FW-HL: 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Lübeck-Israelsdorf
Lübeck (ots) - Ca. 120 Gäste aus Feuerwehrkreisen, Politik und Verbänden sind der Einladung der Israelsdorfer Wehr ins Gemeinschaftshaus Karlshof anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens gefolgt. Wehrführer Peter Stegmann nahm sie auf eine amüsant und spannend vorgetragene Zeitreise durch die vergangenen 100 Jahre rund um die Feuerwehr Israelsdorf mit. Wie ein roter Faden zog sich der immer wieder auftretende, fast chronische Platzmangel der Feuerwehr durch die Jahrzehnte. Wenn Stegmann in seiner Chronik den schon legendären Satz "Ein bekanntes Problem tauchte auf." erwähnte, ahnten die Anwesenden bereits, dass das Feuerwehrhaus wieder einmal zu klein war und Neu- oder Anbau die Folge waren.
Ein Rückblick über die letzten 100 Jahre Feuerwehr ruft auch Einsätze mit überregionaler Bedeutung in die Erinnerung, an denen die Israelsdorfer Wehr beteiligt war. Beispielsweise sind die verheerenden Wald- und Heidebrände im niedersächsischen Lüchow-Dannenberg (1975) und die Schneekatastrophe (1978/79) genannt; nicht zu Vergessen der Brand einer Asylbewerberunterkunft in der Lübecker Hafenstraße (1996). "Unvergessen die Bilder, der bei unserem Eintreffen umstürzenden Drehleiter und die Hilfeschreie der eingeschlossenen Menschen," so Stegmann eindrucksvoll.
In seinem Schlusswort hob Stegmann auch mahnend den Zeigefinger: "Wohl kaum eine Organisation hat sich in 100 Jahren so wandeln müssen, wie die Feuerwehr. Doch eines ist immer gleich geblieben; der Wille zu helfen. Dieser Wille scheint aber immer mehr verloren zu gehen. Kaum einer kommt noch und will seine - ich gebe zu nicht unerhebliche - Freizeit opfern."
Hans Schönherr vom schleswig-holsteinischen Innenministerium unterstützte die Worte Stegmanns: "Feuerwehr unterscheidet sich grundlegend von Freizeitvereinen in einer Gesellschaft, in denen der Spaßfaktor zum Selbstzweck wird." Er unterstrich deutlich, dass Feuerwehren nicht zum "Spaß" ihrer Mitglieder da sind, sondern für die Gesellschaft unverzichtbare Aufgaben erfüllen. Als Dank des Landes Schleswig-Holstein für die 100-jährige Bereitschaft übergab Schönherr eine Ehrengabe, bestehend aus einer bronzenen Glocke und einer Ehrenurkunde, an die Israelsdorfer Wehr.
Lübecks Senator Thorsten Geißler überbrachte die Grüße der Hansestadt Lübeck. Er nahm ebenfalls den Ball Stegmanns zur ehrenamtlichen Bereitschaft in der Bevölkerung auf: "Leben Sie Ihr Ehrenamt so attraktiv, das Andere es mitbekommen." Geißler hob in diesem Zusammenhang die besondere Bedeutung der Jugendfeuerwehren hervor. Sie sind ein unverzichtbares Instrument zur Nachwuchsgewinnung für die Freiwilligen Feuerwehren, erfüllen darüber hinaus aber auch eine Reihe weiterer Aufgaben in der gesellschaftlichen Jugendarbeit.
Gleich in einer Dreifachrolle war Detlef Radtke anwesend - als Landesbrandmeister Schl.-H., als Lübecks Stadtbrandmeister und als aktives Feuerwehrmitglied der Jubiläumswehr. Für ihn war es ein "Heimspiel", das er nutzte, um auf Entwicklungen aufmerksam zu machen, die durch "Sparen am falschen Platz" zu einer Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung für die Freiwilligen Feuerwehren führen können. "Die 23 Lübecker Freiwilligen Feuerwehren unterstützen heute kostengünstig die Hansestadt Lübeck, damit diese ihre gesetzlichen Pflichtaufgaben erfüllen kann. Das macht die Feuerwehr gerne," so Radtke. Anhand der von der Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen Feuerwehren gemeinsam gebildeten Löschzüge in Lübeck erläuterte Radtke seine Überlegungen. Wären die gesamten Löschzüge ausschließlich mit hauptberuflichen Kräften zu besetzen, entstünden der Stadt weitere Personalausgaben in einer Größenordnung von 3 bis 6 Millionen Euro jährlich. Darüber hinaus sind zusätzliche Kräfte für größere oder flächendeckende Schadenslagen erforderlich, in denen sich die Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr verstärkt auf die Aufgaben des Rettungsdienstes konzentrieren müssen. Radtke richtete einen Appell an den Bürgermeister und die verantwortlichen Lübecker Politikerinnen und Politiker: "Stehen Sie zu Ihrer Freiwilligen Feuerwehr Israelsdorf und zu allen Freiwilligen Feuerwehren der Stadt, so, wie es im Lübecker Feuerwehrbedarfsplan beschlossen wurde. Entscheiden Sie richtig, wenn es um Strukturfragen der Freiwilligen Feuerwehren geht."
Frau Gabriele Hiller-Ohm (Mitglied des Bundestages) und Herr Gerrit Koch (Mitglied des schl.-h. Landtages und Vorsitzender des Bürgerschaftsausschusses für Sicherheit und Ordnung) dankten für das ehrenamtliche Engagement und sicherten ihre Unterstützung für die Belange der Feuerwehr in ihren Gremien zu.
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