Pressemitteilung

Ostkongo: Erneute Kampfhandlungen erschweren Versorgung von Opfern sexueller Gewalt/CARE zum Internationalen Tag zur Beendigung von Gewalt an Frauen am 25. November

2012-11-22 12:39:16

Bonn (ots) - Bonn/Goma, 22. November 2012. In Folge der jüngsten Kampfhandlungen zwischen kongolesischer Armee und bewaffneten Rebellengruppen im Ostkongo warnt die Hilfsorganisation CARE davor, dass unzählige Fälle von sexueller Gewalt nicht erfasst und behandelt werden können, da der Zugang zu Dörfern für humanitäre Helfer stark eingeschränkt ist.

"Der Leidensweg für Frauen endet nicht, wenn die Täter sie nach einer Vergewaltigung lebend zurücklassen", berichtet CARE-Nothilfekoordinator Wolfgang Tyderle, der vor zwei Wochen selbst in Goma war. "Die Betroffenen haben keine Möglichkeit, die Gewaltverbrechen vor Gericht zu bringen und die weitverbreitete Straflosigkeit macht es nahezu unmöglich, Fälle nach zu verfolgen."

Angst und Gewalt beherrschen viele Gebiete der Provinz Nord-Kivu, wo die Auseinandersetzungen bereits seit Monaten einen starken Tribut der Zivilgesellschaft fordern. Wie immer sind es Frauen und Mädchen, die die größte Last tragen. Auf der Suche nach Feuerholz und Wasser sind sie in ständiger Gefahr, von einer der umherziehenden bewaffneten Gruppen überfallen, vergewaltigt oder sogar ermordet zu werden. Siedlungen in weit abgelegenen Gebieten, deren Zufahrtswege nicht sicher sind, stellen für medizinische Helfer, Berater und Gemeindearbeiter eine besondere Herausforderung dar. Hilfsorganisationen fehlen deshalb die Informationen, um Fälle von sexueller Gewalt aufzufinden und die betroffenen Mädchen und Frauen zu behandeln.

"Es ist enorm schwierig, zuverlässige Daten zu erhalten", berichtet Tyderle. "Unsere Teams in den ländlichen Gebieten berichten von einer steigenden Zahl von sexuellen Übergriffen in den Gebieten, wo es in letzter Zeit zu Kampfhandlungen kam. Dort setzen sich dann viele Menschen in Bewegung, um vor der Gewalt zu fliehen." Vor den Toren der Provinzhauptstadt Goma liegt Kanyaruchinya, ein schnell gewachsenes Lager für rund 11.000 geflohene Familien - viele von ihnen sind alleinstehende Mütter. Junge Männer schleichen nachts in dem Gebiet umher und vergewaltigen Frauen und Mädchen. Auch in Masisi und Rushuru berichten die CARE-Teams von einem deutlichen Anstieg von Vergewaltigungen und anderen Übergriffen.

Um überlebende Frauen zu unterstützen, wendet CARE einen umfassenden Hilfsansatz an: Die Betroffenen erhalten medizinische Versorgung, psychosoziale Beratung und die Möglichkeit - etwa durch Kleinspargruppen - wieder ein wenig Geld zu verdienen. So können die Frauen und Mädchen wieder auf eigenen Beinen stehen und werden nicht, wie so oft nach Vergewaltigungen und Missbrauch, von der Gesellschaft stigmatisiert und ausgeschlossen.

CARE ruft alle Parteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und der Straffreiheit für sexuelle Gewaltverbrechen ein Ende zu setzen. Alle humanitären Organisationen benötigen uneingeschränkten Zugang zu den Bevölkerungsgruppen, die unter der Unsicherheit und Gewalt leiden.

Hintergrund: Jedes Jahr am 25. November findet der internationale Tag zur Beendigung von Gewalt an Frauen statt. Er macht auf den täglichen Kampf von Frauen und Mädchen weltweit aufmerksam, von denen rund 70 Prozent mindestens einmal in ihrem Leben physische Gewalt erfahren müssen. CARE konzentriert sich in seiner humanitären Arbeit besonders auf die Unterstützung von Frauen und Mädchen, damit ihre Rechte gewahrt werden, sie ihren Lebensunterhalt verdienen und gesund bleiben können.

ACHTUNG REDAKTIONEN: Wolfgang Tyderle, CARE-Nothilfekoordinator, war vor zwei Wochen im Ostkongo. Er steht für Interviews zur Verfügung.

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CARE Deutschland-Luxemburg e.V.
Sabine Wilke
Telefon: 0228 / 97563 46
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