BPOLP Potsdam: "Fußball-Gewalt ist besorgniserregend" Präsident der Bundespolizei sieht neue Qualität bei Hooligan-Attacken und fordert Aktivitäten der Fans für mehr Sicherheit auf Reisewegen

Potsdam (ots) - Eine Massenschlägerei mit über hundert Beteiligten, ein zerstörter Regionalzug, Überfälle maskierter Chaoten, gefährliche Zündeleien mit Pyrotechnik, Zehntausende Euro Sachschaden - die bittere Bilanz des letzten Spieltages in den Regionalligen. Für die Bundespolizei, die jedes Wochenende viele Hunderte Beamte einsetzt, um rivalisierende Fußball-Chaoten auseinander zu halten und friedliche Fans zu schützen, sind die Vorfälle am Rande von Spielbegegnungen keine Ausnahme sondern die Regel. Am vergangenen Wochenende wüteten Krawallmacher besonders heftig.

Auf dem Bahnhof Köln-Mülheim stürmten am Samstag Kölner Hooligans einen Regionalzug, in dem sich Fußballchaoten aus dem Umfeld des Vereins Preußen Münster aufhielten. Diese "Begegnung" war verabredet worden, beide Seiten hatten sich mit Vermummung und Schlagwaffen darauf eingerichtet. Die Bilanz der Massenschlägerei mit etwa 100 Beteiligten: 5 Verletzte und ein demolierter Zug, der gegen einen anderen ausgetauscht werden musste. Während die Kölner Hooligans noch vor dem Eintreffen von Landes- und Bundespolizei das Weite suchten, wurden 80 Randalierer aus Münster von der Bundespolizei gefasst und erkennungsdienstlich behandelt. Die Bundespolizei leitete Verfahren wegen Landfriedensbruch ein. Fünf Münsteraner mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Matthias Seeger, warnte in Potsdam vor einer neuen Qualität der Gewalt am Rande von Fußballspielen - auch in unteren Ligen: "Es ist klar erkennbar, dass gewaltbereite Fußball-Chaoten ihre brutalen Aktionen immer mehr von den Spielbegegnungen weg in den öffentlichen Raum verlagern. Dabei nehmen sie hohe Sachschäden am Eigentum der Eisenbahnunternehmen aber auch schwere Verletzungen anderer Fans aber auch von Unbeteiligten in Kauf. Diesem Trend müssen wir einen Riegel vorschieben."

Ein weiteres Indiz für die neue Qualität der Fußballgewalt sieht Seeger in einem anderen Zwischenfall. Ebenfalls am Samstag war nach einer Begegnung der Regionalligaclubs VfB Lübeck und der zweiten Mannschaft von Energie Cottbus ein mit Cottbusser Fans besetzter Regionalexpress am Haltepunkt Schwerin-Süd von maskierten Gewalttätern mit Steinen, Pyrotechnik und Nothämmern angegriffen worden. Bei den Tätern handelt es sich vermutlich um Hooligans aus dem Umfeld des Zweitligisten Hansa Rostock. Die Täter müssen den Angriff vorbereitet haben, weil sie auch versucht haben, die Videoüberwachung am Ort der Attacke mit Rauchbomben zu vernebeln. Glücklicherweise kam bei dem Zwischenfall kein Mensch zu schaden, allerdings zerstörten die Angreifer 17 Scheiben. Der Sachschaden: Etwa 8.000 Euro.

"Auf den wichtigen Reiserouten und bei den Risiko-Spielen ist die Bundespolizei mit starken Kräften präsent. Ich fordere die friedlichen Fans auf, sich von gewaltbereiten Personen zu distanzieren. Des Weiteren appelliere ich an die Fans, die vorhandenen Freiräume auf den Reisewegen verantwortungsvoll zu nutzen und sich friedlich zu verhalten", so der Präsident des Bundespolizeipräsidiums Matthias Seeger.

Große Sorge macht der Bundespolizei auch die mißbräuchliche Nutzung von Pyrotechnik. "Seit Beginn der Saison 2008 / 2009 verzeichnen wir einen stetigen Anstieg an Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz mit zahlreichen verletzten Beamten", so Präsident Matthias Seeger weiter.

Hinweise nimmt die Bundespolizei unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 6888 000 entgegen.

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