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17.03.2017 – 13:43

Polizeipräsidium Konstanz

POL-KN: Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 des Polizeipräsidiums Konstanz (Landkreise Konstanz, Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis)

Konstanz (ots)

   - Gesamtstraftaten geringfügig gestiegen 
   - Unterschiedliche Entwicklung in den Landkreisen 
   - Erneute Steigerung der Aufklärungsquote 
   - Deutliche Zunahme tatverdächtiger Flüchtlinge/Asylbewerber 

"Mit 47.720 (Vorjahr: 47.428) erfassten Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz hat deren Gesamtzahl im vergangenen Jahr eine geringe Zunahme um 0,6 Prozent erfahren", gibt Polizeipräsident Ekkehard Falk bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 am Freitag (17. März 2017) bekannt. Bereinigt um die Delikte nach dem Ausländerrecht, die ohnehin nur von Ausländern begangen werden können (z.B. fehlende Ausweispapiere bei der Einreise), sei im Vergleich zum Vorjahr aber ein Rückgang der Straftaten um 0,4 Prozent festzustellen, erläutert Falk. In der Langzeitbetrachtung seien die Fallzahlen in Relation zum 10-Jahres-Mittelwert um 2,6 Prozent rückläufig, so der Polizeichef weiter. Während von den Organisationseinheiten des Polizeipräsidiums 43.380 Straftaten bearbeitet worden seien, schlage der Anteil von anderen Dienststellen, insbesondere der Bundespolizei und des Zolls, mit neun Prozent an den gesamten Fallzahlen zu Buche.

"Wir liegen zwar insgesamt mit der Häufigkeitszahl (diese stellt das auf 100.000 Einwohner hochgerechnete Verhältnis der verübten Straftaten zur Einwohnerzahl dar und ermöglicht so einen Vergleich der Kriminalitätsbelastung unterschiedlich dicht besiedelter Regionen) von 4.992 unter dem Landesdurchschnitt von 5.390, haben aber sehr unterschiedliche Entwicklungen in den Landkreisen zu verzeichnen", bilanziert der Leiter des Polizeipräsidiums. Während im Landkreis Konstanz und im Bodenseekreis jeweils ein deutlicher Rückgang bei der Kriminalitätsbelastung festzustellen sei, treffe dies insbesondere für den Landkreis Sigmaringen nicht zu, so der Polizeipräsident weiter.

Aufklärungsquote erneut gesteigert Trotz des leichten Anstiegs der Straftaten konnte die Aufklärungsquote mit 63,2 (Vorjahr: 61,7) Prozent ein weiteres Mal gesteigert werden", zeigt sich der Polizeichef erfreut über dieses Ergebnis. Insbesondere beim ansonsten aufklärungsunfreundlichen Wohnungseinbruch hätten die Ermittler die Aufklärungsquote von 31,1 auf 32,4 Prozent ebenfalls gesteigert, womit landesweit erneut ein Spitzenwert erreicht worden sei. Dies gehe vor allem auf die Ermittlungserfolge im Bodenseekreis mit 53 und dem Landkreis Konstanz mit 47,9 Prozent zurück, sagt Falk und unterstreicht damit die gemeinsamen Anstrengungen bei der Bekämpfung dieses Deliktsfeldes, welches das Sicherheitsgefühl der Bürger massiv beeinträchtigt.

Entwicklung und Struktur der Tatverdächtigen Der leichte Anstieg der registrierten Straftaten mache sich auch bei den ermittelten Tatverdächtigen bemerkbar, so Falk. Mit 19.203 erfassten Tatverdächtigen (ohne ausländerrechtliche Delikte) sei deren Zahl lediglich um 0,1 Prozent angestiegen, was allerdings nicht auf die Gruppe der unter 21-Jährigen (Kinder, Jugendliche, Heranwachsende) zutreffe, die von 4.659 auf 4.512 (-3,2 %) Tatverdächtige zurückgegangen sei, stellt der Polizeipräsident fest. Während der Anteil der Jungtäter im Bodenseekreis über neun Prozent, im Landkreis Konstanz über acht Prozent und im Landkreis Ravensburg um zwei Prozent zurückgegangen sei, habe es im Landkreis Sigmaringen hingegen einen erheblichen Anstieg der tatverdächtigen unter 21-Jährigen von über 17 Prozent gegeben, sagt Falk.

