POL-GI: Polizeiliche Kriminalstatistik 2009 für den Landkreis und die Stadt Gießen veröffentlicht
Gießen (ots) - Polizeiliche Kriminalstatistik 2009 für den Landkreis und die Stadt Gießen veröffentlicht
- Weiterer Straftatenrückgang bei hoher Aufklärungsquote - zum zweiten Mal in Folge deutlich unter 10.000 Straftaten in der Stadt Gießen - Maßnahmen aus Projekt Sicheres Gießen erfolgreich fortgeführt
Stadt und Landkreis Gießen - Mit einem Minus von 850 Straftaten (-5,3%) konnte im Jahr 2009 im Landkreis Gießen (inkl. der Stadt Gießen) ein weiterer Rückgang der Fallzahlen auf 15.175 Delikte erzielt werden. Die Aufklärungsquote liegt mit 59,8% über dem Landesdurchschnitt. "In der Stadt Gießen gelang es im vergangen Jahr die Fallzahlen um 215 Delikte zu senken. Mit 9.266 Taten (-2,3%) liegen sie noch deutlicher unter 10.000 Straftaten, als in 2008, wo erstmals nach mehr als 15 Jahren diese Marke unterschritten wurde. Auch bei der Aufklärungsquote konnte mit einem Wert von 62,2% die erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahre bestätigt werden", verkündete Manfred Schweizer bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. "Durch die Fortführung der im Rahmen des Projektes "Sicheres Gießen" begonnenen erfolgreichen Maßnahmen ließ sich der bereits erzielte Erfolg noch weiter ausbauen. Insbesondere wurde auch der problematische Anstieg bei den Körperverletzungsdelikten in der Stadt Gießen gestoppt. Die Anzahl dieser Straftaten hat sich um ein Fünftel auf 657 verringert", so der Polizeipräsident.
Im Landkreis ist die Gewaltkriminalität im Jahr 2009 um mehr als 10% auf 578 Delikte zurückgegangen; dazu zählen Straftaten gegen das Leben, Vergewaltigung, Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung. Vergewaltigungen wurden 22 (+5) und Raubdelikte 123 (+6) registriert. Hingegen sanken die Straftaten gegen das Leben um 12 Fälle von 31 auf 19. Mit 66 Taten weniger waren die gefährlichen und schweren Körperverletzungen auf 425 Fälle deutlich rückläufig. Die Aufklärungsquote liegt bei der Gewaltkriminalität bei 78,9%.
"Innerhalb der Stadt Gießen stellt sich dabei der Rückgang der Gewaltkriminalität mit einem Minus von 18,2% (68 Fälle) auf jetzt 306 Fälle noch deutlicher dar. Dazu zählen auch 84 Raubdelikte und 14 Vergewaltigungsfälle. Straftaten gegen das Leben gingen von 19 auf 10 Fälle zurück und bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen beträgt der Rückgang sogar 25,8% (72 Delikte weniger) auf nun 207 Fälle", erläuterte der Leiter der Regionalen Kriminalinspektion Kriminaloberrat Gerd Krapf. Unter diesen Fallzahlenrückgang sind auch die Körperverletzungsdelikte auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu rechnen. "Diese Delikte standen im besonderen Fokus des Projektes Sicheres Gießen. Es ist besonders erfreulich, dass wir gerade in diesem Deliktsfeld weitere Erfolge erzielen konnten", hob Krapf hervor.
Die Diebstahlskriminalität ging im Landkreis um 262 auf 5.687 Delikte zurück. Jede dritte Tat wurde aufgeklärt. Um 320 Taten ist der einfache Diebstahl auf 3.437 Delikte zurückgegangen, die Aufklärungsquote sank leicht auf 45,5%. Bei den Fallzahlen des Diebstahls unter erschwerenden Umständen ist hingegen ein geringfügiger Anstieg um 58 Taten auf 2.250 Delikte festzustellen. Gleichzeitig konnte jedoch die Aufklärungsquote auf 15,8% leicht gesteigert werden. Der Anstieg der Fallzahlen in diesem Bereich ist unter anderem auf eine erhöhte Anzahl an Wohnungseinbrüchen zurückzuführen. Mit 322 Taten waren es 73 mehr als im Vorjahr. "Die Taten verteilen sich über weite Teile des Landkreises; betroffen sind insbesondere Orte, die entlang der Autobahnen liegen", erklärte der Kripochef. Der Leiter der Polizeidirektion Gießen, Polizeidirektor Karl Jakobi, führte an, dass es sich bei der Zunahme der Wohnungseinbrüche um ein direktions- und präsidiumsübergreifendes Phänomen handelte. Insbesondere ab etwa Herbstbeginn sei die Zahl der Wohnungseinbrüche auch im Landkreis Gießen stark angestiegen. "Die Polizei hat darauf sofort mit gezielten Kontrollmaßnahmen durch uniformierte als auch zivile Kräfte reagiert", ergänzte Jakobi. Seit Ende des Jahres sind die Fallzahlen im Bereich des Wohnungseinbruches auch wieder rückläufig. Etwa jeder fünfte Wohnungseinbruch konnte im vergangen Jahr aufgeklärt werden. Die Ermittlungen und die Spurenauswertungen zu vielen Taten dauerten noch an, so dass mit einer Aufklärung weiterer Taten noch zu rechnen sei. Die Kraftfahrzeugdiebstähle unter erschwerenden Umständen sind geringfügig um zwei Taten auf 39 Delikte und die schweren Diebstähle aus Kraftfahrzeugen um 37 Taten auf 378 Delikte gestiegen.
