
Der Terror in den Köpfen / Monate nach den Anschlägen vom 11. September befürchten Wissenschaftler in New York eine Trauma-Epidemie
29.04.2002 | 11:37 Uhr An der Oberfläche ist in New York wieder Alltag
eingekehrt. Doch unterschwellig wütet der Terror vom 11. September
2001 weiter. Der Alkohol- und Tablettenkonsum in der Stadt ist
gestiegen, Beziehungsprobleme haben zugenommen, und die Zahl der
Polizisten, die aus psychischen Gründen nicht ihren Dienst ausüben
können, hat sich verzehnfacht. Alle Mitarbeiter des Police
Departments sind inzwischen zur Teilnahme an Gruppentherapien
verpflichtet. Bis zu 100 000 New Yorker, so schätzen Psychiater nach
einem Bericht in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift GEO, litten
unter den Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Genauer heißt das: Sie verharren in innerer Erstarrung oder
permanenter Alarmbereitschaft, werden von Albträumen, Flashbacks und
Panikattacken verfolgt. Allein im engeren Umkreis des ehemaligen
World Trade Centers könnten in GEO zitierten Erkenntnissen zufolge
30-40 Prozent der Menschen betroffen sein. Doch nur ein Bruchteil von
ihnen sucht rechtzeitig professionelle Hilfe.
Während die Symptome in den ersten Wochen noch eine natürliche
Reaktion auf die Erfahrung von Terror waren, gelten sie nach drei
Monaten als Ausdruck von chronischem PTBS. Im Unterbewusstsein des
Gehirns Traumatisierter kommt es innerhalb dieser Zeit zu
einschneidenden Veränderungen, wie Wissenschaftler in GEO berichten.
Die quälenden Eindrücke graben sich immer tiefer in die Nervenbahnen
ein und können nicht verarbeitet werden. Gehirnaufnahmen zeigen, dass
Traumatisierte ihre Schrecken immer wieder wie "live" erleben und
"sprachlos" vor Entsetzen sind. Viele reagieren mit
Persönlichkeitsveränderungen, mit Gefühllosigkeit oder Aggressivität.
Aus eigener Kraft finden sie nicht mehr in die Normalität zurück.
ots Originaltext: GEO
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