Dies entspricht dem landesweiten Trend. Häufig ist allerdings Alkohol der Auslöser für Straftaten und andere Regelverstöße in der Innenstadt sowie auf Veranstaltungen im Stadtgebiet und auf dem Cannstatter Wasen. Die Stuttgarter Polizei wird auch weiter auf diese Erscheinungen mit Konzepten und Kooperationen reagieren.

Jugendkriminalität

Der Kampf gegen Jugendkriminalität ist seit Jahren einer der Schwerpunkte polizeilicher Arbeit. 6.146 aller ermittelten Tatverdächtigen waren im Jahr 2013 unter 21 Jahre alt. Im Vergleich zu 2012 (6.198) ist diese Zahl annähernd gleich geblieben. Ungefähr die Hälfte der Tatverdächtigen unter 21 Jahren, hatten zur Tatzeit ihren Wohnsitz außerhalb von Stuttgart. Am häufigsten stehen Jungtäter bei Raubstraftaten (34,0 Prozent), gefährlicher und schwerer Körperverletzung (24,3 Prozent) und bei Delikten der Straßenkriminalität (30,7 Prozent) unter Alkoholeinfluss.

Körperverletzungsdelikte

Die Körperverletzungen insgesamt sind im vergangenen Jahr von 7.125 Fällen im Jahr 2012 auf 6.571 Fälle zurückgegangen. Innerhalb dieser Deliktsart sind die gefährliche beziehungsweise die schwere Körperverletzung um 316 Fälle auf insgesamt 1.567 Fälle gesunken. Die vorsätzliche leichte Körperverletzung nahm um 232 Fälle im Vergleich zu 2012 ab.

Opferzahlen

Besonders stark zurückgegangen sind die Opferzahlen. Wurden im Jahr 2012 noch 12.323 Menschen Opfer einer Straftat, so sind dies im Jahr 2013 1.336 Menschen weniger, dies bedeutet ein Rückgang um 10,8 Prozent. Bei der Opfergruppe unter 21 Jahren ist ein Rückgang um minus 17,4 Prozent im Berichtsjahr zu verzeichnen, bei den Opfergruppen bis 60 Jahre und über 60 Jahre jeweils um 9,1 und 8,4 Prozent. 2013 wurden in Stuttgart in 720 Fällen Straftaten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte registriert (2012; 901). Hierbei wurden 1.550 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte Opfer von verschiedenen Delikten, wie zum Beispiel Körperverletzungsdelikten, Bedrohungen und Nötigungen, im Vorjahr waren dies noch 1.923 Beamtinnen und Beamte.

Prävention

Eine wirksame Prävention ist grundsätzlich möglichst frühzeitig, vernetzt und nachhaltig durchzuführen. Dieses Ziel hat sich die Stuttgarter Polizei gesetzt. So wurden im Jahr 2013 im Rahmen der Kriminal- und Verkehrsprävention insgesamt 6.897 Veranstaltungen betreut, an denen 51.086 Personen teilgenommen haben. Schwerpunkte lagen unter anderem im Bereich der Gewalt- und Alkoholprävention sowie dem Einbruchschutz. Allein im Bereich der Gewalt- und Alkoholprävention haben die Stuttgarter Beamtinnen und Beamten mehr als Tausend Veranstaltungen durchgeführt. Die Beamten der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle haben sich im Berichtsjahr unter anderem bei mehr als 100 Veranstaltungen auch an die ältere Generation gewandt und in Wohnheimen, Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbänden über Trickdiebstahl, Betrug usw. informiert. Zum Thema Wohnungseinbruch fanden insgesamt 2.165 Veranstaltungen statt, darüber hinaus gab es Aktionstage in den Stadtteilen, an denen zum selben Thema informiert wurde. Zudem ist an 79 Tagen mit Informationsständen im Stadtgebiet aufgeklärt und auf den Service der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle hingewiesen worden.

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Stuttgart
Pressestelle
Telefon: 0711 8990-2079
E-Mail: stuttgart.pp.stab.oe@polizei.bwl.de
Außerhalb der Bürozeiten (Montag bis Freitag 06.30 Uhr bis 18.00
Uhr):
Telefon: 0711 8990-3333
E-Mail: stuttgart.pp@polizei.bwl.de

http://www.polizei-bw.de/

Original-Content von: Polizeipräsidium Stuttgart, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Polizeipräsidium Stuttgart

Das könnte Sie auch interessieren: