POL-KS: Kriminalstatistik Nordhessen 2009: 13% weniger Straftaten in 6 Jahren - so viel geklärt wie nie zuvor.
Kassel (ots) - Polizeipräsident Henning: "Nochmals gesteigerte Aufklärungsquote ist ein Erfolg der nordhessischen Polizei".
Die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Straftaten ist in Nordhessen auch im vergangenen Jahr wieder erheblich gesunken. Waren es im Jahr 2008 noch insgesamt 52.825 Delikte, die in Kassel, im Landkreis Kassel und in den Kreisen Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder und Werra-Meißner von Bürgerinnen und Bürgern zur Anzeige gebracht oder von der Polizei ermittelt oder aufgedeckt wurden, so sank die Zahl für das abgelaufene Jahr 2009 um 941 Delikte auf 51.884 Taten. Die Anzahl der Straftaten ging damit erneut um 1,8 Prozent zurück. Die Gesamtzahl der in Nordhessen verübten Delikte ist damit seit 2004 um 7.828 Straftaten oder 13,11 Prozent gesunken. "Das ist natürlich eine überaus erfreuliche Entwicklung, auf die meine Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Arbeitsbereichen sehr stolz sein können. Denn es ist ihre Arbeit, die jetzt schon seit Jahren erkennbar Früchte trägt", sagt Nordhessens Polizeipräsident Wilfried Henning nicht ohne Stolz.
Grafik 1: Die Straftatenentwicklung in Nordhessen von 2004 bis 2009
"In vielen Bereichen haben unsere Bekämpfungsstrategien und der unermüdliche Einsatz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den angestrebten Zielen geführt. Es ist ein Erfolg der gesamten Mannschaft", ist der Polizeichef überzeugt. "Polizeiliche Präsenz an Brennpunkten der Kriminalität und schnelle Ermittlungserfolge sind aus meiner Sicht schlüssige Erklärungen", fährt Henning fort.
Zum Teil deutlich weniger Straftaten in den Landkreisen Kassel, Waldeck-Frankenberg und in der Stadt Kassel.
Prozentual und in der Gesamtzahl am deutlichsten gingen in Nordhessen die polizeilich registrierten Straftaten im Landkreis Kassel zurück: 8.234 Delikte waren es insgesamt noch im Jahr 2009 und damit 860 Taten oder 9,5% weniger als noch in 2008 (9.094). "Betrachtet man die Straftatenobergruppen für den Landkreis Kassel, so zieht sich der Rückgang erfreulicherweise nahezu durch alle Deliktsbereiche", berichtet Polizeipräsident Henning. Deutlich rückläufig sind auch die Straftaten im Landkreis Waldeck-Frankenberg: Hier sank die Zahl der Delikte von 7.505 auf 7.176. Der Rückgang um 329 Straftaten gegenüber 2008 bedeutet prozentual einen Wert von -4,4 Punkten. Etwas bescheidener dagegen fällt die Abnahme der registrierten Straftaten in der Stadt Kassel aus: 223 Taten weniger als noch 2008 gingen insgesamt in die polizeiliche Kriminalstatistik ein. Das entspricht einer Abnahme der registrierten Kriminalität in der Stadt um exakt 1,0 Prozent.
"Das Oberzentrum Kassel spielt auch bei der Entwicklung der Kriminalitätszahlen für Nordhessen eine ganz entscheidende Rolle", stellt der Leitende Kriminaldirektor Norbert Berndt, Leiter der Abteilung Einsatz im Polizeipräsidium, heraus. Stadt und Landkreis Kassel gehören zur Polizeidirektion Kassel, die mit einem Anteil von 59,42 Prozent am Gesamtaufkommen der Straftaten in Nordhessen das größte Stück der Torte zu bearbeiten hat. Dies zeigt auch die folgende Grafik 2 überdeutlich. Dass die Entwicklung trotz der hohen Belastung der Mitarbeiter in die richtige Richtung ging, bestätigt das Konzept der Einsatzabteilung, der Kriminaldirektion und natürlich die Strategie des zuständigen Direktionsleiters. "Mit unseren polizeilichen Einsatzkräften haben wir versucht, immer schnell und vor allem konsequent und nachhaltig zu agieren, wenn Brennpunkte bestimmter Kriminalitätsphänomene erkennbar wurden", sagt Polizeioberrat Uwe Papenfuß, seit knapp zwei Jahren Leiter der Polizeidirektion Kassel, der mit über 400 Bediensteten mit deutlichem Abstand größten Polizeidirektion in Nordhessen. "Mit unseren Konzepten waren wir sowohl in der Stadt als auch im Landkreis erfolgreich. Diese auch im letzten Jahr wieder positive Entwicklung wollen wir natürlich auch in Zukunft weiter stabilisieren und nach Möglichkeit ausbauen", ergänzt der Oberrat.
Grafik 2: Anteil der Direktionen am Straftatenaufkommen.
Die übrigen rund 40 Prozent aller in Nordhessen verübten Straftaten stammen aus den drei Flächendirektionen Schwalm-Eder (15,46%), Waldeck-Frankenberg (13,83%) und Werra-Meißner (11,29%) und werden auch dort von Schutz- und Kriminalpolizei bearbeitet.
Zunahmen im Werra-Meißner-Kreis und im Schwalm-Eder-Kreis.
Gegenüber der Vorjahresbilanz dagegen zugenommen haben die Straftaten im Jahr 2009 in den Landkreisen Werra-Meißner und Schwalm-Eder. 319 Straftaten (plus 5,8%) mehr zählte die Polizeidirektion Werra-Meißner in Eschwege. Über die Hälfte des Zuwachses entfällt hier auf einen Anstieg bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten. Sie allein nahmen im Werra-Meißner-Kreis um 170 Taten gegenüber 2008 zu. Einen leichten Anstieg verzeichnet auch die Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg mit einer Zunahme um 152 registrierte Straftaten. Auch hier dürfte eine deutliche Zunahme bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, die allein um 237 Taten anstiegen, eine der Ursachen sein. Dafür sanken die Kriminalitätszahlen in mehreren anderen Deliktsbereichen zum Teil deutlich. Einzelheiten zur Kriminalitätsentwicklung in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner und Schwalm-Eder werden in gesonderten Presseterminen am 25., 26. und 27. Januar vorgestellt, zu denen bereits Einladungen an die örtlichen Medienvertreter herausgegeben worden sind.
Nochmals deutlich verbesserte Aufklärungsquote in Nordhessen.
Die erfolgreiche Arbeit der nordhessischen Polizei wird auch in der Aufklärungsquote (AQ) für Nordhessen deutlich. 57,9 Prozent aller registrierten Straftaten konnten die Ordnungshüter aufklären. Damit liegt Nordhessen über dem Landesschnitt. "Bei einem deutlichen Rückgang der registrierten Straftaten, was gleichzeitig sehr positiv auch einen Zugewinn an Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet, fällt es erfahrungsgemäß schwer, hohe Aufklärungsquoten zu halten", sagt Henning. "In Stadt und Landkreis Kassel ist dies aber dennoch gelungen", betont er. "Mit dieser hohen Aufklärungsquote und ihrer Steigerung um 2,3 Prozent wurden - und dies bei sinkender Gesamtzahl der registrierten Straftaten - erstmals mehr als 30.000 Delikte aufgeklärt", rechnet Henning vor. Exakt 30.030 waren es im vergangenen Jahr in Nordhessen, zu der die Polizei den oder die Tatverdächtigen ermitteln und überführen konnte.
Grafik 3: Entwicklung der Aufklärungsquoten in Nordhessen, Stadt und Landkreis Kassel
"Vor 16 Jahren, als ich in Kassel das Amt des Polizeipräsidenten antrat, hätten wir mit 45% schon sehr zufrieden sein müssen", sagt Wilfried Henning. Mitte der 90-er Jahre habe die Aufklärungsquote des damaligen Polizeipräsidiums Kassel, zu dem die Stadt und der Landkreis Kassel gehörten, noch bei mageren 43,0 (Stadt Kassel) und sogar lediglich 37,6 Prozent im Landkreis gelegen. "Darüber hinaus freue mich sehr, dass die Aufklärungsquote ohne Ausnahme in allen Bereichen unseres nordhessischen Polizeipräsidiums weiter gestiegen ist", zeigt sich Wilfried Henning zufrieden mit den erreichten Ergebnissen.
Stadt Kassel: Steigende Aufklärungsquote - sinkende Fallzahlen.
Die prozentual deutlichste Steigerung der Aufklärungsquote wurde im Bereich der Stadt Kassel erzielt. Von 53,5% stieg sie um 3,2 Punkte auf jetzt 56,7%. Damit wurden im Jahr 2009 insgesamt 627 Taten mehr aufgeklärt als im Jahr zuvor. Die Zahl der polizeilich registrierten Fälle nahm gleichzeitig um 223 auf 22.594 ab. "Das ist ein wichtiges Zeichen für die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt. Kriminalität ist zuallererst ein urbanes Problem, weil es in einer Stadt einfach deutlich mehr Tatgelegenheiten gibt. Wenn Polizei hier so positiv punkten kann, verbessert sich auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Schließlich leisten wir ja unsere Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger", macht Henning seinen Standpunkt deutlich.
Höchste nordhessische Aufklärungsquote im Schwalm-Eder-Kreis.
Die Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg weist mit 63,2% aufgeklärter Straftaten in 2009 die beste Aufklärungsquote aller nordhessischen Landkreise auf. Bereits im Jahr 2008 wurde hier mit 61,0 Prozent ein über der "Schallmauer" von 60 Prozent liegender Wert erreicht. Die Steigerung für das vergangene Jahr liegt bei 2,2 Prozentpunkten. Die Gesamtzahl der geklärten Fälle stieg auf 5.072. Ebenfalls deutlich über 60 Prozent liegt in Nordhessen auch der Werra-Meißner-Kreis. Hier konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei die Quote von 61,1% auf jetzt 62,4 Prozent nach oben bringen. In Fallzahlen ausgedrückt, wurden dort im vergangenen Jahr 319 Fälle mehr aufgeklärt als noch in 2008.
Erheblich weniger Diebstähle in Kassel und der Region.
"Entscheidend zum Rückgang der Gesamtzahl der Straftaten haben die Erfolge bei der Bekämpfung des Diebstahls beigetragen", sagt Kriminaldirektor Gerald Hoffmann, Chef der Kriminaldirektion.. So wurden beim schweren Diebstahl, zu dem neben Einbrüchen u.a. auch der Autodiebstahl und der Aufbruch von Kraftfahrzeugen gehören, allein 1.110 Straftaten in Nordhessen weniger als noch im Jahr 2008 registriert. "Die Täter sind sicher nicht müder geworden. Wir konnten aber in vielen Bereichen durch polizeiliche Präsenz und vor allem durch den Abschreckungseffekt schneller Fahndungs- und Ermittlungserfolge sehr erfolgreich dagegen halten", ergänzt Uwe Papenfuß.
Leichte Steigerung beim versuchten und vollendeten Wohnungseinbruch.
Leicht zugenommen haben bedauerlicherweise die versuchten und vollendeten Wohnungseinbrüche in Nordhessen. Sie stiegen um 105 Fälle von 810 im Jahr 2008 auf jetzt 915 Einbrüche an. "Im Vergleich etwa zum Jahr 1995, wo allein in der Stadt Kassel 1.385 Wohnungseinbrüche zu beklagen waren, sind 915 Einbrüche in ganz Nordhessen allerdings nicht im Übermaß besorgniserregend", sagt Henning. Deutlich wird es auch an der folgenden Grafik:
Grafik 4: Entwicklung des Wohnungseinbruchs in der Stadt Kassel
"Jede Straftat ist aber natürlich eine zu viel und hat bedauerlicherweise zum Teil auch traumatische Folgen für die Opfer", betont der Polizeichef aber gleichzeitig. Deshalb werde die nordhessische Polizei auch in diesem Deliktsfeld ihre Aktivitäten nochmals verstärken.
Beratung gehört zur Prävention: Fast jeder zweite Einbruch scheitert.
"Erfreulich ist bei der Analyse der Einbruchszahlen, dass nach wie vor fast jeder zweite Einbruch scheitert oder im Versuchsstadium bleibt", sagt Kripochef Hoffmann. Die Quote der gescheiterten Einbrüche liegt in Nordhessen bei 40,5 Prozent. "Die Polizei bietet allen Bürgern eine qualifizierte Beratung zur Sicherung der eigenen vier Wände an, in Kassel beispielsweise durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Polizeiladen in der Wolfsschlucht", weist Norbert Berndt, der Leiter der Polizeiabteilung, auch an dieser Stelle auf polizeiliche Serviceangebote hin. Dieser Service ist nach wie vor absolut kostenlos und kann sowohl von Haus- und Wohnungseigentümern und natürlich auch von Mietern in Anspruch genommen werden.
Präsenz und Präventionsprogramme: Weniger einfache Diebstähle.
Auch die einfachen Diebstähle gingen zahlenmäßig deutlich zurück. "Dies liegt aber nicht nur an der rückläufigen Zahl registrierter Ladendiebstähle, die nur etwa ein Drittel aller registrierten einfachen Diebstähle ausmachen. Die sinkenden Zahlen sonstiger einfacher Diebstähle sind sicherlich auch der gezielten Sensibilisierung möglicher Diebstahlsopfer durch polizeiliche Präventionsprogramme und anlassbezogene Verhaltenshinweise zu verdanken", sagt Berndt. So werde beispielsweise jeder Trickdiebstahl sofort mit Verhaltenstipps der Polizei publik gemacht, um andere potentielle Opfer zu warnen. "Auch damit nehmen wir den Tätern weitere Tatgelegenheiten" weiß Berndt durch entsprechende Verdachtsmeldungen betroffener Bürgerinnen und Bürger zu berichten. Auch die deutlich verstärkte und vor allem zum Teil auch sichtbare Polizeipräsenz durch uniformierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Volksfesten, Veranstaltungen mit großen Menschenmengen und beispielsweise auch dem Kasseler Weihnachtsmarkt trage sicherlich einen erheblichen Teil zu diesem Erfolg bei, ist der Polizeichef sicher.
Straftaten "gegen das Leben".
Die Straftaten gegen das Leben, zu denen die Deliktsfelder Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung und Abbruch der Schwangerschaft gehören, stiegen in Nordhessen von 35 auf 51 Fälle an. Zum Glück wurde die überwiegende Zahl der Opfer "nur" verletzt und erfreut sich bester Gesundheit. Vergleichsweise wenige Delikte kommen zur Vollendung. Vorangestellt sei zudem die Bemerkung, dass es sich bei der Polizeilichen Kriminalstatistik um eine sogenannte Ausgangsstatistik handelt. Das bedeutet, dass ein Delikt erst dann statistisch erfasst wird, wenn der Fall abgeschlossen ist und nach den Richtlinien bewertet werden kann. Hierbei bestätigt sich nicht immer die erste Einschätzung. Daher werden üblicherweise bei Verdacht auf Fremdeinwirkung von der Polizei "Ermittlungen in einem Tötungsdelikt" aufgenommen. Erst bei der Ausgangsanalyse erfolgt die deliktische Festlegung. Ob es dann auch zu einer Anklage unter dieser Strafrechtsnorm kommt, liegt in den Händen der anklagenden Staatsanwaltschaft und des Gerichts. Ein Beispiel, an dem diese Abläufe deutlich werden, findet sich auch bei den Tötungsdelikten des vergangenen Jahres. So wurde die vorsätzliche Tötung eines weiblichen Säugling am 9. Juli 2009 in einer Gemeinde des Landkreises Kassel von der ermittelnden Kriminalpolizei zunächst als vollendeter Totschlag an die Staatsanwaltschaft abgegeben, Die dringend tatverdächtige 22-jährige Mutter wurde allerdings mittlerweile wegen Verdachts des Mordes vor dem Kasseler Landgericht angeklagt - der Prozess dauert noch an.
