
FT: Kommentar zur Studie "Jugendsexualität 2010"
02.09.2010 | 20:50 UhrFlensburg (ots) - Seit mehreren Jahren schon führen uns reißerische TV-Aufklärer in Talk- und Reality-Shows vor, wie es um die früh erwachende Sexualität unserer Jugend bestellt ist. Diverse andere Fernsehformate, Bücher und vermeintlich ernsthafte Dokumentationen haben ihr übriges dazu beigetragen, Eltern besorgt in Richtung Kinderzimmer blicken zu lassen. Kein Wunder: So wurden ihnen doch 14-Jährige vorgeführt, die Pornofilme konsumieren, imitieren und produzieren, 13-Jährige, die ihre Geschlechtspartner wechseln wie andere ihre Socken, und 12-Jährige, die sich zum wiederholten Male mit einer ungewollten Schwangerschaft abmühen. Der "Spiegel" schrieb, dass unsere Jugend "sexuell verwahrlost statt aufgeklärt" sei und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" titelte "Porno statt Lego". Die Wahrheit sieht offenbar anders aus. Nicht nur warten die meisten Teenies in Deutschland mit dem "ersten Mal", bis sie in einer festen Partnerschaft sind. Nein, sie verhüten sogar so gut wie nie zuvor. Es gibt sie eben doch: die normale, aufgeklärte Jugend. Eine Jugend, die sich in ihren Grundbedürfnissen kaum von der Elterngeneration unterscheidet, die den Sexualkundeunterricht nicht durch Porno-Filmchen aus dem Internet ersetzt hat und die sich der Gefahren von HIV und anderer Krankheiten bewusst ist. Die "Pornofizierung der Gesellschaft", die quer durch die Feuilletons der Republik analysiert wurde, findet sich bei ihr nur bei einer kleinen Gruppe. Und vermutlich hat es diese schon immer gegeben.
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