Freie Presse (Chemnitz): Kommentar "Freie Presse" (Chemnitz) zur Loveparade-Katastrophe

28.07.2010 | 20:05 Uhr

Chemnitz (ots) - Die Verantwortung für die Katastrophe mit 21 Toten liegt irgendwo zwischen überforderten Behörden, einem ehrgeizigen Oberbürgermeister und inkompetenten Organisatoren. Da aber offensichtlich ein Fehlverhalten zahlreicher Beteiligter vorliegt, wird die juristische Aufarbeitung schwierig werden. Das Gericht muss den individuellen Schuldanteil feststellen, um jemanden verurteilen zu können. All dies wird den Hinterbliebenen der Opfer sowie den Verletzten kein Trost sein. Ihre verständliche Wut und ihre unermessliche Verzweiflung suchen nach einem Ausweg, nach Schuldigen. Daher muss jemand sehr bald die moralische und politische Verantwortung übernehmen. Das ist bislang nicht geschehen. Als erster sollte der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland zurücktreten. Wer, wenn nicht er? Er hat die Loveparade trotz vorheriger Warnungen der Polizei und der Feuerwehr und trotz Bedenken aus der eigenen Verwaltung unbedingt gewollt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass er mit diesem Großereignis das Image einer Stadt, die seit Jahren als das "Aschenputtel am Niederrhein" gilt, im Zuge des Ruhr-Kulturjahres ein wenig aufpolieren wollte. Das Sicherheitsrisiko nahm er dabei in Kauf oder zumindest nicht ernst genug. Der Rücktritt des Stadtoberhauptes wäre ein überfälliges Signal an die Opfer.

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