POL-KI: 100309.2 Plön: Kriminalstatistik 2009: Einbrüche in privaten Wohnraum gebremst - Leichter Anstieg der Straftaten im Diebstahlsbereich
Plön (ots) - Die Zahl der Straftaten ist im Jahr 2009 im Kreis Plön um 2,8 Prozent, das sind 227 Taten, auf 8.227 erfasste Delikte leicht gestiegen. Dieser Zuwachs der Kriminalitätsrate ist stärker als im gesamten Land Schleswig-Holstein, mit einem Anstieg von einem Prozent. Die Aufklärungsquote ist um 0,8 Prozentpunkte gestiegen, die Polizei Plön klärte 3906 Taten auf, fast die Hälfte aller Straftaten. Die Aufklärungsquote liegt mit 47,5 Prozent leicht unter dem Landesdurchschnitt von 49,2 Prozent.
Polizeichef Werner Tanck zeigte sich bei der Vorstellung der Jahresstatistik größtenteils zufrieden: "Dass wir 2,8 Prozent mehr Straftaten registriert haben, ist natürlich unerfreulich. Ziel unserer polizeilichen Arbeit muss es sein, das Deliktsfeld der schweren Diebstahlskriminalität weiter zu bekämpfen. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigt die erfreuliche Entwicklung im Kampf gegen die Einbruchstaten in privaten Wohnraum. Der Trend konnte gestoppt werden, wir haben rückläufige Zahlen. Die leicht ansteigende Aufklärungsquote spricht für eine Fortsetzung und Weiterentwicklung der Qualitätsoffensive bei der Bearbeitung dieser Bereiche."
Gesamtkriminalität Die Gesamtkriminalität im Kreis Plön wird ganz entscheidend von der Diebstahlskriminalität geprägt, hier fallen 45,3 Prozent der Straftaten an, gefolgt von Sachbeschädigungen mit 15,7 Prozent, Vermögens- und Fälschungsdelikte weisen14,4 Prozent auf. Danach folgen Körperverletzungen mit 8,7 Prozent, Rauschgifttaten mit nur 3,2 Prozent, Sexualstraftaten mit 1,3 Prozent und die Raubtaten mit lediglich 0,36 Prozent der Gesamtkriminalität.
Den überwiegenden Teil der Tatverdächtigen stellen die Erwachsenen ab 21 Jahren mit einem Anteil von 66,4 % dar. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind Kinder (ab 7 bis 14 Jahre), Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) und Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre) deutlich überrepräsentiert. Auf das Konto der unter 21 Jahre alten Tatverdächtigen gingen 2009 70,4 Prozent der Sachbeschädigungen, 44,1 Prozent der gefährlichen Körperverletzungen. 35,2 Prozent der einfachen vorsätzlichen Körperverletzung und 62,8 Prozent der Straßenkriminalität.
Der Kampf gegen die Jugendkriminalität wird weiterhin einen Schwerpunkt in der Tätigkeit der Polizeibeamten darstellen, die sie mit hohem Engagement, vielseitiger Präventionsarbeit und Projekten für Kinder, Jugendliche und deren Eltern durchführen.
Straftaten gegen das Leben In der Kriminalitätsstatistik für den Kreis Plön sind für das Jahr 2009 insgesamt zwei Tötungsdelikte, davon eine vollendete Tat, registriert. Bei dem vollendeten Delikt handelt es sich um ein Ermittlungsverfahren gegen einen Arzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung zum Nachteil einer 84-jährigen Frau.
Der zweite Fall wurde von der Mordkommission der BKI Kiel bearbeitet und statistisch erfasst. Hierbei handelt es sich um ein versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil einer 17-Jährigen im September im Bereich Lütjenburg. Der polizeilich bekannte 16-jährige Tatverdächtige hatte versucht, seine Ex-Freundin zu erwürgen. Der Beschuldigte wurde durch das Landgericht Kiel zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen versuchten Mordes verurteilt.
Die Aufklärungsquote für diesen Deliktsbereich liegt bei 100 Prozent.