Bei der Straßenkriminalität sei der Anteil der Jungtäter im Landkreis Konstanz unverändert geblieben, im Bodenseekreis und Ravensburger Kreisgebiet nur leicht, im Landkreis Sigmaringen jedoch deutlich um fast acht Prozent angestiegen. Insgesamt sei diese Altersgruppe bei den Delikten der Straßenkriminalität mit über 40 Prozent vertreten. Nahezu unverändert liege der Anteil der unter 21-Jährigen an den Rohheitsdelikten bei knapp 20 Prozent. Wie schon in den Vorjahren seien die Jungtäter auch bei der Betäubungsmittel-kriminalität stark vertreten, wo sich deren Anteil im Bodenseekreis und im Landkreis Sigmaringen sogar bei über 40 Prozent bewege, stellt der Polizeichef fest.

"Nicht nur landesweit, sondern auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz, und hier insbesondere im Landkreis Sigmaringen ist die Zahl der von Asylbewerbern/Flüchtlingen begangenen Straftaten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen", stellt der Polizeichef mit Besorgnis fest. Insgesamt habe sich die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen um nahezu neun Prozent auf 6.198 (5.693) erhöht, so Falk, wenn wie bei der Straftatenentwicklung auch, bei der Betrachtung der Tatverdächtigen die Delikte ohne ausländerrechtliche Verstöße zugrunde gelegt werden. Dabei betrage der Anteil der Flüchtlinge/Asylbewerber 31,3 (+9,2) Prozent.

Betrachtung einzelner Deliktsbereiche

Gewaltkriminalität "Deutlich von 23 auf 36 Fälle zugenommen haben die von der Kriminalpolizei bearbeiteten vollendeten und versuchten Tötungsdelikte", sagt Falk und macht dabei deutlich, dass nicht nur bei diesen Straftaten, sondern auch bei den Rohheitsdelikten (Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung) insgesamt ein Anstieg um nahezu 10 Prozent zu verzeichnen sei. Für das wohl größte öffentliche Interesse haben nicht nur der Dreifach-Mord in Ravensburg-Untereschach am 1. Juli vergangenen Jahres, sondern auch der kaltblütige "Kopfschuss-Mord" in Weingarten im Juni und das Tötungsdelikt am 10. Juli 2016 in Berg gesorgt, der jetzt gerade vor dem Landgericht verhandelt werde, so der Polizeichef. Dass sich bei allen Kapitaldelikten die akribische und umfängliche Ermittlungsarbeit der jeweils schnell eingerichteten Sonderkommissionen bzw. Ermittlungsgruppen bewährt habe, zeige auch die Klärung des Mordversuchs an einem 30-jährigen Mann zu Beginn des vergangenen Jahres in Meckenbeuren-Brochenzell, macht der Leiter des Polizeipräsidiums deutlich. Nur durch die detaillierte, über sechs Monate dauernde Aufarbeitung des Ablaufs der Festveranstaltung, die das Opfer besucht hatte, und der Vernehmung von weit über 100 Veranstaltungsbesuchern sowie durch Anwohnerbefragungen, Auswertung sozialer Medien und andere operative Maßnahmen sei es gelungen, den Tatverdacht gegen einen 22-Jährigen zu belegen, was letztlich zur Verurteilung des jungen Mannes vor dem Landgericht Ravensburg zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und 10 Monaten geführt habe. Einmal mehr sei die Aufklärungsquote bei den Tötungsdelikten bei nahezu 100 Prozent gelegen, stellt Falk fest. "Gerade aufgrund der Zunahme bei der Gewaltkriminalität ist es erforderlich, nicht in den gemeinsamen Präventionsbemühungen von Polizei, Behörden und Organisationen nachzulassen, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten", sagt der Präsidiumsleiter.

