Pressemitteilung

Tempi passati - der Arzt um die Ecke?

2012-10-12 11:20:02

München/Augsburg (ots) - Wie wird in ein paar Jahren die ambulante und stationäre medizinische Versorgung in Bayern aussehen? Aktuellen Prognosen zufolge ist der "Arzt um die Ecke" ein Auslaufmodell. Stattdessen werden Patientinnen und Patienten künftig weitere Wege zurücklegen, um die nächste Arztpraxis zu erreichen. Dies trifft vor allem für ländliche Regionen zu. Die Bayerische Staatsregierung hält dagegen mit dem Förderprogramm zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum mit dem Ziel, die flächendeckende, wohnortnahe ambulante Patientenversorgung aufrechtzuerhalten. "Doch ist dies überhaupt möglich?", frägt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Vorfeld des Bayerischen Ärztetages.

Der BLÄK-Präsident begrüßt das Förderprogramm ausdrücklich, bildet es doch einen wichtigen Schritt zur Realisierung der jahrelangen Forderungen der Ärzte nach einer auch in Zukunft qualitativ hochwertigen und flächendeckenden medizinischen Versorgung in allen Landesteilen Bayerns. "Angesichts des demografischen Wandels muss es uns allen ein besonderes Anliegen sein, jetzt die Voraussetzungen hierfür zu schaffen", so Kaplan. Die Gesellschaft und die sie tragenden Sozialsysteme befänden sich in einem Wandel. Damit verändere sich auch das Berufsbild des Arztes. Insbesondere:

- Die Rolle des Hausarztes in der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. Hier wird es stärker auf die haus- und familienärztliche Funktion des Allgemeinarztes ankommen sowie auf die Koordination- und Integrations- bzw. Gesundheitsbildungsfunktion.

- Förderung kooperativer Versorgungsformen. Dies bedeutet, dass künftig Ärztehäuser mit familienfreundlichen Arbeitszeiten und -strukturen unter Einbeziehung qualifizierter Medizinischer Fachangesteller und anderer Gesundheitsberufe errichtet werden und ein Ausbau der Teamarbeit erfolgt.

- Regionale Versorgungszentren am Sitz einer Verwaltungsgemeinschaft mit Hausärzten als Kristallisationspunkt. Dies bedeutet Konzentration und Kooperation von medizinischer Kompetenz an einem Standort (Synergiepotenzial).

- Versorgung wohnortnah. Dieses Versorgungskonzept wird ergänzt mit Filial-Zweigpraxen von bestehenden Praxen aus dem benachbarten Umfeld für z. B. die Fachrichtungen Orthopädie, Dermatologie, HNO und Augen, Gynäkologie und Neurologie unter Einbeziehung anderer Gesundheitsberufe.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Ausbau einer sektorübergreifenden Versorgung, wie die Förderung des Belegarztsystems, die versorgungsgerechte Umsetzung der ambulanten spezialisierten fachärztlichen Versorgung nach Paragraph 116 b SGB V (Sozialgesetzbuch V), die Wiederbelebung der integrierten Versorgung und die Sicherstellung des Bereitschaftsdienstes u.a. durch Bereitschaftspraxen an Kliniken. Nur so sei eine wohnortnahe, flächendeckende, qualitativ hochwertige ambulante und stationäre Versorgung auch in Zukunft gesichert. Aus diesem Grund unterstützt die BLÄK auch die Bundesratsinitiative des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit zur Änderung des Krankenhausentgeltgesetzes, um Ungerechtigkeiten und Fehlanreize im Vergütungssystem der Krankenhäuser zu vermeiden. Unsere Kliniken geraten nicht nur mehr und mehr in finanzielle Not, sondern ihnen gehen auch ihre Ärzte aus. Mitt-lerweile können im stationären Bereich in Bayern über 1.000 Arztstel¬len nicht nachbesetzt werden. "Grundsätzlich geht es auch um die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Planbarkeit und um die Honorarsicherheit", so Kaplan. Die Zahlen nähmen an Dramatik zu: Bereits heute sei jeder dritte Hausarzt in Bayern über 60 Jahre alt und werde bald in den Ruhestand gehen (2.938 von 9.000 = 32,6 %). Weil der Nachwuchs fehle, schließe schon jetzt jede Woche eine Hausarztpraxis in Bayern für immer. Konnten 2010 "nur" 74 Hausarztpraxen nicht mehr nachbesetzt werden, so waren es 2011 bereits 113, eine Steigerung um 52,7 %. Die Zahl der Facharztpraxen in Bayern, die mangels Nachfolger geschlossen wurden, blieb annähernd konstant: in 2010 waren es 61 und in 2011 60. "Die Versorgungsstrukturen müssen sich wandeln, wenn immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte ihre Zukunft in einer Einzelpraxis sehen, weil sie etwa das wirtschaftliche Risiko nicht eingehen können bzw. wollen, mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance legen sowie die Berufsausübung im Team, in Teilzeit oder im Angestelltenverhältnis bevorzugen", schloss der Präsident ab.

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