Diebstahl Die Zahl der Diebstahlsdelikte ist im Kreis Plön im letzten Jahr leicht angestiegen. Waren es 2007 noch 3.682 Taten, sank die Zahl 2008 um 89 Fälle auf 3.593, im Jahr 2009 verzeichnet die Statistik 3.726 auf. Damit liegen die Zahlen nach wie vor unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 3.788 Fällen. Bemerkenswert ist allerdings der unverändert hohe Anteil von 45,3 Prozent an der Gesamtkriminalität.
Die Summe der einfachen Diebstähle ist mit 1.875 registrierten Taten fast unverändert. Dafür ist die Zahl der schweren Fälle gegenüber 2008 um 7,4 Prozentpunkte, das sind 129 Taten, gestiegen. Diese Steigerung ist mit vermehrten Diebstählen von Fahrrädern, schweren Diebstählen aus Boden- und Kellerräumen sowie aus Büro- und Lagerräumen zu erklären. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl verzeichnete die Polizeidirektion Kiel für 2008 einen starken Anstieg. Im Jahr 2009 konnte diese negative Entwicklung mit einem Rückgang von 3,8 Prozent gestoppt werden.
Sexualdelikte In der Kriminalstatistik für den Kreis Plön sind für das Jahr 2009 insgesamt 106 Delikte erfasst. Eingerechnet wurde unter anderem die ungeklärte Serie "sexuell motivierter Angriffe auf Joggerinnen in Heikendorf" im Herbst 2008, mit sechs Taten. Die deutlichen Steigerungen des sexuellen Missbrauchs, insbesondere zum Nachteil von Kindern (32 Fälle +10), sind auf einen örtlichen Schwerpunkt zurückzuführen, dort hat die Kriminalpolizei einen Beschuldigte für die Taten ermittelt und überführt.
Einzelbetrachtung ausgewählter Städte und Gemeinden:
Preetz Die größte Stadt im Kreis mit 15.898 Einwohnern verbucht mit 15,9 Prozent, insgesamt 1312 Taten, den zweitgrößten Anteil erfasster Straftaten des Kreises. Dies bedeutet einen Rückgang der bekannt gewordenen Kriminalität in Preetz um 76 Fälle (- 5,5 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Der Trend aus dem Vorjahr setzt sich damit erfreulicherweise fort. Die rückläufigen Fallzahlen sind insbesondere beim einfachen Diebstahl zu verzeichnen. Diese positive Entwicklung wird durch rückläufige Fallzahlen des Ladendiebstahls und des einfachen Diebstahls an Kraftfahrzeugen geprägt.
151 Fahrraddiebstähle wurden 2009 zur Anzeige gebracht, 29 mehr als im Vorjahr. Bei den Kfz-Aufbrüchen sanken die Fallzahlen erneut, und zwar von 54 auf nunmehr 33 Delikte. Eine stagnierende Entwicklung ist bei den Rohheitsdelikten festzustellen. Hier verzeichneten die Ermittler 166 Fälle, 6 mehr als 2008. Auch bei den Sachbeschädigungen sind die Zahlen nur leicht um fünf Delikte auf 226 gestiegen.
Weiterhin sind Zunahmen bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetzt zu registrieren. Hier gab es einen Anstieg um 26,3 Prozent, das sind 15 Fälle mehr, bei insgesamt 72 erhobenen Taten. Damit wurde nahezu jedes vierte Betäubungsmitteldelikt des Kreises Plön im Bereich Preetz festgestellt. Diese hohen Zahlen sind sicher nicht zuletzt auf verstärkte polizeiliche Ermittlungstätigkeiten zurückzuführen.
