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25.07.2014 – 13:09

Polizeidirektion Osnabrück

POL-OS: Erste repräsentative Dunkelfeldstudie für die Polizeidirektion Osnabrück vorgestellt - Ergebnisse fließen in zukünftige Polizeiarbeit ein

Osnabrück/Aurich/Emden/Wittmund/Leer/Lingen/Meppen/Papenburg/Nordhorn (ots)

   - Bürger fühlen sich überwiegend wohl und sicher an ihrem Wohnort 
     - Anzeigequote bei Cybercrime nur bei 10 % - jeder zweite junge 
     Mensch unter 21 Jahren Opfer einer Straftat - Arbeit der Polizei
     wird positiv bewertet - 

Im November 2013 präsentierte Innenminister Boris Pistorius die erste repräsentative Dunkel-feldstudie des Landeskriminalamts Niedersachsen. Es war die erste repräsentative Studie, die für ein Bundesland erstellt worden ist. Am 25. Juli 2014 stellte Polizeipräsident Bernhard Witthaut die regionalen Ergebnisse aus der Dunkelfeldstudie speziell für den Bereich der Polizeidirektion Osnabrück vor. Witthaut: "Erstmals werden Erkenntnisse aus einer Dunkelfeldstudie in unsere praktische Polizeiarbeit sowie in die strategische Ausrichtung einfließen. Wir wollen Kriminalität erfolgreich bekämpfen; besser noch Kriminalität gar nicht erst entstehen lassen. Hierzu liefert uns die Studie - neben der jährlichen Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) - viele nützliche und wichtige Erkenntnisse, um das Kriminalitätsgeschehen noch realistischer bewerten zu können, Ressourcen optimaler einzusetzen und Schwerpunkte in der polizeilichen Arbeit möglicherweise neu zu setzten." Im Frühjahr 2013 hatte das Landeskriminalamt Niedersachsen die Fragebögen der Studie an 40.000 zufällig ausgewählte Personen in Niedersachsen ab 16 Jahren verschickt, um sie u.a. zu ihren Kriminalitätserfahrungen, zur Ausprägung von Kriminalitätsfurcht und zur Bewertung der Polizeiarbeit zu befragen. Es wurden 50 Fragen gestellt, die die Befragten anonym beantworten und zurückschicken sollten. Durchgeführt wurde die Befragung von der Kriminologischen For-schungsstelle des Landeskriminalamtes Niedersachen u.a. mit Unterstützung durch die Universität Hamburg. Insgesamt 6.400 Menschen über 16 Jahren erhielten im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück, der vom Teuto bis zu den ostfriesischen Inseln reicht, einen standardisierten Fragebogen zugesandt. Hiervon wurden 3.480 bzw. 45 % der Fragebögen - also etwa die Hälfte - tatsächlich be-antwortet zurückgeschickt. Diese erfreulich hohe Rücklaufquote lässt nun repräsentative Rückschlüsse in Bezug auf die allgemeine Kriminalitäts- und Sicherheitslage, insbesondere der polizeilich nicht registrierten Kriminalität (Dunkelfeld), in der Polizeidirektion zu.

Die Themenfelder der Studie

Das Wohlbefinden der Menschen an ihrem Wohnort

Eine der Ausgangsfragen zu diesem Themenfeld war, wie die Bürgerinnen und Bürger ihr Woh-numfeld und das Leben in ihrer Nachbarschaft bewerten. Das Ergebnis: 92 % der Bürgerinnen und Bürger in der Polizeidirektion bewerten die Nachbarschaftsqualität an ihrem Wohnort als gut bzw. sehr gut. Auch das soziale Miteinander in der Nachbarschaft (sog. Nachbarschaftsintensität) - beispielsweise die gegenseitige Hilfe und das Verständnis unter Nachbarn oder die Kontakte/Besuche zu/bei Nachbarn - wurde durch entsprechende Fragen abgebildet. Rund 76 % der Befragten waren der Meinung, dass ihre Nachbarschaftsintensität eher hoch bzw. hoch ist. Die Studie bestätigte die Annahme, dass die Nachbarschaftsintensität in ländlich strukturierten Regionen höher ist als in den Ballungsgebieten. Positiv können sich diese guten Ergebnisse auf das Sicherheitsempfinden auswirken, da aus kriminologischer Erfahrung das Wohlbefinden der Menschen nicht zuletzt mit dem Empfinden von Sicherheit zusammenhängt.

