LKA-HE: Betrüger setzen Schadsoftware für Datendiebstahl ein Polizei und BSI warnen vor Identitätsdiebstahl
Wiesbaden (ots) - Die Pressemittelung des Programms polizeiliche Kriminalprävention wird Ihnen zur Kenntnis gegeben. Stuttgart/Bonn - Identitätsdiebstahl und Identitätsmissbrauch haben sich als kriminelles Betätigungsfeld etabliert. Dabei ist das "klassische" Phishing, bei dem PC-Nutzer mittels Links in E-Mails auf betrügerische Webseiten gelockt werden, kaum noch zu beobachten. Angreifer nutzen stattdessen fast ausschließlich Trojanische Pferde, um persönliche Daten abzufangen. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigen, wie sich Bürger vor Identitätsdiebstahl und Identitätsmissbrauch schützen können.
"Die Methoden der Kriminellen werden immer raffinierter - das macht es für Nutzer oft schwer, sich vor Angriffen zu schützen", sagt Prof. Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg. Bis vor einiger Zeit versuchten Betrüger ihre Opfer mit täuschend echt aufgemachten E-Mails dazu zu veranlassen, über einen Link vermeintliche Internet-Seiten, beispielsweise von Banken, aufzurufen. Dort sollten Zugangsdaten oder Passwörter eingegeben werden - aus Sicherheitsgründen, zur Bestätigung oder um Datenabgleiche auszuführen. Tatsächlich landeten die Kunden auf Internet-Seiten, über die PIN und TAN abgefischt wurden.
Der kürzlich erschienene "Lagebericht der IT-Sicherheit in Deutschland 2011" des BSI zeigt, dass diese Form des Phishing nur noch selten vorkommt. Vielmehr nutzen die Täter mittlerweile fast ausschließlich Trojanische Pferde, die unbemerkt auf den Rechnern der Opfer platziert werden. Auf diese Weise lesen sie die Eingaben des Computerbesitzers bei Anmeldevorgängen oder Transaktionen direkt mit oder sie durchsuchen die Dateien auf dem Rechner nach bestimmten Stichwörtern. Anschließend erfolgt die Übermittlung der gefundenen Daten an so genannte Dropzones im Internet. Eine BSI-Auswertung exemplarischer Dropzone-Datensätze aus dem Jahr 2010 zeigt, dass es Tätern besonders häufig gelang, an Zugangsdaten für deutsche Anbieter von Webmail-Diensten sowie für weit verbreitete Handelsplattformen zu gelangen. BSI-Präsident Michael Hange: "Diese Identitäten lassen sich beim anschließenden Missbrauch nicht nur mittelbar zu Geld machen, sie bergen darüber hinaus weiteres erhebliches Schadenspotenzial. Gerade das E-Mail-Konto stellt bei vielen Nutzern den zentralen Vertrauensanker für viele andere Aktivitäten im Internet dar, sodass darüber leicht weitere Zugangsdaten erlangt werden können." Gestohlene Identitäten für Handelsplattformen bieten darüber hinaus eine ideale Grundlage für betrügerische Kauf- und Verkaufstransaktionen.
Aber wie kommen die Trojanischen Pferde auf den PC der Internetnutzer? Die Hauptinfektionsquelle sind so genannte Drive-By-Exploits, also die automatisierte Ausnutzung von Sicherheitslücken. Dabei wird ein Rechner quasi im "Vorbeisurfen" infiziert. Beim Betrachten einer Webseite werden Schwachstellen im Browser, in Browser-Plugins oder im Betriebssystem ausgenutzt, um Schadsoftware - wie eben Trojanische Pferde - unbemerkt auf dem PC zu installieren. Aber auch mit E-Mails versendete Dateianhänge können den Computer mit Trojanischen Pferden infizieren.