Plön In der Kreisstadt Plön übertrifft die registrierte Kriminalität das bisher niedrige Niveau der Vorjahre. War 2008 noch ein Rückgang der Kriminalität um 16,4 Prozent (zweithöchster Rückgang kreisweit) in Plön zu verzeichnen, so stieg die Kriminalität im Jahr 2009 um 258 Taten (34,2 Prozent) auf 1.012 Delikte. Die Steigerung der Gesamtkriminalität der Stadt Plön ist vorrangig auf die überproportional gestiegenen Fallzahlen in den Deliktsbereichen Diebstahl, Sachbeschädigung sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte zurückzuführen. Die Diebstahlskriminalität (469 Fälle) mit einem Anteil von nahezu der Hälfte aller in der Stadt Plön registrierten Straftaten ist nach dem Rückgang im Vorjahr um 99 Taten (26,8 Prozent) gestiegen. Der einfache Diebstahl ist im Abgleich zum Vorjahr mit 51 Fällen ebenso gestiegen wie der schwere Diebstahl mit einem Zuwachs von 48 Taten. Ein Ziel der Polizei Plön für das Jahr 2010 ist die Reduzierung dieser Fallzahlen. Die Beamten wollen dies durch Steigerung der Aufklärungsquote, bei gleichzeitiger Erhöhung der Entdeckungswahrscheinlichkeit für die Täter erreichen.
Im Bereich der Rohheitsdelikte liegt die Kreisstadt mit 10 Prozent unter dem Kreisanteil von 11,8 Prozent. Dafür ist der Rückgang der einfachen Körperverletzungen verantwortlich. Für den Stadtbereich Plön wurden für das Jahr 2009 lediglich zwei Raubtaten registriert. Die Betäubungsmittelkriminalität ist erfreulicherweise auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres geblieben.
Lütjenburg In der kleinsten Stadt des Kreises mit 5.522 Einwohnern ist ein erneuter Rückgang der Fallzahlen um 99 Delikte beziehungsweise 17,4 Prozent auf 468 Straftaten zu verzeichnen, dies bedeutet den höchsten Rückgang der Gesamtkriminalität im Kreisgebiet. Die Aufklärungsquote beträgt 56 % und ist ausgesprochen hoch.
Die größten Rückgänge sind beim Diebstahl (-22,7 Prozent) und der Straßenkriminalität (-30,8 Prozent) festzustellen. Die Fallzahlen des einfachen Diebstahls sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Im Bereich der Rohheitsdelikte verzeichnet die Statistik einen Rückgang von 19,1 Prozent, von 68 auf 55 Fälle. Es wurde keine Raubtat angezeigt, die Zahlen der Körperverletzungen sind erneut rückläufig. Reduziert haben sich erfreulicherweise auch die Zahlen der Straßenkriminalität, im Bereich der Rauschgiftstraftaten stagnieren die Zahlen.
Schwentinental Im Jahr 2008 wurden die beiden Polizeidienststellen Raisdorf und Klausdorf in der am 1. März 2008 neu gegründeten Stadt Schwentinental statistisch getrennt voneinander betrachtet. Ab dem 1. Januar 2009 erfolgt eine Gesamtbetrachtung der mit 13.588 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Kreises. Die Gesamtkriminalität ist im Vergleich zum Jahr 2008 um 130 Fälle gestiegen. Die Stadt Schwentinental mit einem Anteil von 10 Prozent an der Kreisbevölkerung sowie einem großen Gewerbegebiet liegt mit einem Kriminalitätsanteil von 16,6 Prozent an erster Stelle des Kreises Plön. Die Gesamtkriminalität in der Stadt Schwentinental ist geprägt von Diebstählen mit einem Anteil von 52,7 Prozent. Annähernd jede zweite Straftat ist diesem Deliktsbereich zuzuordnen, somit der höchste Anteil von Diebstahlskriminalität im Kreis Plön. Der auffällig hohe Anteil des einfachen Diebstahls sowie der Betrugsstraftaten ist auf das zur Gemeinde gehörende stark frequentierte Gewerbegebiet und die damit verbundenen hohen Besucherzahlen zurückzuführen. Bei Einbrüchen in Geschäften, Büros und Lagerräumen verzeichnet die Statistik 55 Taten mehr. Die Polizeidirektion Kiel reagierte hier mit entsprechenden Maßnahmen, die erste Wirkungen zeigen, die Einbruchszahlen sinken deutlich.
Der hohe Anteil an Körperverletzungen lässt sich größtenteils über die im Gewerbegebiet befindliche Großdiskothek erklären. Die Zahl der aufgeklärten Taten stieg um 189 auf 656. Im Jahr 2009 lag die Aufklärungsquote für Schwentinental mit 48 Prozent knapp über dem Durchschnittswert des Kreises Plön.
