POL-LG: ++ massiver Widerstand und Angriffe gegen Polizeibeamte ++ Polizei durchsucht Fitnessstudio nach Diebstahl von Bargeld aus Tresor ++ Entsetzen über die Gewaltbereitschaft und Solidarisierungseffekt ++
Lüneburg (ots) - Stadt Lüneburg
Mit einem Großaufgebot von mehr als 50 Einsatzkräften mehrerer Polizeidienststellen musste die Polizei in den frühen Abendstunden des 18.07.09 die Räume eines Fitnessstudios im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor durchsuchen. Am späten Nachmittag war der Polizei ein Einschleichdiebstahl in einem nicht weit entfernt liegenden Getränkeabholmarkt in der Bleckeder Landstraße gemeldet worden. Unbekannte hatten sich in die kurz zuvor in die Büroräume des Marktes geschlichen und aus einem Tresor eine Geldkassette mit gut 400 Euro Bargeld gestohlen. Für den Diebstahl dringend verdächtig waren drei Männer, die zur Tatzeit im Abholmarkt Kunden waren. Die Personalien eines der Täter, ein 23-Jähriger, der polizeilich schon wegen verschiedenster Delikte in der Vergangenheit in Erscheinung getreten ist, konnten ermittelt werden. Der 23-Jährige entfernte sich gemeinsam mit den anderen Personen mit einem Pkw BMW vom Gelände des Abholmarktes.
Im Rahmen einer Fahndung wurde der BMW vor einem Fitnessstudio im Stadtteil Kaltenmoor festgestellt. Der 23-Jährige konnte durch Beamte im Fitnessstudio angetroffen und befragt werden. Auch die beiden anderen Tatverdächtigen konnten im Studio angetroffen werden. Als die insgesamt vier eingesetzten Beamten die Spinde der Personen durchsuchen wollten, wurden sie massiv durch die ca. 10 bis 15 sich im Studio befindlichen Besucher des Fitnessclubs attackiert. Die Personen, zum größten Teil Angehörige der Extrembodybuilder-Szene mit ausländischen Nationalitäten, bedrängten die Beamten massiv und warfen mit Barhockern nach ihnen. Die Beamten setzten Pfefferspray zu ihrer Verteidigung ein und "traten" aufgrund der Vielzahl der Angreifer "einen Rückzug" aus dem Gebäude an.
Der Fitnessclub wurde in der Folge durch mehr als 50 Einsatzkräfte der Polizei gesichert und umstellt. Bewegungen im Gebäudekomplex konnten nicht verhindert werden, da über ein Treppenhaus auch zu Wohnungen im Komplex Verbindung bestand. Nachdem auch Verhandlungen mit dem Inhaber des Fitnessclubs scheiterten, wurde gegen 19:00 Uhr das Gebäude zusammen mit Einsatzkräften einer Festnahmeeinheit der Bereitschaftspolizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Lüneburg gestürmt und durchsucht. Dabei leisteten die Personen weiterhin massiven Widerstand; selbst gegen diese Spezialkräfte.
Parallel sammelten sich gut 300 Schaulustige, zum größten Teil Bürger aus dem Stadtteil Kaltenmoor, im Umfeld des Studios. Diese wurden durch eine Absperrung von Polizeikräften vom Fitnessclub fern gehalten. Während der Durchsuchungsmaßnahme und auch bereits zuvor solidarisierte sich eine Vielzahl dieser Schaulustigen, unter denen sich auch diverse "polizeibekannte" Personen befanden, mit den Personen im Fitnessstudio und griffen die Polizei an. Dabei wurden die Beamte nicht nur bespukt oder auf das übelste beleidigt. Mehrere Personen durchbrachen die Polizeiabsperrung und mussten durch den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray insbesondere durch die Festnahmekräfte gestoppt werden. Angeheizt wurde die Lage insbesondere durch das Verhalten der Frau des Fitnesstudio-Inhabers, die auch gleichzeitig Angehörige eines der Tatverdächtigen war. Diese brach vor dem Studio während der Durchsuchung "theatralisch" zusammen und wurde vorsorglich mit einem Rettungswagen ins Klinikum nach Lüneburg gebracht. Auch wurden Kinder nachträglich in die Räumlichkeiten des Fitnessclubs gebracht.
Einsatzleitung und der hinzukommende Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, Ulrich Mädge, konnten in der Folge die aufgebrachte Menschenmenge beruhigen.
Im Rahmen der Durchsuchung fanden die Beamten Täterbekleidung aus dem Diebstahl sowie auch einen Schlagring und eine geringe Menge Anabolika. Die Geldkassette konnte nicht aufgefunden werden. Diverse Strafverfahren wegen Gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung, Bedrohung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Verstoß gegen das Waffengesetz und Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz wurden eingeleitet. Zwei Beamte erlitten leichte Verletzungen. Nach dem Einsatz von Pfefferspray meldete sich lediglich einer der Personen als verletzt.
Der Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Lüneburg, Polizeidirektor Roland Brauer, zeigte sich entsetzt über das Ausmaß der gezeigten Gewalt gegenüber den Einsatzkräften sowie über die Solidarisierungseffekte einer Vielzahl von Schaulustigen. "Ich bin froh und stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen, die besondere Besonnenheit und "kühlen Kopf" bewiesen und ihre Schusswaffe, trotz dieser Extremsituation nicht gezogen haben! Wer sich außerhalb der Rechtsnorm stellt und flüchtige Straftäter vor dem Zugriff der Polizeibeamten durch gewalttätige Angriffe auf eben diese schützt, dem sei gesagt, dass wir dies nicht hinnehmen können und werden", machte Roland Brauer deutlich. "Mein Dank gilt aber auch unserem Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der sich am Sonnabend sehr für die Beruhigung der Lage eingesetzt hat, so Brauer weiter.
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