Pressemitteilung

"Klare Grenzen setzen" / Wie Angehörige von Alkoholikern dem Kranken helfen und sich selbst schützen können

2011-09-27 08:00:04

Baierbrunn (ots) - Mit einem suchtkranken Partner steht jede Beziehung auf der Kippe. Traut sich der Gesunde zu, den an sich geliebten Menschen zu begleiten, auch wenn der noch gar nicht einsieht, dass er süchtig ist, wenn er bereits heimlich trinkt, sich vernachlässigt, oft aggressiv oder depressiv ist? Viele Partner bleiben, weil sie den anderen nicht im Stich lassen möchten. Aus Sicht des Psychotherapeuten und Suchtexperten Dr. med. Dieter Geyer, Leiter der Fachklinik Fredeburg in Schmallenberg, ist das ebenso verständlich wie die Entscheidung, sich zu trennen.

"Sich trennen bedeutet nicht, Hilfe zu verweigern", sagt er im Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber". "Man kann trotzdem für den anderen da sein." Es gebe nicht nur einen Weg. Jeder Angehörige solle sich genau überlegen, welche Hilfe er leisten könne, ohne sich auf Dauer selbst zu gefährden. "Aufgrund des hohen Stresses sind sie selbst erheblich gefährdet, an Leib und Seele krank zu werden." Wer bleibt, soll niemals das Problem ansprechen, wenn der andere durch Alkohol oder Tabletten benebelt sei. Wichtig ist, immer von sich zu sprechen. Etwa: "Ich mache mir Sorgen, weil du in letzter Zeit viel trinkst." Geyer: "Nie anklagen, sondern den anderen in die Verantwortung nehmen."

Häufig ist im Alltag aber eine gefährliche Solidarität mit dem Abhängigen, etwa wenn eine Ehefrau sich Alibis für den betrunkenen Mann ausdenkt. "Das ist oft Hilflosigkeit", erklärt Geyer. "Angehörige wollen dem Suchtkranken Verantwortung abnehmen, die dieser eben selber tragen muss." Ein eigener klarer Standpunkt und feste Absprachen sind bessere Alternativen. Leugnet jemand ein Alkoholproblem, könne ihm der Partner entgegnen, dann erwarte er auch dass er zum Beispiel zwei Wochen nicht trinkt. "So setzt er klare Grenzen und bleibt bei sich", so der Suchtexperte. Trotz aller Mühen müssen Angehörige sich aber stets auf die Möglichkeit des Scheiterns einstellen. Viele Selbsthilfegruppen für Suchtkranke bieten auch Gesprächsgruppen für Angehörige an.

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