Schönberg Die Kriminalitätsentwicklung in der Gemeinde Schönberg mit 6.729 Einwohnern und einem Bevölkerungsanteil von 4,9 Prozent des Kreises entspricht überwiegend dem allgemeinen Trend im Kreis Plön. In Schönberg ist ein Anstieg der Kriminalitätsrate um 10 Fälle beziehungsweise 1,7 Prozent zu verzeichnen. Die Fallzahlen bei den Rohheitsdelikten sind rückläufig, insbesondere bei den Körperverletzungen sind die Zahlen gesunken. Freiheitsberaubungen und Nötigungen stiegen leicht an. Die Diebstahlskriminalität hat sich insgesamt durch rückläufige Fallzahlen positiv entwickelt. Gestiegen ist die Zahl der Sachbeschädigungen. Jede vierte in Schönberg registrierte Straftat ist diesem Deliktsbereich zuzuordnen. Die Straßenkriminalität liegt in Schönberg mit 27,9 Prozent über dem Kreiswert von 21,8 Prozent. Mit 319 aufgeklärten Taten konnte für das Jahr 2009 eine überdurchschnittlich hohe Aufklärungsquote von 52,2 Prozent (von 48,4 Prozent) für den Bereich der Gemeinde Schönberg verzeichnet werden.
Sonstige polizeiliche Aktivitäten Die Einsatzleitstelle Plön bearbeitete im vergangenen Jahr 18.407 Einsätze im Kreisgebiet, durchschnittlich 51 Einsätze pro Tag. Dies entspricht gegenüber 2008 mit 19.484 Einsätzen einem Rückgang von 5,5 Prozent. Die deutlich überwiegende Zahl der Einsätze erfolgte rund um den Straßenverkehr. In 20 Fällen registrierten die Beamten "Häusliche Gewalt" als Einsatzanlass, 4 Fälle weniger als im Vorjahr. 66 Todesermittlungsverfahren und 125 Vermisstensachen wurden 2009 polizeilich bearbeitet.
Fazit Im Vergleich zu den Landeszahlen mit einem Anstieg der bekannt gewordenen Taten von rund 1 Prozent beträgt die Steigerungsrate im Kreis Plön 2,8 Prozent. Trotz Anstieg der Fallzahlen ist eine Steigerung der Aufklärungsquote um 0,8 Prozent auf 47,5 Prozent zu verzeichnen.
Für die Entwicklung der Gesamtkriminalität sind nach wie vor die großen Anteile der Diebstahlskriminalität, der Rohheitsdelikte mit den einfachen Körperverletzungen und die der Vermögens- und Fälschungsdelikte verantwortlich.
Der negativen Entwicklung im Jahr 2008 durch die Zunahme bei den Wohnungseinbrüchen ist durch umfassende Konzepte Rechnung getragen worden. Werner Tanck: "Um das Sicherheitsgefühl der Bürger im Kreis Plön nachhaltig zu stärken, war es mir wichtig, gerade diese Taten zu bekämpfen. Mit Unterstützung des Lage und Analysesystem KLAS haben wir Kriminalitätsentwicklungen und Schwerpunkte aufgezeigt und anschließend Konzepte und Maßnahmenpakete entwickelt, diese greifen, die Zahlen sind rückläufig."
Für die Umsetzung von Maßnahmen im Hinblick auf die zu beobachtende Gewaltentwicklung bei jugendlichen und heranwachsenden Tatverdächtigen wird eine eigens dafür eingerichtete Ermittlungseinheit ihre Arbeit auch 2010 unverändert weiterführen.
Ziel der Polizei im Kreis Plön für das Jahr 2010 ist die erfolgreiche Fortsetzung bereits umgesetzter Qualitätsstandards bei der Tatortarbeit und der Anzeigen- aufnahme im Hinblick auf Spurensuche und Spurensicherung. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Aufklärungsquote insbesondere im Deliktsbereich der Diebstahlskriminalität und das Entdeckungsrisiko für die Täter zu erhöhen.
Die Kriminalstatistik ist ab Dienstag, 9. März 2010, 11 Uhr im Internet unter www.polizei-kiel.de als Download abrufbar.
Jürgen Börner
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