> Baustellendiebstähle halbiert <
"Auffällig ist der sehr deutliche Rückgang von Diebstählen im Bereich von Baustellen. Die Delikte haben sich von 130 auf 68 fast halbiert. Neben polizeilichen Ermittlungserfolgen ist diese Entwicklung auch durch den Preisrückgang des Metallpreises sowie die Fertigstellung von Großbaustellen bedingt. Erfreuliche Begleiterscheinung dieser Entwicklung ist, dass damit auch die zahlreichen Diebstähle von Metallgegenständen an Privathäusern oder sogar auf Friedhöfen der Vergangenheit angehören dürften", erläuterte Polizeidirektor Jakobi
Im Stadtgebiet Gießen ist die Diebstahlskriminalität mit 3.603 Taten und einem Minus von 21 Delikten fast unverändert geblieben. Die Aufklärungsquote blieb ebenfalls stabil bei 39,2%. Die einfachen Diebstähle sind um 158 Taten auf 2.323 Fälle zurückgegangen. Jede zweite Tat wurde aufgeklärt. Beim Diebstahl unter erschwerenden Umständen ist hingegen ein Anstieg der Fallzahlen um 137 auf 1.280 Fälle zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote konnte jedoch von 16,1% auf 18,3% gesteigert werden. Dabei hat sich auch im Stadtgebiet der Anstieg der Wohnungseinbrüche um 42 Delikte auf 165 ausgewirkt. "Diese Entwicklung kann unter anderem auf eine Gruppe Jugendlicher zurückgeführt werden, die im Laufe des Jahres 2009 zahlreiche Einbrüche in Wohnungen, Geschäfte, Schulen und Kindergärten begangen hatte", führte Kriminaloberrat Krapf an. Die Täter konnten überführt werden und die Haupttäter sind bereits alle im vergangenen Jahr zu Freiheitsstrafen von zusammengerechnet mehr als 22 Jahren verurteilt worden.
> Polizeipräsident: Bürgerinnen und Bürger beherzigen immer mehr polizeiliche Ratschläge im Umgang mit Debitkarten <
Die Vermögens- und Fälschungsdelikte stiegen im Landkreis um 60 Taten auf 3.193 Fälle. Innerhalb der Stadt Gießen ist dieser Anstieg mit einem Plus von 135 Delikten auf 2.050 noch etwas stärker ausgeprägt. Auffällig sind in dieser Deliktsgruppe der kreisweite Anstieg von Warenkreditbetrugsdelikten um 81 Fälle auf 521 und der Anstieg der Leistungserschleichungen um 249 auf 754 Fälle. "Dieser enorme Anstieg ist durch verstärkte Kontrollmaßnahmen der Verkehrsbetriebe bedingt, der somit auch den Gesamtanstieg der Fallzahlen bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten erklärt", wie Jakobi weiter erläuterte. Urkundenfälschungen sind erkennbar um 36,3% auf 151 Taten rückläufig. Aus polizeilicher Sicht besonders erfreulich ist der weitere deutliche Rückgang der Betrugsdelikte mit Debitkarten um über 30%. "Die Bürgerinnen und Bürger beherzigen die polizeilichen Ratschläge bezüglich des sorgsamen Umgangs mit diesen Karten. Auch die vermehrte Anwendung des Zahlungsverfahrens mit PIN durch die Geschäftsinhaber zeigt hier seine positive Wirkung", lobte Polizeipräsident Schweizer.
Die Sachbeschädigungen im Landkreis sind um 216 Delikte auf 1.569 zurückgegangen. Insbesondere ist ein deutlicher Rückgang der Sachbeschädigungen an Fahrzeugen festzustellen. Im vorangegangenen Jahr hatten mehrere Serien für einen Anstieg der Fallzahlen gesorgt. Die Sachbeschädigungen durch Graffiti nahmen um 90 Fälle zu. "Hier konnten Anfang 2009 die Ermittlungen gegen zwei Gruppierungen, die für zahlreiche Straftaten verantwortlich waren, erfolgreich abgeschlossen werden. Derzeit laufen Ermittlungen gegen eine weitere Gruppierung, der zahlreiche Fälle im Stadtgebiet Gießen vorgeworfen werden", berichtete Polizeidirektor Jakobi.
> 42 Kilogramm Marihuana, ein Kilo Heroin und Schusswaffe sichergestellt <
Rauschgiftdelikte wurden im vergangenen Jahr kreisweit mit 592 Fällen 36 Taten weniger registriert. Mehrere Sicherstellungen von Rauschgift waren die Folge meist umfangreicher Ermittlungen. So konnten im Juli 2009 im Rahmen einer größeren polizeilichen Aktion 42 kg Marihuana dem Rauschgiftmarkt entzogen werden. Bei weiteren Maßnahmen wurden unter anderem mehr als ein Kilogramm Heroin, größere Mengen Bargeld sowie eine scharfe Schusswaffe sichergestellt. Die Ermittlungen richteten sich gegen mehr als 30 Personen, von denen acht Personen inhaftiert wurden. In 2009 sind im Landkreis Gießen zwei Personen im Zusammenhang mit Rauschgiftfolgen verstorben. Dies stellt einen deutlichen Rückgang dar, im Vorjahr waren 10 Tote zu verzeichnen.
Bei der Zusammensetzung der 7.098 Tatverdächtigen (Vorjahr: 7.297) zeigen sich Verschiebungen bei der Altersstruktur. Der Anteil der Kinder ist mit 3,5% (= 251 Tatverdächtige) rückläufig. Im Vorjahr waren es 3,7%. Hingegen ist der Anteil bei den Jugendlichen mit 12% (= 851) um ein Prozent und bei den Heranwachsenden mit einem Anteil von 10,8% (= 694) um 1,3% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist mit 1.668 gegenüber dem Vorjahr von 24,6% auf 23,5% zurückgegangen.
Willi Schwarz Pressesprecher
ots Originaltext: Polizeipräsidium Mittelhessen
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