Tötungsdelikte: Spektakuläre Fälle.
In Nordhessen wurden im vergangenen Jahr zwei vollendete Mordfälle in der PKS erfasst. Der Kasseler Fall ereignete sich aber bereits am 2. Mai 2008, also noch im Vorjahr, konnte aber erst im Jahr 2009 abgeschlossen und erfasst werden. "Bei dieser Tat wurde ein 63 Jahre alter Mann aus Kassel in einer Wohnung an der Erzberger Straße ermordet", berichtet Kriminaldirektor Hoffmann. Der offenbar psychisch gestörte Tatverdächtige, damals 28 Jahre alt, hatte seinen Nachbarn im Streit getötet. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, nach einem Jahr aber in die forensische Psychiatrie eingewiesen.
Twistetal-Berndorf: Vater wollte seine drei Kinder mit einem Hammer erschlagen.
Als versuchter Mord in drei Fällen wurde die Tat eines Vaters in Twistetal- Berndorf im Landkreis Waldeck-Frankenberg bewertet. Er hatte am Abend des 3. April 2009 mit einem Hammer auf seine drei schlafenden Kinder, die bei der von ihm getrennten Mutter lebten, eingeschlagen und hatte anschließend in der Annahme, seine Kinder getötet zu haben, die Flucht angetreten. Am nächsten Tag stellte er sich in Kassel der Justiz. Die Kinder wurden von Rettungskräften mit schwersten Kopfverletzungen in der Wohnung des Mannes aufgefunden und überlebten die brutale Tat ihres leiblichen Vaters. Er wurde wegen Mordversuchs in drei Fällen mittlerweile zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Schüsse am Mattenberg und auf der A 49.
Bei den als Mordversuch in 2009 erfassten Tathandlungen finden sich weitere spektakuläre Fälle, die im Raum Kassel für großes Aufsehen gesorgt haben. Dazu gehören die Pistolenschüsse in einer Gaststätte am Mattenberg am 15. August 2009, die ein damals 32 Jahre alter Mann auf zwei Gäste abfeuerte, mit denen er aufgrund einer Lappalie in Streit geraten war. Kurz vor Schließung des Lokals war der Täter in seine um die Ecke liegende Wohnung gelaufen, hatte von dort eine Schusswaffe geholt und mehrere Schüsse auf die Männer abgegeben. Beide mussten in Kasseler Krankenhäusern operiert werden und befanden sich einige Tage in Lebensgefahr. Der Täter wurde nach einer Öffentlichkeitsfahndung im Raum Lippstadt festgenommen.
Nur einen Tag später, am Sonntag, 16. August, fielen die spektakulären Schüsse an der A 49 Marburg-Kassel in Höhe der Abfahrt Kassel-Auestadion. Nach Streitereien vor einer Korbacher Diskothek waren mehrere Besucher eines Rapper-Konzerts in den frühen Morgenstunden zurück nach Kassel gefahren. An der Abfahrt Auestadion beschoss einer der Beifahrer einen mit vier Personen besetzten Mercedes der S-Klasse und verletzte dabei den Fahrer und einen hinten sitzenden Mann lebensgefährlich. "In schwierigen Ermittlungen gelang es meinen Mitarbeitern, den Tathergang weitestgehend aufzuklären und die Tatverdächtigen zu ermitteln", sagt Hoffmann. Zwei Männer wurden in Haft genommen.
Versuchter Totschlag: Messerstiche, Holzklotzwurf und absichtlicher Frontcrash.
Am gleichen Morgen wurde in der Nähe der Rathauskreuzung in Kassel ein Diskothekenbesucher, der einen Streit schlichten wollte, durch einen Messerangriff schwer verletzt. Der Täter konnte aber nur wenige Stunden später im Kasseler Klinikum gestellt werden. Er hatte sich bei der Attacke selber erheblich an den Händen verletzt und war dort zur Behandlung erschienen.
Ebenfalls als versuchter Totschlag wurde der "Holzklotzwurf" von einer Brücke der A 7 auf einen fahrenden Lastzug gewertet. Der Klotz hatte die Frontscheibe des Lkw durchschlagen, den Fahrer aber zum Glück nicht verletzt. Er konnte ohne Unfall sein schweres Fahrzeug auf der viel befahrenen Autobahn zum Stehen bringen. Sehr umfangreiche Ermittlungen des K 11 der Kasseler Kripo führten bedauerlicherweise bislang nicht zur Festnahme eines Tatverdächtigen.
Bereits am 20. März wurde ein vorsätzlich herbeigeführter schwerer Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 7 bei Helsa als versuchter Totschlag gewertet. Ein Autofahrer hatte in selbstmörderischer Absicht seinen Pkw bei hoher Geschwindigkeit in den Gegenverkehr gelenkt und war absichtlich mit einem Lkw zusammengestoßen. Beide Insassen überlebten schwer verletzt.
