Pressemitteilung

Bonner Ökonomie-Professor: Automaten-Spiel kaum suchtgefährdend / Neue Untersuchung mit überraschendem Ergebnis

2011-06-19 12:00:02

Bonn (ots) - Nach Lotto und Lotterien ist das gewerbliche Automatenspiel die am wenigsten problematische Spielform. Das Glücksspiel in den staatlichen Spielbanken ist im Vergleich zum gewerblichen Automatenspiel rund dreimal so problematisch, Online-Glücksspiele sogar neunmal. Das fanden jetzt die Professoren Franz W. Peren und Reiner Clement vom Forschungsinstitut für Glücksspiel und Wetten in Bonn heraus. Hintergrund der Untersuchung: Spielen mit und um Geld wird für die Allgemeinheit dann zum Problem, wenn krankhafte Spieler durch ihr exzessives Spielverhalten in wirtschaftliche Not geraten und durch das staatliche Sozialsystem unterstützt werden müssen. Unter diesem Aspekt haben die Professoren Peren und Clement das Glücks- und Gewinnspielwesen in Deutschland untersucht.

"Unser Ansatz ist streng ökonomisch", berichtet Professor Peren. "Die Bruttospielerträge oder einfacher ausgedrückt, die Summen, die nach der Auszahlung der Gewinne in den Kassen der Spielveranstalter bleiben, sind das, was die Gesamtheit der Spieler auf Nimmerwiedersehen verloren hat", erläutert der Bonner Ökonomieprofessor. Dieser Spieleraufwand, der sich mit steigender Tendenz derzeit auf rund zehn Milliarden Euro belaufe, zeige allerdings nur, wie viel den spielenden Deutschen ihr Spielvergnügen wert ist - und zwar differenziert nach Lotto, Toto, Pokern, Automatenspielen usw. Eine gesellschaftspolitische Bewertung lasse dieser neutrale Wert nicht zu. Erst wenn man die Zahl der krankhaften Spieler in Beziehung dazu setze, können mögliche jeweilige Belastungen für die Allgemeinheit erkennbar werden.

"Bei dieser Belastungsanalyse haben wir ein überraschendes Ergebnis gefunden", so Professor Peren. Die bisherige Spielsuchtforschung ging davon aus, dass Spielen an gewerblich betriebenen Geldspielgeräten in Gast- und Spielstätten die größten Probleme mit sich bringe. "Wir konnten zweifelsfrei nachweisen, dass dies ein Trugschluss ist", erläutert Peren, Sprecher des Bonner Forschungsteams. Die Tatsache, dass bei den pathologischen Spielern der Anteil derjenigen, die auch an Geldspielgeräten spielen, im Vergleich zu anderen Spielangeboten je nach Studie mit 30 bis 50 % am größten sei, verleite zu dem Schluss, das Spiel am Geldspielgerät sei problematischer als andere Spielformen. Setze man jedoch den finanziellen Spielaufwand in Beziehung zum Anteil der krankhaften Spieler, ergebe sich ein völlig anderes Bild. "Das Ergebnis", so Professor Peren, "ist eindeutig".

"Der an unserem Forschungsinstitut entwickelte Pathologie-Potenzial-Koeffizient zeigt erstmalig verlässliche Kennziffern, mit denen sich die gesellschaftliche Belastung durch verschiedene Glücksspielangebote messen lässt", erläutert Peren. Bisherige Gefährdungsvermutungen, die mehr auf vorurteilshaften Plausibilitätserwägungen als auf wissenschaftlich fundierten Daten basierten, seien damit nicht mehr haltbar. Dies müsse zwangsläufig zu einer Korrektur in der gesellschafts- und ordnungspolitischen Diskussion führen. Professor Peren: "Um es ganz klar zum Ausdruck zu bringen: politischer Handlungsbedarf besteht nicht dort, wo man ihn bisher verortet hat." Grundsätzlich sei die Frage zu stellen, ob es angesichts der generell geringen Belastung durch pathologisches Spielverhalten überhaupt weitergehenden Regulierungsbedarf gebe. Wenn es jedoch um eine politische Bewertung gehe, die sich hinsichtlich der Belastungspotenziale der verschiedenen Spielformen wissenschaftlich rückversichert, seien weniger Lotto und das gewerbliche Automatenspiel, als vielmehr die Angebote der staatlichen Spielbanken und die Online-Spiele in den Fokus zu stellen.

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Hans-Peter Hagemes
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