Pressemitteilung

CARE fordert zum Weltkindertag: "Roma-Kinder auf dem Balkan dürfen nicht 'ausradiert' oder 'verkauft' werden" / Für Roma-Kinder auf dem Balkan ist Diskriminierung immer noch Alltag

2012-09-13 13:44:30

Bonn (ots) - Zum Weltkindertag am 20. September weist die Hilfsorganisation CARE darauf hin, dass für Millionen Roma-Kinder auf dem Balkan Diskriminierung, Ausgrenzung und Armut immer noch Alltag sind.

"In Deutschland finden Roma-Kinder häufig nur als 'Täter', im Zusammenhang mit Diebstählen und Einbrüchen, Beachtung. Die Lebensbedingungen der wirtschaftlich ärmsten Minderheit Europas sind dabei vielen nicht bewusst", so Felix Wolff, Balkandirektor von CARE Deutschland-Luxemburg. Viele Roma auf dem Balkan leben immer noch in abgegrenzten Siedlungen, in Flüchtlingslagern oder in Ghettos. Laut Angaben der Vereinten Nationen ist die Armut unter den Roma etwa viermal höher als bei der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung, sie haben begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung oder Bildung und sind vom legalen Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Ihre Lebenserwartung liegt weit unter dem jeweiligen nationalen Durchschnitt. Ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte werden ihnen häufig verwehrt.

"Es ist wie ein Teufelskreis aus Ausgrenzung und Armut. Der einzige Ausweg ist bessere Bildung", erklärt Felix Wolff. Aber in den Balkan-Staaten sind viele Roma-Kinder vom regulären Schulbetrieb ausgeschlossen. "Ohne Schule keine Bildung, ohne Bildung kein Weg aus der Armut und Perspektivlosigkeit." In Bosnien schließt weniger als die Hälfte der Roma-Kinder die Grundschule ab, in Serbien nur etwa jeder dritte Roma, im Kosovo gehen nur etwa 17 Prozent der Roma-Kinder überhaupt zur Grundschule. Dabei haben alle Balkan-Staaten die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, nach der Grundschulunterricht Pflicht ist.

Die Gründe für die schlechten Bildungschancen sind vielfältig: Die Roma-Kinder leben häufig in illegalen Siedlungen, haben keine Geburtsurkunden und sind nicht offiziell registriert. "Die Eltern können nicht beweisen, dass ihre Kinder leben. Auch, wenn sie in Fleisch und Blut vor ihnen stehen." In den Schulen sind die Kinder starker Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt: In Serbien etwa muss die Anwesenheit der Schüler auf Listen festgehalten werden. Wenn ein Kind der Schule fernbleibt, muss die Schule die Eltern und Behörden kontaktieren. "Aber die Lehrer tragen die Namen der Roma-Kinder extra mit dem Bleistift ein. So kann ihr Name einfach wegradiert werden, wenn die Kinder nicht zum Unterricht erscheinen." Oftmals weigern sich Direktoren auch, die Kinder aufzunehmen und schicken sie aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse auf Sonderschulen, die für Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen vorgesehen sind. Aber auch bei den Eltern hat die Bildung der Kinder keinen hohen Stellenwert.

"Viele sind selbst nie zur Schule gegangen. Sie wissen nicht um den Wert von Bildung." Roma-Mädchen sind von der Ausgrenzung besonders betroffen. Sie werden traditionell früh verheiratet, sind für Hausarbeit und Kindererziehung zuständig. Die Kosten für ihre Schulbildung wollen die Eltern nicht tragen. "Viele Eltern denken sich: Warum soll meine Tochter in die Schule gehen? Sie wird doch ohnehin heiraten!" Die Folge: In Serbien beendet nur ein Drittel der Roma-Mädchen die Grundschule, nur jede 100. wird einmal eine Universität von Innen sehen. "Anstatt zur Schule zu gehen, werden die Mädchen vom Land in die Stadt geschickt, um als Kellnerin zum Familienunterhalt beizutragen. Viele von ihnen landen aber nicht in Cafés, sondern in den Händen von Menschenhändlern, die sie zur Prostitution zwingen oder 'verkaufen'", so Wolff.

CARE unterstützt Roma in Bosnien, Serbien und im Kosovo, ihre Lebensumstände zu verbessern und sich in die Gesellschaft zu integrieren. CARE hilft Roma-Vertretern, sich gegenüber den Behörden für die Interessen der Kinder einzusetzen. Eltern werden in regelmäßigen Treffen mit Gemeindevertretern und Lehrern an Entscheidungsprozessen beteiligt und über die Wichtigkeit von Schulbildung aufgeklärt. Zudem hilft CARE Frauenorganisationen dabei, die Benachteiligung von Frauen innerhalb der Roma-Gemeinschaften zu überwinden.

CARE auf dem Balkan

CARE arbeitet seit 1993 auf dem Balkan, seit 2010 ist CARE Deutschland-Luxemburg für die Länderbüros in Bosnien, Serbien und im Kosovo verantwortlich. Nach der humanitären Hilfe für Kriegsopfer und Flüchtlinge liegt heute der Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Wirtschaftliche Entwicklung schwacher Regionen, Friedens- und Versöhnungsarbeit, Integration von Minderheiten und der Schaffung von Perspektiven für junge Menschen. Dabei fördert CARE besonders Frauen und Mädchen, deren Position in den Gesellschaften des Balkans nicht immer gleichberechtigt ist.

ACHTUNG REDAKTIONEN! Auf der CARE-Homepage finden Sie O-Töne von Balkan-Direktor Felix Wolff zur Situation der Roma in Serbien, Kosovo und Bosnien: http://www.care.de/weltkindertag-2012.html Außerdem stehen Ihnen Fotos kostenfrei zur Verfügung: http://www.care.de/pressefotos.html

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
CARE Deutschland-Luxemburg e.V.
Johanna Mitscherlich
Telefon: 0228 / 97563 23
Mobil: 0176 / 7033 0114
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