POL-IZ: Itzehoe: Film "Cyberopfer - Internet vergisst nie" vorgestellt - Eine Initiative der PZSt Glückstadt und der örtlichen Regionalschule

Kreis Steinburg (ots) - Landesweite Vorstellung des Films "Cyberopfer" - dazu hatten sich im Behördenhochhaus Itzehoe neben den Initiatoren des Filmprojekts - die Polizei-Zentralstation Glückstadt im Verein mit der örtlichen Regionalschule - viel Prominenz eingefunden: neben Innenminister Klaus Schlie und dem Vertreter des Landespolizeidirektors, Joachim Gutt, sowie weiterer Polizeibeamte aus ganz Schleswig-Holstein waren dies Vertreter von Schulen und anderer Bildungseinrichtungen sowie Sozialeinrichtungen aus Kreis und Land. Zu den geladenen Gästen zählte auch der Landesvorsitzende der Kriminalitätsopfer-Hilfsorganisation "Weisser Ring", Minister a. D. Uwe Döring.

Angesichts der personellen Fülle im Konferenzraum, zu der auch zahlreiche Medienvertreter (Funk, Fernsehen, Presse) beitrugen, betonte Hausherr Dieter Böckel: "Es tut gut, angesichts der beachtlichen Resonanz auf unsere Einladung wahrzunehmen, dass wir ein offensichtlich interessierendes und zudem aktuelles Thema 'angefasst' haben." Dies käme aber nicht von ungefähr, denn: "In unserer jährlichen Fachtagung 'Jugendkriminalität' im November 2011 war auch die Thematik 'Cybermobbing' Gegenstand der Diskussion." Weniger wegen der zunehmenden öffentlichen Darstellung und entsprechender medialer Verbreitung, sondern insbesondere "wegen der immer stärkeren, durchaus kritischen strafrechtlichen Auffälligkeit im Zusammenhang mit dem Thema". Dass Sorge nicht unbegründet sei, verdeutliche eine Untersuchung der TU Berlin - Wissenschaftler des Fachbereiches Pädagogische Psychologie hätten eine umfangreiche Befragung bei 13 bis 17 Jahre alten Schülern zur Thematik "Mobbing in Netzwerken" vorgenommen: "Die Gesamterkenntnisse aus der Studie, die viele Befürchtungen leider bestätig, sollen in diesen Tagen veröffentlicht werden." Im Zusammenhang mit der Problematik zitierte Dieter Böckel einen Gymnasiallehrer aus Nordrhein-Westfalen, der an der Uni Duisburg-Essen das Pilotprojekt "Medienscouts NRW" mitbetreut: "Der beste Schutz ist, wenn in den Freundeskreisen der Jugendlichen ein umsichtiger Umgang mit Medien als Wert - an sich - gilt. Das hilft mehr als jede Verteufelung." Dieter Böckel betonte angesichts der negativen Praktiken im Internet, "dass Kolleginnen und Kollegen der Landespolizei gerne dazu beitragen, dass 'dieser Wert an sich' möglicherweise noch etwas gezielter vermittelt werden kann - also geradezu klassische, ressortübergreifende Präventionsarbeit praktiziert wird". Um die Gesamtproblematik zu verdeutlichen, sei der Film "Cyberopfer" ein richtiger Schritt: "Ich hoffe, dass er von ihnen auch gerne angenommen wird." Dieter Böckel würdigte insbesondere die Initiatoren von "Cyberopfer", sie hätten eine "tolle Arbeit" geleistet. Und: "Die Polizeidirektion Itzehoe ist stolz auf diese Arbeit."

Innenminister Klaus Schlie würdigte die Initiative der Polizeidirektion Itzehoe und den neuen Unterrichtsfilm gegen das so genannte Cybermobbing als vorbildlich: "Absichtliche und systematische Beleidigungen, Bedrohungen und Belästigungen im Internet nehmen zu." Das seien keine Bagatelldelikte oder harmlose Schülerstreiche, sondern Straftaten. Das Ausmaß von Cybermobbing gehe weit über das persönliche Mobbing hinaus. "Die Attacken im Internet können immer wieder an die Öffentlichkeit gelangen und hören auch in den eigenen vier Wänden nicht auf", betonte der Innenminister.

Er rief Eltern auf, ihre Kinder auf die Gefahren des Internets hinzuweisen. "Die jungen Leute müssen vor allem lernen, mit ihren Daten verantwortungsvoll umzugehen." Opfer von Cybermobbing müssten von ihrem sozialen Umfeld breite Unterstützung erfahren. Die Täter müssen nach Ansicht des Ministers gesellschaftlich isoliert und bestraft werden. "Cybermobbing ist Gewalt." Es werde zu einer zunehmend bedrohlichen Form einer besonders heimtückischen Form der Kriminalität. Wenn Eltern, Schule und Polizei bei deren Bekämpfung eng zusammenarbeiteten, dann sei das eine gute Grundlage einer erfolgreichen Prävention.

Das Wort ergriffen auch die Projektpartner Herbert Frauen (Regionalschule Glückstadt) und Thies Schlüter (PZSt Glückstadt).