Sexualdelikte: Fälle sind fast überall rückläufig.
Die Zahl der in Nordhessen verübten Sexualdelikte, zu denen Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch, exhibitionistische Handlungen sowie das Ausnutzen sexueller Neigungen gehört, sind um 53 Fälle oder 8,2 Prozentpunkte zurückgegangen. Nach 832 angezeigten Straftaten in 2007 entwickelte sich der Rückgang über 646 Fälle im Jahr 2007 auf nunmehr 593 Delikte. Einen leichten Anstieg in diesem kriminologischen Themenfeld verzeichneten die "sexuelle Nötigung" mit einer Zunahme nordhessenweit um 9 Taten auf jetzt 87 Fälle und die Verbreitung pornografischer Erzeugnisse, eine Untergruppe des "Ausnutzens sexueller Neigungen" mit einem Zuwachs von 25 Fällen auf jetzt 155 erfasste Taten in Nordhessen für das Jahr 2009. In Stadt und Landkreis Kassel nahmen die Sexualdelikte noch deutlicher ab: In beiden Erfassungsbereichen registrierte die Polizei eine Abnahme um 22,8 Prozent.
Straßenkriminalität: Deutliche Rückgänge bei Straftaten, die den Menschen Angst machen.
Die Polizei verfolgt alle angezeigten Straftaten mit Engagement und Akribie. "Daran lassen wir auch keinen Zweifel aufkommen. Dennoch freut es mich besonders, wenn die Zahlen gerade auch in den Deliktsbereichen zurückgehen, die den Menschen erfahrungsgemäß besonders Angst machen", sagt Henning. "Dies ist insbesondere bei der Straßenkriminalität der Fall. Hierzu zählen unter anderem Raubüberfälle, Handtaschenraub und Diebstähle aus und von Fahrzeugen. Und wenn es uns gelingt, auch hier mit Festnahmen und Aufklärung abschreckend zu wirken, ist das umso besser", ergänzt er. "Die Straßenkriminalität hat in Nordhessen und erfreulicherweise auch im Großraum Kassel deutlich abgenommen", berichtet der Leitende Kriminaldirektor Norbert Berndt. Exakt 1.005 Fälle weniger als noch im Vorjahr waren es in Nordhessen. Dies entspricht einem Rückgang um 11,6%. Prozentual noch deutlicher sind die Rückgänge in der Stadt Kassel mit einem Minus von 12,9% (507 Fälle weniger als im Vorjahr) und im Landkreis Kassel mit einem Rückgang um 207 Fälle. Dies ergibt sogar einer Abnahme um 13,1 Prozent.
Grafik 5: Entwicklung der Straßenkriminalität
Raub in Nordhessen rückläufig; aber leichte Anstiege in Stadt und Landkreis Kassel.
Bei insgesamt leicht rückläufiger Gesamtzahl der registrierten Raubtaten in Nordhessen auf aktuell 490 Delikte fällt ein Anstieg bei den Überfallen auf Geschäfte sowie auf Spielhallen auf. "Rund 60% der Raubtaten werden bei uns geklärt, weil wir mit unserer AG Raub sehr oft und vor allem sehr schnell erfolgreich sind. Zumeist stellt sich nach Festnahme oder Ermittlung der Täter heraus, dass sie süchtig sind und Geld für Drogen brauchten", sagt Polizeipräsident Wilfried Henning. "Wenn es uns an dieser Stelle nicht gelingt, suchtkranke Täter für eine Therapie aus dem Verkehr zu ziehen, dreht sich die Spirale aus Drogensucht und Beschaffungskriminalität weiter", plädiert Henning für eine konsequente Prüfung der Haftgründe. "Oftmals haben diese Täter nur im Gefängnis eine Chance, zunächst entgiftet und dann mit Therapieangeboten aus diesem Teufelskreislauf heraus zu kommen. Das wäre sicherlich gut für die Betroffenen und für die potentiellen Kriminalitätsopfer", betont der nordhessische Polizeichef.
Weniger schwere und gefährliche, aber mehr leichte Körperverletzungen
Die Zahl der in Nordhessen erfassten vorsätzlichen Körperverletzungsdelikte ist leicht um 1,0 Prozent von 4.130 auf 4.171 Taten angestiegen. Erfreulich an der Gesamtzahl ist nur, dass die gefährlichen und schweren Körperverletzungen um 4,7% zurückgingen, die leichten hingegen um 4,9% zunahmen. Eine Körperverletzung mit Todesfolge ereignete sich in 2009 nicht. Die Zahl der in der Stadt Kassel verübten Körperverletzungen blieb mit insgesamt 1.587 exakt auf dem Stand des Vorjahres. Erfreulich aber auch hier, dass der Anteil der schweren und gefährlichen Körperverletzungen um 8,3% zurückging. Erfreulich ist die Entwicklung im Landkreis Kassel, wo die Körperverletzungen insgesamt um 30 Fälle oder 4,3% abnahmen. Auch hier gab es weniger schwere oder gefährliche Körperverletzungen und nur eine ganz geringe Zunahme der leichten Körperverletzungen um 2 angezeigte Delikte.
Kriminalität "Rund ums Auto" geht weiter zurück; Deutlich weniger Autoaufbrüche und Autodiebstähle ....
