
Hochdruckliga befürchtet Null-acht-fünfzehn-Therapie für Kassenpatienten
15.03.2007 | 11:10 UhrBerlin (ots) - Die Deutsche Hochdruckliga hat die Bewertung der medikamentösen Hochdrucktherapie in Deutschland durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) scharf zurückgewiesen. Der Vorbericht des IQWiG sei einseitig und damit wissenschaftlich unhaltbar, betonte der Vorsitzende der Hochdruckliga, Prof. Dr. Hermann Haller heute (15.) in Berlin. Die Deutsche Hochdruckliga fordert, dass Überlegungen zur Bluthochdruckbehandlung in eine nationale Präventionsstudie eingebettet werden müssten. Solange es eine solche Studie nicht gäbe, müssten alle Bewertungen der Hochdrucktherapie lückenhaft bleiben.
Der IQWiG-Bericht ziele auf Kostenreduktion, vernachlässige die Bedürfnisse der Patienten und begrenze die Behandlung von Kassenpatienten auf eine Null-acht-fünfzehn-Therapie. Haller begründete seine Kritik mit dem Hinweis, dass aus der Vielzahl publizierter Studien zur medikamentösen Bluthochdruckbehandlung vom IQWiG nur die ausgewählt worden seien, die das angestrebte finanzielle Ergebnis untermauerten. Die zugrunde gelegten wissenschaftlichen Kriterien seien international unüblich. Es sei deshalb kein Wunder, dass die Empfehlung des IQWiG teilweise in krassem Widerspruch zu Behandlungsleitlinien in anderen europäischen Ländern stünde.
Der stellvertretende Vorsitzende der Hochdruckliga, Professor Dr. Rainer Düsing bemängelte, dass das IQWiG die unterschiedlichen Nebenwirkungen einzelner Medikamente weitgehend unberücksichtigt lasse. Gerade die älteren preiswerten Diuretika, für die sich das Institut einsetze, begünstigten bei jahrelanger Einnahme das Entstehen der Zuckerkrankheit.
Der Dekan der Berliner Charité, Prof. Dr. Martin Paul, betonte, dass der Erfolg der auf viele Jahre angelegten Bluthochdrucktherapie entscheidend von der Bereitschaft der Patienten abhänge, ihre Medikamente auch einzunehmen. Litten sie unter Nebenwirkungen, lasse die Therapietreue nach, die angestrebten Blutdruckwerte würden verfehlt, der Behandlungserfolg in Frage gestellt.
Der Patientensprecher der Hochdruckliga, Dr.-Ing. Wolfgang Pfeifer, unterstrich diese Aussagen. Es gehe bei der Diskussion offenbar allein um die Kosten im Gesundheitswesen und die Einkünfte der Pharma-Industrie, nicht aber um das Wohl der Patienten und ihr vertrauensvolles Verhältnis zum Arzt. "Die Selbsthilfegruppen in der Hochdruckliga wehren sich entschieden dagegen, in dieser Auseinandersetzung zwischen zwei feindliche Lager zu kommen."
Die Deutsche Hochdruckliga appelliert daher an den Gemeinsamen Bundesausschuss, der letztlich über die Annahme der IQWiG-Empfehlung entscheidet, die IQWiG-Bewertung in ihrer jetzigen Form nicht zu einer verbindlichen Behandlungsanweisung für Ärzte zu machen. Der Bericht solle gründlich überarbeitet werden. Professor Haller: "Die Deutsche Hochdruckliga ist entschieden der Meinung, dass eine Berücksichtigung der Therapietreue der Patienten und das Erreichen von Zieldruckwerten in eine solche Analyse einbezogen werden müssen."
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