Der Schulleiter betonte, dass es "Konflikte zwischen Jugendlichen auf dem Schulhof" schon immer gegeben habe. Es gehöre zur "Entwicklung der Persönlichkeit" dazu, "Grenzen auszutesten". Doch anders als früher, als sich Konfliktpartner auf Schulhof oder Nachhauseweg gegenüberstanden und sich nach einer Auseinandersetzung anderntags wieder "die Hand gegeben" haben, weil "Schluss war und einer auf dem Boden gelegen hatte", zeichne sich heute ein anderes Bild. Mit Blick auf "Mobbing und Cybermobbing" betonte Herbert Frauen: "Man zeigt nicht mehr sein Gesicht, man versteckt sich, man guckt sich nicht mehr ins Gesicht." Also: "Kein Zeichen von 'mach Schluss' - die Opfer bleiben allein." Was könne man dagegen tun? Da "Prävention besser als Krisenmanagement" sei, Eltern dem Geschehen im Internet "oft hilflos" gegenüber stünden und über Facebook "wenig informiert sind" und die Regionalschule jedes Jahr das Projekt "Gewaltprävention" in den Stundenplan hebt, entwickelten sich im Laufe der Zeit in Zusammenarbeit mit dem Präventionsbeauftragten Thies Schlüter Antworten auf die Frage, wie Präventionsarbeit noch interessanter gestaltet werden könne. Daraus entstand dann die Filmidee: "Der Film zeigt Menschen mit Gesicht, und das Projekt beschreibt Situationen, bei denen Verletzungen entstanden sind." Insgesamt sei es bei dem Film darum gegangen, "Cybermobbing intensiver aus der Opferrolle zu betrachten". Und: "Es ist unsere Rolle, Empathie herzustellen." Insofern sei "Cyberopfer" auch "ein Stück konstruktive Präventionsarbeit an unsere Schule".

Thies Schlüter stellte heraus, dass Kinder und Jugendliche "regelmäßig online" sind. Darum: "Neben den zahlreichen Möglichkeiten, sich zu informieren, Kontakte zu knüpfen oder Unterhaltung zu finden und somit die positiven Nutzungsmöglichkeiten auszuschöpfen, birgt die Anonymität des Internets aber auch Risiken." Welche "konspirative Macht" die missbräuchliche Benutzung neuer Medien hätte, zeigten erste Schicksale von Menschen, "die durch Cybermobbing in den Tod getrieben wurden". Schnell funktioniere der Austausch eines Videos per Bluetooth, Infrarot oder durch den Tausch der Speicherkarte, "und die betreffende Person ist augenblicklich die Lachnummer der Klasse". Für viele Kinder und Jugendliche seien "solche Formen von Schikane alltäglich - sei es als Opfer, Zuschauer oder sogar Täter". Und: "Andere einzuschüchtern, vorzuführen oder anzugreifen ist an sich kein neues Phänomen. Neu ist es, andere zu bedrohen, zu beschämen oder zu erpressen, indem mittels moderner Informations- und Kommunikationsmittel tief in die Privatsphäre der Opfer vorgedrungen wird." Hierbei spiele der Missbrauch multifunktionaler Handys eine tragende Rolle. Cybermobbing könne an der Seele von Kindern und Jugendlichen große Schäden anrichten: "Die psychischen Folgen von sind schlimm, und wir wissen, dass das bis hin zu Suizidversuchen und brutalster realer Gewalt führen kann." Das Netz sei vielerorts "eine Anarchie" - bei den Eltern der "kleinen User" sei oft das Gegenteil der Fall: "Die Eltern kennen die Regeln eines respektvollen Umganges miteinander, aber sie sind mit den technischen Möglichkeiten der modernen Kommunikationsmittel oft überfordert, und 'die kleinen Chaoten' haben schnell herausgefunden, wie sie die elterliche Aufsicht umgehen können." Nicht ansatzweise wüssten einige Eltern, "welche Seiten ihre Kinder im Internet besuchen, in welchen Foren sie sich angemeldet haben oder ob der zwölfjährige Sohn mit einem gleichaltrigen Freund chattet oder mit einem 40 jährigen pädophilen Straftäter, der gerade aus der Haft entlassen wurde und sich nun ein neues Opfer sucht". Vor dem Hintergrund, dass der Prävention und somit der Aufklärung eine entscheidende Bedeutung zukommt, suchte Thies Schlüter vor geraumer Zeit nach einem Lehrfilm zu der Thematik. "Den gab es im Januar 2010 noch nicht, und so entstand die Idee, einen Film herzustellen." Es sollte ein möglichst authentischer Lehrfilm werden, der die Kinder und Jugendlichen optimal sensibilisieren sollte. Deshalb suchte der Beamte im Januar 2010 die Video-AG der Regionalschule Glückstadt auf. "Ich stellte der Video-AG das Drehbuch zum Film "Cyberopfer" vor, um es zu verfilmen und konnte dort den talentierten Filmer Björn Wuhlkopp sowie die Schüler der freiwilligen Arbeitsgemeinschaft für das Projekt gewinnen." Doch Thies Schlüter fand auch kritische Worte. Der Film sei authentisch, allerdings werde dem Zuschauer vermittelt, dass es für die Polizei einfach sei, den Urheber der Cybermobbing.-Attacken zu vermitteln, und das sei auch gut so, denn: "Der Film soll auch dazu dienen, potentielle Täter zu verunsichern und abzuschrecken. Doch eines möchte ich deutlich sagen: Seitdem das Bundesverfassungsgericht die Datenvorratsspeicherung gekippt hat, bereitet es den Ermittlungsbehörden große Schwierigkeiten, in Strafverfahren die Urheber von Cybermobbing zu ermitteln."

Moderiert wurde die Veranstaltung von Hans-Werner Heise, Leiter der Präventionsstelle bei der PD Itzehoe. Der Sprecher betonte unter anderem: "Das Thema Medienkompetenz ist hier in der Polizeidirektion schon länger ein etablierter Schwerpunkt. Umso mehr freut es uns, dass dieses Filmprojekt durch Thies Schlüter an uns heran getragen wurde und wir es in dieser Form unterstützen können. Ich muss zugeben, meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Ihre Wertschätzung zeigt uns, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind und das Thema 'Cybermobbing' einen hohen Stellenwert hat."

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