Die Kriminalität "rund ums Auto" ist weiter auf dem Rückzug. Nicht nur für den gesamten nordhessischen Zuständigkeitsbereich betrachtet, sondern auch insbesondere im urbanen Zentrum, der Stadt Kassel und dem Landkreis. Die Resultate erfolgreicher Polizeistrategie zeigen sich deutlich beim Rückgang der Autoaufbrüche: Sie nahmen in Nordhessen von 2.367 um 587 Taten auf 1.780 Delikte im vergangenen Jahr ab.
Grafik 6: Die Entwicklung beim Pkw-Aufbruch von 2005 bis 2009
Dies entspricht einem Rückgang von 24,8%. Auch die Diebstähle kompletter Fahrzeuge gingen deutlich um 12,8 Prozent zurück. "Wo immer wir auch nur im Ansatz einen möglichen neuen Brennpunkt vermuten konnten, sind wir mit zivilen und uniformierten Kräften, zum Teil auch mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei, sofort eingestiegen", sagt Oberrat Papenfuß als Leiter der PD Kassel. "Die schnelle polizeiliche Reaktion ist entscheidend und verunsichert die Täter", fügt der Direktionsleiter an.
Vermögensdelikte wieder leicht gestiegen, aber immer noch deutlich geringer als 2007 und davor.
Die Zahl der im vergangenen Jahr in Nordhessen verübten Vermögens- und Fälschungsdelikte ist gegenüber dem Vorjahr wieder leicht angestiegen, liegt aber immer noch - zum Teil deutlich - unter den Werten der ersten Jahre dieses Jahrzehnts. Waren es im Jahr 2008 noch insgesamt 11.172 Delikte, die einen langjährigen Tiefststand bei diesen Tatbeständen bedeuteten, wurden in 2009 genau 11.310 Straftaten dieser Obergruppe in Nordhessen verübt. Erheblich zugenommen haben die Wirtschaftsstrafsachen, die in Nordhessen von 259 Fällen in 2008 auf jetzt 760 Taten (+501 Strafsachen) anstiegen sowie die Betrugsfälle (+493 Taten) und das Schwarzfahren, im Polizeideutsch Leistungserschleichung (+427 Delikte). Deutliche Rückgänge verzeichneten u.a. der Leistungsbetrug (-145), der Betrug mit unbaren Zahlungsmitteln unter Einsatz einer PIN (-93), die Veruntreuung (-70), Unterschlagung (-138) und die Geld- und Wertzeichenfälschung (-146 Fälle). Von den enorm gestiegenen Wirtschaftstrafsachen wurden allein 415 in zwei Verfahren des Zentralkommissariats 20 in Kassel bearbeitet. Eines mit 218 Fällen aus dem Jahr 2008, das erst im vergangenen Jahr abgeschlossen und an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden konnte. Das zweite Verfahren beinhaltete insgesamt 197 Straftaten. Beide Großverfahren liefen wegen Verstößen gegen das Markengesetz. Die Beschuldigten vertrieben über Handelsplattformen im Internet Plagiate bekannter Markenhersteller.
Politisch motivierte Kriminalität: 258 Straftaten.
Die Anzahl der politisch motivierten Straftaten (Politisch motivierte Kriminalität - PMK) ist in Nordhessen gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Diese Straftaten sind keine Größe der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und werden gesondert vom Hessischen Landeskriminalamt erhoben und herausgegeben. Aufgrund ihrer Bedeutung wollen wir natürlich aber auch an dieser Stelle darauf eingehen. 258 Delikte, hinter denen die Ermittler der nordhessischen Polizei eine politische Motivation oder einen ausländerfeindlichen Hintergrund feststellen konnten, wurden im vergangenen Jahr nordhessenweit von der Polizei oder von Bürgern zur Anzeige gebracht. Im Jahr 2008 waren es noch 209 Delikte. Genau 86 Fälle wurden in 2009 geklärt (33,3%).
Auf die PMK Rechts entfielen 179, auf die PMK Links 34 und auf die PMK Ausländer 8 Straftaten. Von den gesamten Taten blieben 37 ohne Zuordnung der Richtung. Diese Steigerung der PMK-Zahlen gegenüber dem Vorjahr ist zum einen auf die zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung und zu einem anderen Teil auf die Aktivitäten und die intensive polizeiliche Verfolgung der strafrechtlich relevanten Handlungen der sogenannten Freien Kräfte Schwalm-Eder (FKSE) im Bereich der zum PP Nordhessen gehörenden Polizeidirektion Schwalm-Eder zurückzuführen. Wichtig bei der Betrachtung der Gesamtzahl ist die Berücksichtigung des Umstandes, dass nach wie vor der ganz überwiegende Teil der politisch motivierten Kriminalität auf sogenannte "Propaganda-Delikte" entfällt. Darunter fallen beispielsweise Sachbeschädigungen, bei denen ein verbotenes Symbol auf ein Objekt aufgesprüht wurde, verbotene Begriffe gerufen oder indizierte Musikstücke gespielt wurden. Lediglich 10 der insgesamt 258 erfassten Delikte waren sogenannte Gewaltdelikte, überwiegend Körperverletzungen. Von den insgesamt 258 registrierten Straftaten entfielen auf Stadt und Landkreis Kassel 87 (Vorjahr 96) Taten, auf den Schwalm-Eder-Kreis 112 (Vorjahr 67), auf den Landkreis Waldeck-Frankenberg 40 (30) und den Werra-Meißner-Kreis 19 (16).
