Neue Bildungsstudie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): Ostdeutsche Bundesländer bilden die Eliten für Bayern, Baden-Württemberg und Hessen aus

   

    Köln (ots)  -

    Innerdeutscher Braindrain von Hochschulabsolventen nimmt zu +++ Sachsen hat das beste Bildungssystem +++ Bildungsleistungen der Länder steigen insgesamt deutlich an

    Innerhalb Deutschlands existiert ein massiver Braindrain von Hochschulabsolventen. Das weist der heute von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) veröffentlichte Bildungsmonitor 2006 eindrucksvoll nach, den das Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstellt hat. Zahlreiche Jungakademiker mit naturwissenschaftlich-technischer Ausbildung aus ostdeutschen Bundesländern wandern nach Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen ab. Diese West-Länder bilden an ihren Hochschulen zu wenige Ingenieure und Naturwissenschaftler aus, um den Bedarf der heimischen Wirtschaft zu decken.

    "In Sachsen zum Ingenieur ausgebildet - in Bayern als Ingenieur beschäftigt. Diese Art der Abwerbung könnte man als umgekehrten Soli bezeichnen", sagt Max A. Höfer, Geschäftsführer der INSM. "Es darf nicht so weit kommen, dass Sachsen aus dem Braindrain die Konsequenz zieht und Ingenieurstudienplätze abbaut." Diese Gefahr wird durch die Föderalismusreform ab 2007 erhöht.

    Der Bildungsmonitor misst den Braindrain an der so genannten Forscherersatzquote: Das ist die Zahl der Absolventen eines Landes in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) je 100 im Land beschäftigte Forscher und Entwickler. Bayern weist mit 7,8 eine weit unterdurchschnittliche Forscherersatzquote auf, Mecklenburg-Vorpommern mit 22,2 eine weit überdurchschnittliche (Durchschnitt liegt bei 12,3). Bayern hat sich auf die Ost-West-Hochschülerwanderung offensichtlich strategisch eingerichtet: Es verknappt die Studienplätze und investiert mehr in die Forschung als in die Lehre.

    Sachsen hat das beste Bildungssystem

    In der Studie, die alle Bildungsstufen von den Vor- und Grundschulen über die weiterführenden allgemein bildenden Schulen bis zu den Berufs- und Hochschulen bewertet, hat sich Sachsen an die Spitze gesetzt. Im Vergleich zum Bildungsmonitor 2005 hat das Land mehr als sieben Punkte zugelegt. Kein anderes Land war dynamischer (Durchschnitt 1,5 Punkte). Sachsen hat trotz eines demographiebedingten Rückgangs der Schülerzahlen seine Bildungsausgaben auf nahezu gleichem Niveau gehalten und damit in die Betreuungsqualität investiert.

  Das Führungsquartett bilden 2006 Sachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen. Im Mittelfeld reihen sich Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen ein. Zur Schlussgruppe zählen Berlin, Bremen und Nordrhein-Westfalen.

    Den weitesten Sprung nach vorne machen Sachsen-Anhalt (von Platz 15 auf Platz 9) und das Saarland (von Platz 16 auf Platz 11). Auf einer Punkteskala (0 - 100) bewertet die Studie insgesamt 116 Indikatoren. Dazu zählen beispielsweise Klassengröße, PISA-Ergebnisse, Zahl und Qualität der Abschlüsse von Schülern und Studenten oder Studiendauer.

    Heilsamer PISA-Schock - nahezu durchweg Verbesserungen

    Der 2006 zum dritten Mal erstellte Bildungsmonitor erfasst in diesem Jahr erstmals auch Reaktionen der Länder auf den PISA-Schock aus dem Jahr 2002. Das Ergebnis: Alle Länder haben ihre Bildungsleistungen deutlich gesteigert. So hätte Nordrhein-Westfalen, der Tabellenletzte des aktuellen Bildungsmonitors 2006, mit der gleichen Punktezahl vor zwei Jahren Platz sechs belegt. "PISA war heilsam, das können wir zum jetzigen Zeitpunkt schon sagen, auch wenn die meisten Früchte erst in vier bis fünf Jahren geerntet werden können", sagt Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, der zusammen mit seinem Kollegen Axel Plünnecke die Studie verfasst hat: "Die Bildungsminister der Länder reden nicht nur, sie handeln auch, was sich im Bildungsmonitor niederschlägt."

    Der größte Fortschritt ist bei der Einrichtung von Ganztagsschulen und bei der Einführung von Bachelor-Studiengängen an den Hochschulen erreicht worden.

    Dem Land der Ideen gehen die Ideengeber aus

    Alarmierend allerdings ist der Rückgang der Zahl der Hochschulabsolventen in Ingenieurwissenschaften. Seit Ende der 90´er Jahre ist die Anzahl der frischgebackenen Diplomingenieure um 14,6 Prozent zurückgegangen, in Hessen sogar um 25 Prozent. Dies ist ein Warnsignal für den Innovationsstandort Deutschland. Wenn der indisch-amerikanische Außenhandelsökonom Jagdish Bhagwati davon spricht, dass Deutschland ein Globalisierungsgewinner sein werde, dann hat er Deutschland als Land mit bestens ausgebildeten Arbeitnehmern im Kopf. Damit dies so bleibt, müssen die deutschen Hochschulen schnellstens für Nachwuchs sorgen.

    Die INITIATIVE NEUE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT ist eine überparteiliche Reformbewegung von Bürgern, Unternehmen und Verbänden für mehr Wettbewerb und Arbeitsplätze in Deutschland. Der INSM-BILDUNGSMONITOR wurde 2005 nach 2004 zum zweiten Mal durchgeführt. Er unterliegt einem bildungsökonomischen Ansatz, bei dem die Qualität eines Bildungssystems danach bewertet wird, inwiefern dieses zu einer Steigerung von Standortqualität, Wachstum und Beschäftigung beitragen kann.

Kontakt:

Ronald Voigt: 0221/ 4981 418; voigt@insm.de; Axel Plünnecke: 0221/4981 701 oder 697; Detailergebnisse zu allen Bundesländern und die Studie finden Sie unter: www.insm.de/Top-Thema.