Pressemitteilung

Humanitäre Katastrophe in Westafrika: "Aus der Hungerkatastrophe ist durch Cholera, Fluten und Flüchtlingsströme eine Mehrfachkatastrophe geworden" /Hilfe weiterhin massiv unterfinanziert

2012-09-06 10:15:14

Bonn (ots) - Die Hilfsorganisation CARE warnt davor, die über 18 Millionen Menschen, die in Westafrika von einer akuten Hungerkrise bedroht sind, zu vergessen. "Die humanitäre Situation in Niger, Tschad und Mali verschlechtert sich weiterhin dramatisch. Die Flüchtlingsströme aus Mali, die Fluten und der Ausbruch der Cholera im Niger haben aus der Hungerkatastrophe eine Mehrfachkatastrophe gemacht. Die Menschen brauchen dringend unsere Hilfe", so Stefan Ewers, Vorstandsmitglied von CARE Deutschland-Luxemburg.

In neun Ländern der Sahelzone sind insgesamt über 18 Millionen Menschen von der Nahrungsmittelunsicherheit bedroht, alleine in Mali, Tschad und Niger sind es über 14 Millionen. Über 4.1 Millionen Kinder gelten als unterernährt, davon eine Million als lebensbedrohlich unterernährt. Die Zahl der Menschen, die von der Hungerkrise betroffen sind, hat sich seit Februar fast verdoppelt. Um die Menschen mit dem Lebensnotwendigsten wie Wasser, Nahrungsmitteln und einer Unterkunft zu versorgen, fehlen laut UN-Angaben derzeit etwa 557 Millionen Euro. "Mit einer derartigen Unterfinanzierung kann die internationale Gemeinschaft die aktuelle Krise nicht bewältigen. Vor allem, weil ein Ende der Katastrophe vorerst nicht in Sicht ist", so Ewers.

Im Gegenteil: Konflikte in der Region führen dazu, dass viele Wanderarbeiter in ihre Heimat zurückkehren mussten. "Für viele Familien bedeutet das, dass ihre Haupteinnahmequelle wegfällt. Für Nahrungsmittel ist kein Geld mehr übrig, zumal die Preise enorm gestiegen sind." Seit den Kämpfen in Mali sind außerdem über 442.000 Malier im eigenen Land oder in den Nachbarländern auf der Flucht, 400.000 Menschen mussten aufgrund der Fluten im Niger ihre Häuser verlassen. "Häufig fliehen die Menschen in Regionen, die auch von der Nahrungskrise betroffen sind. Die Gastfamilien, von denen sie aufgenommen werden, haben selbst nicht ausreichend Nahrungsmittel."

In Mali und Niger sind zusätzlich mehr als 3.580 Cholera-Fälle bekannt geworden, über 80 Menschen sind bereits an der Durchfallerkrankung gestorben. "In vielen Dörfern leben die lokalen Familien und die Flüchtlinge auf engem Raum zusammen. Das steigende Wasser und die schlechte Ernährungssituation sind ein Herd für die weitere Ausbreitung der Krankheit." Laut Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) könnte eine Heuschreckenplage in Mali, Niger und Tschad zusätzlich die Ernten, Nahrungssicherheit und Existenzgrundlagen von 50 Millionen Menschen bedrohen.

Frauen und Mädchen sind von den Auswirkungen der Krise vielfach betroffen: So lassen sich laut Angaben lokaler Mitarbeiter in der Maradi-Region im Niger Männer angesichts der schwierigen Ernährungslage scheiden, um weniger Familienmitglieder ernähren zu müssen. Aus dem gleichen Grund verheiraten Familien ihre Töchter früher als traditionell üblich - dabei wird etwa im Niger jedes dritte Mädchen bereits vor dem 15. Lebensjahr verheiratet. "Die Weltgemeinschaft muss unbedingt umfassender helfen, damit sich die Katastrophenspirale nicht noch weiter nach unten dreht", so Ewers.

CARE arbeitet im Tschad, Niger und in Mali und bemüht sich seit Monaten darum, die schwelende Krise einzudämmen. Besondere Unterstützung benötigen vor allem Frauen und Kleinkinder unter zwei Jahren, die durch Mangelernährung irreversible Langzeitfolgen davon tragen können. CARE verteilt Nahrungsmittel und Bargeld an die am schlimmsten betroffenen Haushalte, repariert Brunnen und Sanitäranlagen und führt Cash-for-Work-Programme durch, um den Menschen ein Einkommen zu ermöglichen. Gleichzeitig bemüht sich CARE darum, die Selbsthilfekräfte der Gemeinden zu stärken. Von Frauen geführte Kleinspargruppen und Getreidebanken bieten alternative Einkommensquellen und damit mehr Widerstandskraft gegen Dürrephasen. Damit stärkt CARE vor allem die Rolle der Frauen, damit ihnen stärkerer Schutz zukommt und sich ihnen mehr Wege aus dem Hunger für sich und ihre Familien öffnen.

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