Pressemitteilung

DGUV Arbeit und Gesundheit: Keine Flucht vor der Sucht

2012-07-03 09:55:07

Berlin (ots) - Jemanden auf eine mögliche Alkohol- oder Drogensucht anzusprechen, ist schwierig - gerade wenn es um einen Kollegen geht. Helfen können hierbei konkrete Verhaltensrichtlinien in Form einer Betriebsvereinbarung. Sie regelt, wie Beschäftigte sich verhalten sollen, wenn sie beispielsweise vermuten, dass ein Kollege akut alkoholisiert ist. Diese und weitere Strategien für den Umgang mit Sucht am Arbeitsplatz werden in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "DGUV Arbeit und Gesundheit" vorgestellt.

Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren zufolge konsumieren rund 9,5 Millionen Menschen hierzulande Alkohol auf bedenkliche Weise. Davon sind 1,3 Millionen abhängig. Hinzu kommt der Missbrauch weiterer Substanzen wie Drogen und Medikamente. Das drogenfreie Unternehmen gibt es also vermutlich nicht. Grund genug für Arbeitgeber, sich mit dem Thema Suchtprävention im Betrieb zu beschäftigen. Denn eine Suchterkrankung bedeutet nicht nur mehr Fehlzeiten und geringere Leistungen. Sie kann auch zu Konflikten unter Kollegen führen und das Risiko von Unfällen im Betrieb erhöhen. Auffälliges Verhalten darf deshalb nicht verharmlost oder gar ignoriert werden, erklärt Dr. Jens Petersen, Leiter Referat Arbeitsmedizin der VBG: "Wenn man den Eindruck hat, dass eine Suchterkrankung vorliegt, sollte man den Betreffenden auf dessen Verhaltensänderungen ansprechen. Sonst wird man zum Coabhängigen, der unbeabsichtigt zur Verlängerung der Sucht beiträgt." Das ist jedoch im konkreten Fall nicht einfach. Als Denunziant möchte schließlich niemand gelten. Hier können betriebliche Strukturen helfen - zum Beispiel eine Betriebsvereinbarung, die regelt, wie Mitarbeiter sich verhalten sollen, wenn ein alkoholisierter Kollege eine konkrete Gefahr für sich und andere darstellt. Die Vereinbarung kann Sonderregelungen zum Umgang mit Alkohol bei Feiern sowie Sanktionen bei Übertretung der Verbote enthalten. Programme zur Suchtprävention - wie Informationsveranstaltungen und Weiterbildungen für Führungskräfte - sollten ebenfalls Bestandteil der Betriebsvereinbarung sein.

Bewährt hat sich auch, Mitarbeiter als Krisen- und Suchtkrankenhelfer auszubilden. Diese dienen als Ansprechpartner auf Augenhöhe und vermitteln Kontakte zu professioneller Hilfe.

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