Sicherheitsempfinden und Kriminalitätsfurcht

Die subjektive Einschätzung eines jeden Menschen zur Sicherheit spiegelt das Sicherheits-empfinden wider. Die Studie fragte nach dem Sicherheitsempfinden der Menschen an ihrem Wohnort und in ihrer Nachbarschaft. Ergebnis: 87,4 % der Menschen gaben an, dass ihr Sicher-heitsgefühl in ihrem Umfeld eher hoch bzw. hoch ist. Demnach fühlen sich die Menschen in der Polizeidirektion zu einem sehr großen Anteil sicher. Bei der Unterscheidung des Sicherheitsempfindens nach Geschlecht und Altersgruppen zeigt sich, dass Frauen, ältere Menschen ab 65 Jahren und jüngere Personen im Alter von 16-20 Jahren sich häufiger unsicher fühlen und Ängste bzw. Sorge haben, als der Durchschnitt, was im Besonderen bei der Altersgruppe der jüngeren Menschen in diesem Maße polizeilich nicht bekannt war. Witthaut: "Gesteigerte Ängste bei älteren Menschen sind nicht unbekannt, dass jedoch junge Menschen unter 21 Jahren das geringste Sicherheitsgefühl aller Altersgruppen im Zusammenhang mit ihrem Wohnumfeld empfinden, ist eine neue und ernst zu nehmende Erkenntnis." Die Kriminalitätsfurcht spiegelt die persönliche Risikoeinschätzung wider, im Hinblick auf die Frage, wie wahrscheinlich es die Befragten halten, im nächsten Jahr Opfer einer Straftat zu werden. Ergebnis: Etwa 90 % der Befragten halten es für eher oder sogar sehr unwahrscheinlich, dass sie im nächsten Jahr Opfer einer Straftat werden. Auch daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Menschen sich in der Polizeidirektion überwiegend sicher fühlen.

Opferwerdung (tatsächliche Viktimisierung)

In der Polizeidirektion Osnabrück wurden mit 27,8 % weniger Menschen über 16 Jahren Opfer von Straftaten als im Durchschnitt in Niedersachsen (29,7 %). Die Studie ergab, dass schwere Delikte wie Sexualdelikte, Raub und Körperverletzungen eher selten vorkommen. Ein hoher Anteil betrifft Delikte rund um das Eigentum. Demnach war im Jahr 2012 etwa jede zehnte Person Opfer eines Diebstahls. Von den 3.480 Befragten in der Polizeidirektion Osnabrück gaben 12,1 % an, dass sie in 2012 Opfer einer Straftat im Zusammenhang mit der IT-Nutzung (z.B. Datenverluste durch Viren oder Phishing) geworden sind. Die geringe Anzeigequote im Bereich Cybercrime von 10 % bestätigt zusätzlich, dass die Bemühungen der Polizeidirektion Osnabrück sowie des Innenministeriums Niedersachsen, spezielle Ermittlungs- und verstärkte Präventi-onsarbeit in diesem Deliktsfeld zu fördern und weiter auszubauen, erforderlich sind. Witthaut: "Wir stehen in diesem Phänomenbereich vor großen Herausforderungen. Wir brauchen zukünftig mehr Spezialisten, die in diesen Bereichen arbeiten." Die bereits erwähnte höhere Unsicherheit von Frauen im Hinblick auf ihr subjektives Sicherheitsgefühl, können die tatsächlichen Opferzahlen - differenziert nach Geschlecht - nicht bestätigen. Frauen sind statistisch mit 24,8 % seltener von Straftaten betroffen als Männer mit 30,8 %. Zudem wurden die Ergebnisse bei der Opferwerdung und der Anzeigenquoten in Altersgruppen aufgeteilt. Überaschendes Ergebnis: Die meisten Personen, die Opfer einer Straftat geworden sind, waren in den jüngeren Altersklassen zu finden. Witthaut: "Offensichtlich ist im Jahr 2012 jeder zweite junge Mensch unter 21 Jahren in der Polizeidirektion Osnabrück Opfer einer Straftat geworden." Beispielsweise lag die Quote der angezeigten Fälle im Bereich Cybercrime bei nur 3 %, bei den leichten Körperverletzungsdelikten bei lediglich 14 %. Durch das hohe Dunkelfeld wurden viele Taten, insbesondere aus den Bereichen leichter Kriminalität, nicht festgestellt und konnten entsprechend auch nicht verfolgt werden. Witthaut: "Straftaten, die der Polizei nicht bekannt sind, können nicht aufgeklärt werden."