So können sich PC-Nutzer vor Identitätsdiebstahl und Identitätsmissbrauch schützen:
- Setzen Sie eine Firewall und Virenschutzsoftware ein und bringen
Sie diese regelmäßig auf den aktuellen Stand. Achten Sie darauf,
dass Sie auch beim Betriebssystem und bei anderen von Ihnen
eingesetzten Programmen (wie z.B. Adobe Reader, Flash etc.) vom
Hersteller bereitgestellte Sicherheitsupdates zeitnah
installieren oder nutzen Sie automatische Update-Dienste. - Öffnen Sie niemals ungeprüft Dateianhänge von E-Mails. Ganz
gleich, ob es sich um scheinbar ungefährliche Dateien wie
Bilder, Dokumente oder sonstige Dateien handelt. Wenn Sie
unsicher sind, fragen Sie sicherheitshalber beim Absender nach. - Oft verraten sich virenbehaftete E-Mails durch einen Betreff,
der den Adressaten neugierig machen soll (z. B. mit Begriffen
aus dem Erotikbereich, zu aktuellen Promi-Skandalen oder
Katastrophen). - Seien Sie misstrauisch, wenn Sie E-Mails von angeblichen
Bekannten ohne oder mit fremdsprachigem Betreff erhalten. Wenn
Sie solche E-Mails unaufgefordert erhalten, sollten Sie diese
sofort löschen. - Seien Sie besonders kritisch bei ausführbaren Programm-Dateien
mit den Endungen .exe, aber auch .bat, .com oder .vbs und
insbesondere bei doppelten Dateiendungen wie .doc.exe. Damit der
Dateityp zu sehen ist, sollten Sie die Standardkonfiguration
ihres Rechners entsprechend ändern (im Windows-Explorer unter
"Extras - Ordneroptionen - Ansicht - Erweiterte Einstellungen -
Dateien und Ordner" das Häkchen vor "Erweiterungen bei bekannten
Dateitypen ausblenden" entfernen). - Stellen Sie die Sicherheitseinstellungen Ihres E-Mail-Programms
so ein, dass kein Script automatisch ausgeführt wird. - Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Geschäftspartner, wenn Sie
befürchten, dass Sie einem Phishing-Angriff zum Opfer gefallen
sind! Die für Sicherheitsfragen zuständigen Mitarbeiter können
den Vorfall verfolgen und prüfen, ob Schaden entstanden ist.
Falls tatsächlich bereits Summen unberechtigt überwiesen worden
sind, so wenden Sie sich bitte umgehend an die Polizei. - Obgleich klassisches Phishing immer weniger zu beobachten ist:
Vermeiden Sie es, auf Links in unaufgefordert zugesandten
E-Mails zu klicken. Diese können zu gefälschten oder infizierten
Webseiten führen. Aktivieren Sie den Phishing-Schutz in Ihrem
Webbrowser. - Kreditinstitute fordern grundsätzlich keine vertraulichen Daten
per E-Mail oder per Telefon von Ihnen an. Auch der Kontostand
sowie Kontobewegungen sollten regelmäßig kontrolliert werden. So
kann man schnell reagieren, falls ungewollte Transaktionen
stattgefunden haben. Diese Pressemitteilung sowie weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.polizei-beratung.de/presse.
Ausführliche Informationen zum Thema Identitätsdiebstahl und Identitätsmissbrauch finden Sie unter www.bsi-fuer-buerger.de
Der Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland 2011 steht zum Download unter https://www.bsi.bund.de/ContentBSI/Publikationen/Lageberichte/bsi-lageberichte.html bereit.
Profil Programm Polizeiliche Kriminalprävention Das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) verfolgt das Ziel, die Bevölkerung, Multiplikatoren, Medien und andere Präventionsträger über Erscheinungsformen der Kriminalität und Möglichkeiten zu deren Verhinderung aufzuklären. Dies geschieht unter anderem durch kriminalpräventive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und durch die Entwicklung und Herausgabe von Medien, Maßnahmen und Konzepten, welche die örtlichen Polizeidienststellen und andere Einrichtungen z.B. Schulen in ihrer Präventionsarbeit unterstützen.
Profil Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist der zentrale IT-Sicherheitsdienstleister der Bundesregierung. In dieser Funktion gestaltet das BSI die IT-Sicherheit in der Bundesverwaltung operativ mit. Als neutrale und unabhängige Stelle befasst sich das BSI mit allen Fragen zur IT-Sicherheit in der Informationsgesellschaft. Insbesondere die Sensibilisierung und Aufklärung von Bürgern, die Kooperation mit der Wirtschaft und Wissenschaft bilden hierbei Arbeitsschwerpunkte. Ziel der Arbeit ist der sichere Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik in unserer Gesellschaft.
Hessisches Landeskriminalamt Pressestelle Siegfried Wilhelm Telefon: (0611) 83-1020 oder -1021 Fax: (0611) 83-1025 oder -1026 E-Mail: pressestelle.hlka@polizei.hessen.de http://www.polizei.hessen.de