"Neben den Rohheitsdelikten sind nicht nur die Raubdelikte von 194 auf 213 Straftasten im Präsidiumsbereich, sondern auch die Körperverletzungsdelikte um über 10 Prozent gestiegen", bilanziert Falk. Diese Entwicklung sei nahezu in allen Städten festzustellen und mache auch bei der Gewalt gegen Polizeibeamte nicht Halt. In allen Landkreisen, insbesondere in den Städten Singen, Konstanz und Friedrichshafen, sei der Anstieg besonders hoch, so Falk. Auffällig sei vor allem die starke Zunahme bei den ermittelten Wiederholungstätern. Während der Anstieg bei den Ersttätern bei knapp sieben Prozent liege, betrage dieser bei den Mehrfachtätern hingegen über 80 Prozent, gibt der Polizeichef zu bedenken.

"Die Zahl der Sexualdelikte hat insgesamt um 55 auf 517 Fälle zugenommen, wobei die Anzahl von Vergewaltigungen und des sexuellen Missbrauchs rückläufig war", stellt der Polizeipräsident fest. Die Zunahmen dieser Straftaten mache sich insbesondere in den Landkreisen Konstanz (+35) und Sigmaringen (+21) bemerkbar.

Um insgesamt 440 Fälle und damit um nahezu drei Prozent seien die Diebstahlsdelikte, die rund ein Drittel aller Straftaten ausmachen, auf 15.910 zurückgegangen. Dies treffe auch auf den schweren Diebstahl und damit auch den Einbruchsdiebstahl zu, konstatiert der Polizeichef. Mit der Bildung von Ermittlungsgruppen, die sich ausschließlich mit der Bekämpfung dieses Deliktsbereiches befassen und der Festlegung von Einbruchsachbearbeitern bei den Polizeirevieren sei bereits vor zwei Jahren nach starken Anstiegen bei der Einbruchskriminalität ein schlagkräftiges Netzwerk geschaffen worden, bei dem neben der intensiven Ermittlungstätigkeit und qualifizierten Spurensicherung die begleitenden Präventions- sowie zahlreichen länderübergreifenden Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen wesentlich beigetragen haben, erläutert Falk. Konnte die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch bereits im Jahr 2015 um 10 auf über 31 Prozent gesteigert werden, gelang es im vergangenen Jahr, diese noch einmal um ein Prozent auf 32,4 Prozent zu erhöhen. Beim regionalen Blick falle auf, dass der vormals stark belastete Landkreis Konstanz erneut Fallzahlenrückgänge aufweise, hingegen in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen sowie im Bodenseekreis Anstiege zu verzeichnen seien, führt der Leiter des Präsidiums weiter aus.

"Dass die Rauschgiftdelikte um über vier Prozent auf 3.453 Straftaten angestiegen seien", verwundere nicht, so Falk, habe man doch durch den Einsatz von revierübergreifenden Ermittlungsgruppen in Abstimmung mit der Kriminalpolizei das Dunkelfeld deutlich erhellen können. Mit 2.127 erfassten Fällen liege der Substanzschwerpunkt eindeutig bei Cannabis. Aber auch bei den Delikten mit Amphetaminen/Ecstasy sind mit 478 (448) Fällen Anstiege zu verzeichnen. Erst mit großem Abstand folgen Verstöße mit Kokain und Heroin. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Anzahl der Rauschgifttoten von 13 auf acht stark gesunken, wobei es sich um zwei weibliche und fünf männliche Personen im Alter von 25 bis 38 Jahren gehandelt habe. In vier Fällen sei eine Überdosierung, in den anderen Fällen der Langzeitkonsum todesursächlich gewesen, erläutert der Polizeichef. Gerade vor dem Hintergrund, dass bei den unter 21-Jährigen ein deutlicher Anstieg beim Besitz/Konsum von Cannabisprodukten und Amphetaminen feststellbar sei, die gesundheitlichen Folgen jedoch oftmals verharmlost werden, werde die Polizei weiterhin verstärkt die Rauschgiftkriminalität bekämpfen und im Zusammenwirken mit Kooperationspartnern insbesondere junge Menschen über die drohenden Gefahren im Umgang mit illegalen Drogen, aber auch über die Rechtsfolgen, aufklären, kündigt Falk an.

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