Sonderbetrachtung Wohnungseinbruch

Der Deliktsbereich Wohnungseinbruch ist in der Polizeidirektion Osnabrück und auf der Landesebene ein Schwerpunktthema der polizeilichen Arbeit. Für die Polizeidirektion Osnabrück konnten die Werte in diesem Zusammenhang nicht für alle Fragestellungen repräsentativ dargestellt werden. Sie weisen jedoch die gleichen Verhältnisse und Tendenzen zur Landesebene auf. 14,8 % der niedersachsenweit Befragten gaben laut Dunkelfeldstudie auf die Frage, für wie wahrscheinlich sie es hielten, dass sie Opfer eines Wohnungseinbruchs werden, an, dass sie es für eher/sehr wahrscheinlich halten, Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden. 0,9 % der nie-dersachsenweit Befragten waren in 2012 Opfer eines Einbruchs. Die Anzeigenquote bei den Wohnungseinbrüchen ist mit 84 % in ganz Niedersachsen sehr hoch. Trotzdem sollten noch mehr Taten auch tatsächlich zur Anzeige gebracht werden. Witthaut: "Je mehr Taten angezeigt werden, umso mehr Tatzusammenhänge, Tatserien und Täterstrukturen/-profile können wir erkennen." Neben der intensiven Ermittlungsarbeit setzt die Polizeidirektion weiter auf die gute und intensive Präventionsarbeit in Zusammenarbeit mit den Kommunen, Verbänden und Unternehmen.

Bewertung der Arbeit der Polizei

93 % der Menschen in der Polizeidirektion Osnabrück empfinden die Polizei als bürgerfreundlich. 92 % haben Vertrauen in die Polizei und 87 % sind der Meinung, dass die Polizei professionell arbeitet. Witthaut: "Wir freuen uns über dieses äußerst positive Ergebnis. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die tagtäglich das positive Erscheinungsbild der Polizei prägen. Trotz der guten Werte werden wir weiter an uns arbeiten, um noch ein Stückchen besser zu werden."

Hintergrund zur Dunkelfeldstudie

Die Entwicklung der Kriminalität in Niedersachsen wurde bisher ausschließlich durch die poli-zeiliche Kriminalstatistik (PKS) abgebildet. In der PKS sind lediglich die bei der Polizei registrierten, also die tatsächlich angezeigten Straftaten, enthalten - jedoch nicht die nicht angezeigten/nicht registrierten Taten. Die polizeilich nicht registrierten Straftaten sind der Polizei nicht bekannt (sog. Dunkelfeld). Das Dunkelfeld ist aber neben der PKS die zweite wichtige Größe für eine realitätsbezogene Beurteilung der Kriminalitäts- und Sicherheitslage. Deshalb hat sich das Land Niedersachsen entschieden, eine umfangreiche Dunkelfeldforschung zu betreiben. Der Anfang ist mit der ersten repräsentativen Dunkelfeldstudie des LKA Niedersachsens getan. Sogar eine spezifische regionale Auswertung der Dunkelfeldstudie für die Bereiche der sechs niedersächsischen Polizeidirektionen, darunter auch Osnabrück, war möglich. Es ist geplant, die Studie zukünftig im Turnus von zwei Jahren durchzuführen.

Rückfragen bitte an:

Polizeidirektion Osnabrück
Marco Ellermann
Telefon: 0541 - 327 1024
E-Mail: pressestelle@pd-os.polizei.niedersachsen.de
http://www.pd-os.polizei-nds.de

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