POL-IZ: Itzehoe: "Festivalkriminalität" - Internationale Fachtagung bei der Polizeidirektion Itzehoe
Kreis Steinburg (ots) - Im Rahmen der zweitägigen "Bundesarbeitstagung Festivalkriminalität", die von der Polizei erstmals im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden ist, trafen sich im Behördenhochhaus Itzehoe Polizeibeamte aus ganz Deutschland und aus Österreich. Allen gemeinsam: In ihrem Zuständigkeitsbereich werden Festivals veranstaltet, die große Menschenmengen anziehen. Zu diesen Festivals gehören "Rock am Ring" und "Nature one" (Rheinland-Pfalz), "Rock im Park" und das "Taubertal-Festival" (Bayern), das "Hurricane" (Niedersachsen), "Area 4" (Nordrhein-Westfalen), das "Highfield-Festival" und das "With full force" (Sachsen), das "Southside" (Baden-Württemberg) das "Frequency-Festival" in St. Pölten bei Wien sowie das "Wacken-Open-Air" im Kreis Steinburg. Im Vordergrund der Fachtagung, an der sich auch Richter Dominik Mardorf (Amtsgericht Itzehoe) und Staatsanwältin Jonna Ziemer (StA Itzehoe) beteiligten, stand nach Worten von Frank Ritter (Polizeiführer beim Wacken Open Air) "der sehr spezielle Erfahrungsaustausch in einem eher außergewöhnlichen Arbeitssegment der Polizei". Während es bei der Zusammenkunft im vergangenen Jahr in Mayen (Nürburgring/Eiffel) schwerpunktmäßig um die Aspekte "überörtliche Taschendiebe" und "Ticketbetrug" ging, sei die Tagesordnung diesmal um die nicht minder wichtigen Facetten "Führungsaspekte" sowie "Sicherheitsbelange" erweitert worden - Themen also, die Aufbau und Abwicklung des Einsatzes oder die Vorbereitung auf größere Schadenslagen ebenso betreffen, wie die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern und anderen beteiligten Behörden . In einem Einstiegsreferat stellte Marcus Hilger aus Rheinland-Pfalz unter anderem heraus, dass es "Fortschritte bei der Bewältigung der Festivals in 2011" gegeben habe, zum Beispiel bei der "Verbesserung der Ticketsicherheit" und bei der "Bekämpfung rumänischer Diebesbanden". Im Zusammenhang mit dem "Wacken-Open-Air" erwähnte der Referent, dass die Zahl der Taschendiebstähle erheblich zurückgegangen sei. Wurden 2009 noch 930 und 2010 immerhin noch 408 Delikte angezeigt, ging die Zahl für 2011 auf 54 zurück. "Dies ist neben lokalen Maßnahmen wie Videoüberwachung und GPS-geführten Zivilstreifen insbesondere auch der Datenvernetzung zwischen allen Polizeibehörden mit Großfestivals zuzurechnen", betonte der Redner. Als Referent trat auch Holger Hübner auf. Der Mitinitiator des Wacken Open Air stellte heraus, wie es "in relativer Einöde" zu schaffen ist, das größte Heavy-Metal-Festival der Welt auf die Beine zu stellen und wie sich ein Veranstalter die Zusammenarbeit mit der Polizei vorstellt. Großen Raum nahmen die Workshops ein, in die sich die Teilnehmer je nach Interesse beziehungsweise dienstlicher Verwendung einbringen konnten. Zur Auswahl standen "Festivalkriminalität" unter der Leitung von Ingo Minnerop (Leiter der Kripo Pinneberg), "Führungsaspekte" (Frank Ritter) und "Zusammenarbeit mit dem Veranstalter" (Thomas Körn: Leiter der Polizei-Zentralstation Wilster). Dass bei einem Festival "Sicherheitsrisiken" nie ausgeschlossen sind, machte der Workshop "Führungsaspekte" deutlich. Frank Ritter: "Das Graspop-Metal-Meeting in Belgien im vergangenen August 2011 hat allen vor Augen geführt, wie schnell ein gut vorbereitetes und mit hohen Sicherheitsstandards belegtes Festival in eine Katastrophe führen kann." Dort hatte ein plötzlich auftretendes Gewitter für erhebliche Personen- und Sachschäden gesorgt. Thematisiert wurden im Workshop "Zusammenarbeit mit dem Veranstalter" Erfahrungen bei der "Loveparade" 2010 in Duisburg. Thomas Körn: "Sicherheitskonzepte müssen gemeinsam erstellt werden, und zwar unter Beteiligung aller verantwortlicher Stellen wie Polizei, Ordnungsbehörde, Produktionsleitung und Security." Der katastrophale Ausgang der "Loveparade" endete bekanntlich in nicht enden wollenden gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Veranstalter, Ordnungsverwaltung und Polizei. Thomas Körn: "Die für die Bewältigung von Musik-Großveranstaltungen zuständigen Polizeibehörden wären schlecht beraten, hieraus keine Lehren ziehen zu wollen." Die Fachtagung endete mit der Vorstellung der in den Workshops getroffenen Feststellungen und entwickelten Ideen. Die Workshop-Leiter hielten Kurzreferate und moderierten die einsetzenden Diskussionen. Nach einer Abschlussrunde beendete der Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, Dieter Böckel, die "erfolgreiche Jahrestagung", und die insgesamt 48 Teilnehmer traten per Flugzeug, Bahn oder Pkw die Heimreise an. Frank Ritter: "Ausgestattet mit einer umfangreichen Projektmappe sehen sich alle Polizeiverantwortlichen wieder ein Stückchen besser ihrer Aufgabe beim Festival im eigenen Land gewachsen." Die Jahrestagung 2013 wird übrigens in Niedersachsen veranstaltet.
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Die Teilnehmer der internationalen Fachtagung "Festivalkriminalität" im Behördenhochhaus Itzehoe
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