Frankfurter Neue Presse: Aufruf zur Zwangsarbeit. Susanne Keeding über die Diskussion, die Wehrpflicht durch ein Pflichtdienstjahr zu ersetzen.

26.08.2010 | 16:48 Uhr

Frankfurt am Main (ots) - Die Forderung nach einer sozialen Dienstpflicht ist faktisch ein Aufruf zur Zwangsarbeit. Da greifen auch Hinweise nicht, dass viele ehemalige Zivis diese Zeit als Bereicherung empfunden haben. Denn diese Leute haben sich den Dienst selbst gewählt, eben als Ersatz für den Dienst an der Waffe. Und nur deshalb können sie als eine Bereicherung wahrgenommen werden. Niemand möchte von einem womöglich lustlosen, weil zwangsverpflichteten jungen Mann ohne jegliches Fingerspitzengefühl betreut werden. Doch wirft die Forderung ein Schlaglicht auf den Punkt, der in der Bundeswehr-Reformdebatte bislang unterbelichtet blieb: Der Wehrdienst wird nur ausgesetzt, um gegebenenfalls reaktiviert werden zu können. Die Bundeswehr mag das leisten können, weil sie in sich bestehen bleibt. Doch wie will man einen Zivildienst später wieder einführen, wenn sich soziale Institutionen und Organisationen längst umorientiert haben? Allein, um die Strukturen zu erhalten, liebäugelt Familienministerin Schröder mit einem freiwilligen Zivildienst. Und handelt sich Ärger mit den Bundesländern ein, die das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) betreuen. Denn allen, die glauben, junge Menschen müssten zur Gemeinwohlorientierung verpflichtet werden, sei gesagt: Die tun längst etwas. Allein 37 500 junge Deutsche beginnen im September ihr soziales Jahr, freiwillig und karg entlohnt.

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