Ein Blick auf die Entwicklung und die polizeiliche Strategie im Schwalm-Eder-Kreis.
Am bedeutsamsten bei der Betrachtung der Entwicklung der PMK ist für das vergangene Jahr in Nordhessen sicherlich der Blick auf den Schwalm-Eder-Kreis und die Aktivitäten der Freien Kräfte Schwalm-Eder (FKSE). Die Steigerung der Fallzahlen bei der politisch motivierten Kriminalität im Berichtsjahr im Schwalm-Eder-Kreis ist nahezu ausschließlich auf die Aktivitäten der FKSE zurückzuführen. Zu den FKSE werden derzeit etwa 30 Rechtsextremisten gerechnet. Seit Mai 2008 begingen Angehörige der FKSE, neben häufigen Klebe- und Sprühaktionen, auch Straftaten von besonderer Bedeutung, die in Qualität und Verwerflichkeit stetig zunahmen. Zu nennen sind insbesondere der Überfall auf Gäste eines Jugendclubs in Todenhausen, der vereitelter Angriff auf eine Demonstration in Schwalmstadt sowie der Angriff auf ein 13-jähriges, schlafendes Mädchen in einem Zeltlager am Neuenhainer See bereits im Jahr 2008. In Folge von Täterfestnahmen und Wohnungsdurchsuchungen im Juli 2008 aus Anlass der genannten Straftaten, ließen die Aktivitäten der FKSE zunächst stark nach. Ende des Jahres 2008 mehrten sich Übergriffe von Aktivisten der Antifa auf Rechtsextremisten sowie deren Umfeld. Im Verlauf des Jahres 2009 wurde daraufhin ein erneuter Anstieg von Straftaten registriert, die durch Rechtsextremisten begangen wurden. Die dabei schwerwiegendsten Delikte, bei denen auch Polizeibeamte, in einem Falle schwer, verletzt wurden. waren Körperverletzungen zum Nachteil von Besuchern einer Gaststätte in Treysa, von Kirmesbesuchern in Borken-Arnsbach und Schwalmstadt-Dittershausen. Um diesem Kriminalitätsphänomen effektiv und nachhaltig zu begegnen, wurde bereits im November 2008 eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) mit der Arbeitsbezeichnung "BAO Mitte" bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder eingerichtet. Wobei der Name zugleich sozusagen Ausdruck des Programms ist und das Ziel der polizeilichen Intervention zum Ausdruck bringt, diese Gruppierung möglichst wieder in die Mitte der Gesellschaft zurück zu holen. Das dazu konzipierte Maßnahmenbündel ist breit gefächert. Neben einer konsequenten Strafverfolgung betreibt die Polizei personalintensive Maßnahmen im Bereich der Gefahrenabwehr, wozu auch Einsatzkräfte der Hessischen Bereitschaftspolizei bei Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen regelmäßig zum Einsatz kommen. Durch sogenannte Gefährderansprachen nehmen Polizeikräfte regelmäßig und/oder anlassbezogen unmittelbaren Kontakt zu Aktivisten der FKSE auf, um dadurch bereits im Vorfeld (z.B. von öffentlichen Veranstaltungen) delinquentes Verhalten zu unterbinden.
Parallel zu den Ermittlungs- und Einsatzmaßnahmen ist die Polizei an kommunalen Präventionsmaßnahmen auf Gemeinde- und Landkreisebene beteiligt, die aus Anlass der Aktivitäten der FKSE initiiert oder intensiviert wurden.
Anteil junger Tatverdächtiger unter 21 leicht gesunken.
In Nordhessen ist erfreulicherweise der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren gegenüber 2008 um 1,1 Prozentpunkte von 26,9% auf 25,8% gesunken. Für 2008 war das bedauerlicherweise der hessische Spitzenwert, dicht gefolgt von drei anderen hessischen Regionen. Diese prozentuale Verbesserung bedeutet gleichzeitig, dass genau diese Regionen nun hinter Nordhessen rangieren. Ganz erfreulich dabei ist der Umstand, dass gerade die Zahl der tatverdächtigen Kinder (bis 14 Jahre) und auch die der Jugendlichen (14-18 Jahre) in der nordhessischen Region recht deutlich zurückgegangen ist. Leicht angezogen hat der Anteil der sogenannten Heranwachsenden (18 bis 21) am Straftatenaufkommen aller Tatverdächtigen. Die absolute Zahl der ermittelten Tatverdächtigen der bis 21-jährigen Tatverdächtigen blieb in Nordhessen mit 20.565 (2008: 20.562) allerdings nahezu konstant. Leicht rückläufige Zahlen bei den Tatverdächtigen unter 21 Jahren haben wir erfreulicherweise im vergangenen Jahr auch in der Stadt Kassel (-138) und im Landkreis Kassel (-62) festgestellt.
Häufigkeitszahl: Stadt Kassel erneut verbessert.
