TSI legt Geschäftsmodell der Verbriefungsplattform fest

13.12.2003 | 12:45 Uhr

    Frankfurt (ots) - Die 13 in der True Sale Initiative (TSI)
zusammengeschlossenen Banken haben heute weitere Details ihres
gemeinsamen Engagements zur Entwicklung des deutschen
Verbriefungsmarktes festgelegt: Vorstände aller beteiligten Institute
haben bei einer Arbeitssitzung in der Frankfurter KfW die Struktur
der geplanten Plattform, über die künftig True Sale-Verbriefungen
abgewickelt werden sollen, verabschiedet. Sie besteht im Wesentlichen
aus folgenden zwei Elementen: Einer Verbriefungsplattform, die von
mehreren gemeinnützigen Stiftungen getragen wird und in Anlehnung an
international bekannte Konstruktionen aufgestellt ist. Ergänzend soll
eine Service Gesellschaft mbH errichtet werden. Die TSI arbeitet nun
daran, dieses Geschäftsmodell weiter zu präzisieren und zügig
umzusetzen.
    
    Die gemeinsame, von Genossenschaftsbanken, Geschäftsbanken, der
Sparkassen-Finanzgruppe und KfW getragene True Sale Initiative will
das in Deutschland noch wenig entwickelte Kapitalmarktsegment der
True Sale-Verbriefung fördern. Dazu hatten die Bayerische Landesbank,
Citigroup, Commerzbank, DekaBank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, DZ
BANK, Eurohypo, HSH Nordbank, HVB Group, KfW Bankengruppe, Landesbank
Hessen-Thüringen und WestLB AG am 9. Juli 2003 einen Letter of Intent
unterzeichnet. In dieser Absichtserklärung wurden die Entwicklung und
der Aufbau einer Verbriefungsplattform fest vereinbart, über die True
Sale-Verbriefungen durchgeführt werden können. Damit wurde der
Startschuss für die Strukturierungsphase gegeben.
    
    Im Rahmen von true sales werden Forderungen einer oder mehrerer
Banken zu einem Portfolio zusammengefasst, von einer
Zweckgesellschaft angekauft und, nach Aufteilung in Tranchen mit
unterschiedlichem Risikogehalt, am Kapitalmarkt an Investoren
verkauft. Banken erhalten durch das Ausplatzieren der bestehenden
Kredite liquide Mittel, reduzieren ihre Eigenkapitalbelastung und
schaffen Spielräume zur Vergabe neuer Kredite. Davon profitieren dann
auch kleine und mittlere Unternehmen.
    
    Bei der Entwicklung des nun beschlossenen Strukturmodells für die
Gesellschaft haben die 13 Initiatoren den im Sommer diskutierten
Prototyp einer TSI-Verbriefungsplattform optimiert. Dabei wurden
Anregungen von Marktteilnehmern und Aufsichtsbehörden berücksichtigt.
Die heute festgelegte, im Ausland gängige Stiftungsstruktur
ermöglicht es, eine Infrastruktur von insolvenzfernen
ABS-Emissionsgesellschaften in Deutschland bereitzustellen. Die TSI
ist zuversichtlich, dass dieses Modell die wettbewerbs- und
aufsichtsrechtlichen Anforderungen berücksichtigt und auf breite
Zustimmung auch bei internationalen Investoren stößt. Der regelmäßige
Kontakt mit den Aufsichtsbehörden wird fortgeführt. Noch im Dezember
wird die TSI die Verbriefungsstruktur dem Bundeskartellamt
vorstellen. Ebenfalls geplant sind weitere Gespräche mit der
Stiftungsaufsicht, den Finanzbehörden sowie mit der Bankenaufsicht
und Ratingagenturen.
    
    Das Strukturmodell für die künftigen True Sale-Verbriefungen
funktioniert wie folgt:
    
    - Für jede True Sale-Verbriefung wird innerhalb der
        Stiftungsstruktur eine eigene insolvenzferne Zweckgesellschaft
        (Special Purpose Vehicle, kurz auch SPV) mit begrenztem
        Tätigkeitsprofil gegründet, die den üblichen Anforderungen der
        Ratingagenturen entspricht.
    
    - Diese SPVs werden in der Rechtsform einer GmbH entstehen, die
        Stiftungen werden je gleich hohe Anteile an diesen
        Gesellschaften halten. Im Rahmen der true sales kauft das SPV
        das zu verbriefende Portfolio von einer Bank an, wandelt es in
        handelbare, durch Kreditforderungen besicherte Wertpapiere (ABS
        = Asset Backed Securities) um und verkauft diese an Investoren  
        auf dem Kapitalmarkt.
    
    - Die über das Stiftungsmodell geschaffene Verbriefungsplattform
        kann von allen Portfoliolieferanten - unabhängig ob Beteiligter
        der True Sale Initiative oder nicht - genutzt werden.
    
    - Mit der Stiftungsstruktur wird zugleich das gemeinnützige Ziel
        verfolgt, die Forschung zu Themen des Finanzstandorts
        Deutschland zu fördern.
    
    - Die Service Gesellschaft mbH, als zweites komplementäres
        Strukturelement, wird sich der Entwicklung von einheitlichen
        Mindeststandards für Verbriefungen widmen (z.B.
        Standarddokumentationen, Güte der Berichterstattung). Ziel ist
        es, eine eigene "Marke" für True Sale-Verbriefungen zu schaffen.
    
    - Schließlich soll die GmbH auch ein "politisches Forum" sein, das
        mit dem versammelten Sachverstand der wichtigsten
        Marktteilnehmer die Rahmenbedingungen für ABS in Deutschland
        analysiert, kommentiert und Empfehlungen für dessen  
        Weiterentwicklung erarbeitet.
    
    Die gemeinsam beschlossene Struktur der True Sale Initiative
fördert folglich die Entwicklung des deutschen ABS-Marktes über
folgende wesentliche Maßnahmen:
    
    - Neutrale und effiziente Zurverfügungstellung von insolvenzfernen
        Zweckgesellschaften
    
    - Standardisierung und "Branding"
    
    - Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen
    
    Die TSI strebt nunmehr die Errichtung der Verbriefungsstruktur
binnen kurzer Zeit an, so dass möglichst im Frühjahr nächsten Jahres
Emissionen möglich sein sollten.
    

ots Originaltext: KfW
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