Pressemitteilung

Keine Pflege unter Palmen - Emnid-Studie: Neun von zehn Deutschen würden Angehörige nicht im Ausland betreuen lassen

2013-03-21 09:55:00

Frankfurt (ots) - Wenn die Eltern pflegebedürftig werden, ist dies für die Kinder nicht nur eine emotionale, sondern oft auch eine finanzielle Belastung. Aber Geld ist nicht alles: Die weitaus meisten Deutschen schließen eine Betreuung ihrer Angehörigen in einem kostengünstigen Heim im Ausland aus, wie aus einer repräsentativen Befragung von TNS-Emnid im Auftrag der Konpress-Medien eG hervor geht. Die in Teilen der Politik geführte Debatte zu diesem Thema geht damit eindeutig am Willen der Bevölkerung vorbei.

Der Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent die Unterbringung von Verwandten in einem ausländischen Pflege- oder Altenheim kategorisch ab. Sollten sie selbst zum Pflegefall werden, würden 75 Prozent der Befragten nicht im Ausland betreut werden wollen, knapp jeder fünfte macht seine Entscheidung allerdings von den Umständen abhängig.

"Die Umfrageergebnisse belegen, dass die große Mehrheit in Deutschland mit dem Thema Pflege sehr sensibel umgeht und sich Kosten-Nutzen-Rechnungen verweigert. Allen Befürchtungen über einen vermeintlichen Bedeutungsverlust der Familie zum Trotz ist die Fürsorge für Eltern und Großeltern hierzulande fester Bestandteil des innerfamiliären Generationenvertrags", kommentiert Dr. Martin Sterr, Konpress-Geschäftsführer.

Als Gründe gegen die Betreuung im Ausland nennen die Befragten vor allem, dass Angehörige "in der Nähe" bleiben sollten (89 Prozent). Gut sieben von zehn Gegnern der Auslandspflege befürchten zudem Sprach- und Kommunikationshürden. Außerdem könne bei einer Betreuung im Ausland die Qualität der Pflege nicht überwacht werden.

Bemerkenswerterweise glauben lediglich 56 Prozent, dass ihre Angehörigen im Ausland medizinisch schlechter versorgt werden könnten. Etwa jeder dritte lehnt die Pflege in einer ausländischen Einrichtung auch deswegen ab, weil er sich "dafür schämen" würde, Angehörige ins Ausland zu schicken.

Pflegeheime haben kein gutes Image

Die Betreuung in einem Pflegeheim im Inland ist erwartungsgemäß für deutlich mehr Befragte eine Option. Jedoch lehnt ein bedeutender Teil die Heimunterbringung grundsätzlich ab, und zwar sowohl für Angehörige (23 Prozent) als auch für sich selbst (19 Prozent). Auf der anderen Seite würden 27 Prozent "auf jeden Fall" selbst in einem Heim gepflegt werden wollen, Angehörige würden jedoch nur 17 Prozent einer Einrichtung anvertrauen.

Allerdings stehen die Befragten, die schon einmal eine Alten- oder Pflegeeinrichtung von innen gesehen haben, der Heimbetreuung deutlich offener gegenüber. So würden sich 30 Prozent der Deutschen, die Erfahrungen mit Heimen gemacht haben, bei eigener Pflegebedürftigkeit für die Betreuung in einem Pflegeheim entscheiden. Von denjenigen, die noch nie in einer Einrichtung waren, sagen dies nur 11 Prozent.

"Viele Menschen in Deutschland machen sich offenbar falsche Vorstellungen vom Alltag in den Alten- und Pflegeheimen. Um Vorbehalte abzubauen, sollten die Einrichtungen transparenter sein und mehr über das Thema Pflege aufklären. Mit einer offensiveren Informationspolitik steigt die Akzeptanz des Angebots", ist Sterr überzeugt.

Für die Umfrage interviewte TNS Emnid 1.003 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 14 Jahren. Die Befragung fand vom 25. bis 27. Februar 2013 statt.

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