Pressemitteilung

70 Prozent der psychisch kranken Kinder werden nicht fachärztlich versorgt

2012-10-24 10:18:04

Mainz (ots) - Die meisten psychisch kranken Kinder erhalten in Deutschland nicht die Versorgung, die sie bräuchten. Das berichtet das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" unter Berufung auf eine aktuelle Auswertung der "Bella-Studie" zu psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Für die repräsentative Studie im Auftrag des Robert-Koch-Instituts und der Uniklinik Hamburg-Eppendorf wurden 4.000 Familien befragt. Studienleiterin Prof. Ulrike Ravens-Sieberer erklärte im Interview: "Diese Ergebnisse zeigen ganz deutlich, dass nur 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die wirklich auffällig sind, in der fachspezifischen Versorgung landen, das heißt bei den Kinder- und Jugendpsychiatern, bei den Psychotherapeuten und bei den Psychologen. Und das ist natürlich ein großes Defizit, wenn 70 Prozent der Kinder, die eigentlich hier eine Versorgung bräuchten, diese nicht erhalten."

Die Studie bestätigt den seit Jahren beklagten Therapienotstand in ländlichen Gebieten. Prof. Ravens-Sieberer erklärte dazu im Interview: "Gerade auf dem Land und insbesondere in den ostdeutschen Flächenstaaten ist die Versorgung so lückenhaft, dass dort in der Regel zehn Wochen länger auf eine Behandlung gewartet wird als in den Städten. Hier muss sich was tun. Es kann nicht sein, dass Kinder, je nachdem, wo sie wohnen, besser oder schlechter oder früher oder später versorgt werden."

Ein weiteres alarmierendes Ergebnis der Untersuchung: Die soziale Herkunft von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen ist entscheidend für den Zugang zu fachärztlicher Versorgung. Studienleiterin Prof. Ulrike Ravens-Sieberer sagte dazu gegenüber "Report Mainz": "Es werden vor allem Kinder versorgt, die eine hohe Symptombelastung haben, die relativ jung sind, und die aus Familien kommen mit einem höheren sozialen Status, deren Mütter ein hohes Bildungsniveau haben. Für Kinder aus Familien mit einem niedrigen sozialen Status, eventuell sogar noch mit Migrationshintergrund, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie in der Versorgung landen. Hier haben wir ein besonderes Defizit."

Ein Interview mit der Studienleiterin zu den wichtigsten Ergebnissen der Untersuchung dokumentiert "Report Mainz" auf seiner Internetseite www.reportmainz.de (direkter Link: http://bit.ly/QVpNlU).

Zitate gegen Quellenangabe frei. Fragen bitte an "Report Mainz", Tel.: 06131/929-33351.

 

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