Sehr oft wird die sogenannte Häufigkeitszahl dazu herangezogen, die Kriminalitätsbelastung einer Stadt oder einer Region darzustellen. Die Häufigkeitszahl ist dabei eine Berechnungsgröße, die die Anzahl der registrierten Straftaten -hoch- oder herunter gerechnet - pro 100.000 Einwohner wieder gibt. Sie ohne Prüfung weiterer Kriterien für ein Urteil heran zu ziehen, erweist sich in vielen Fällen aber als problematisch. So hat beispielsweise ein Doppelmord an einem Ehepaar in einer kleinen hessischen Gemeinde vor vielen Jahren die Häufigkeitszahl dieser Ortschaft im Deliktsfeld Mord auf einen Wert schnellen lassen, den in dem Jahr noch nicht einmal die Weltstadt New York aufzuweisen hatte. Schwierig im Vergleich sind auch Großstädte und ihr eher ländlich geprägtes Umfeld. Mehr Gelegenheiten für kriminelles Handeln bietet immer der urbane Raum mit seinen Kneipen, Diskos, Großveranstaltungen usw. "Die Stadt ist der Anziehungspunkt auch für das Umland. Deshalb ist es auch problematisch, die Häufigkeitszahl für die Stadt Kassel, die gegenüber dem Vorjahr von 11.773 erneut leicht auf 11.636 gesunken ist, ohne Kommentierung im Raum stehen zu lassen", sagt Polizeipräsident Henning.
Grafik 7: Vergleich Häufigkeitszahlen mit "Region Kassel" (Speckgürtel)
"Meines Erachtens muss man für eine seriöse Betrachtung eines
Kriminalitätsraumes auch die unmittelbar angrenzenden Gemeinden mit
ihren Fallzahlen und den Einwohnern einbeziehen", ergänzt er. "Wenn
Sie an den Stadtrand gelangen, würden Sie doch gar nicht merken, dass
Sie schon in Baunatal oder Vellmar sind, wenn nicht ein Ortsschild
darauf hinweisen würde", verdeutlicht der Polizeichef seine These.
Berechne man diesen "Speckgürtel", zu dem neben den Städten Baunatal
und Vellmar auch die Gemeinden Lohfelden, Kaufungen, Fuldatal,
Niestetal und Fuldabrück gehören, in die Häufigkeitszahl der Stadt
Kassel mit ein, ergebe sich ein Wert von 9.076. "Das ist ein
realistischer Wert, der der Häufigkeitszahl vergleichbarer Großstädte
entspricht", sagt Henning. Die Grafik Nr. 7 verdeutlicht dies
anschaulich. Auch dieser Wert hat sich gegenüber 2008 verbessert. Vor
Jahresfrist betrug diese fiktiv errechnete Häufigkeitszahl für den
"Kriminalitätsraum Kassel" noch 9.213.
Beispiele: Arbeit, die sich nicht in der Kriminalstatistik niederschlägt.
Nicht alles, was Polizei macht, schlägt sich auch in der PKS nieder. "Es gibt viele Arbeitsfelder, in denen enorm viel Aufwand drin steckt, deren Zahlen sich in der Kriminalstatistik aber nicht wiederfinden". Henning nennt Beispiele:
18.900 von der Polizei aufgenommene Verkehrsunfälle,
894 Vermisstenfälle,
27.579 Stunden Fußstreifen,
ca. 250.000 Notrufe,
260 Verhaltensberatungen mit insgesamt rund 6.000 teilnehmenden Personen,
ca. 14.900 überprüfte Fahrzeuge im gewerblichen Güter- und Personenfernverkehr,
17.971 Stunden Fußstreifen mit Diensthund,
379 ausführliche Beratungstermine im Polizeiladen,
350 überprüfte Gefahrguttransporte,
950 bearbeitete Leichensachen,
298 kriminalpolizeiliche Beratungen vor Ort beim Bürger,
2.546 schriftliche Pressemeldungen.
Polizeipräsident Wilfried Henning: "Wir sind auf dem richtigen Weg"
"Mit den Resultaten unserer Arbeit bin ich zufrieden und wünsche mir, dass die nordhessische Polizei diesen Weg zu weniger Kriminalität und noch höheren Aufklärungsquoten konsequent fortsetzen kann", sagt Polizeipräsident Wilfried Henning. "Wir sind auf dem richtigen Weg, haben gute Konzepte und eine hoch motivierte Mannschaft", lobt Henning seine Mitarbeiter. Wichtig sei dabei auch, dass die Menschen zu ihrer Polizei stehen, sie unterstützen und Gewalt gegen Polizeibeamte konsequent geächtet werde. "Der Respekt gegenüber Mitmenschen ist in unserer Gesellschaft gesunken. Dies spüren auch meine Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Arbeit auf der Straße jeden Tag", sagt der Polizeichef. "Politisch verantwortliche Menschen dürfen niemals Gewalt gegen Polizeibeamte hinten herum mit gesellschaftlichen Bedingungen quasi entschuldigen, wie es in den Großstädten Deutschlands manchmal geschieht", mahnt der Präsident. "Damit liefern wir den Tätern nur eine vermeintliche Rechtfertigung für ein zu verurteilendes Handeln", ergänzt er abschließend.
Kriminalrat Wolfgang Jungnitsch Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel Tel.: 0561 / 910 - 1008
ots Originaltext: Polizeipräsidium Nordhessen
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