POL-KI: 100309.1 Kiel: Kriminalstatistik 2009 - Zahl der registrierten Straftaten entgegen dem Landestrend gesunken

    Kiel (ots) - Die Zahl der registrierten Straftaten in der Kriminalstatistik der Landeshauptstadt ist entgegen dem Landestrend um 3,5 Prozent zurückgegangen. Die Anzahl der Straftaten ist im Vergleich zum Jahr 2008 um 1.128 Delikte auf 30.772 gesunken. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Straftaten hingegen um 1 Prozent auf insgesamt 242.839 angestiegen. Der in den letzten Jahren zu beobachtende Abwärtstrend hat sich nach einer Steigerung im Jahresvergleich 2007/2008 in 2009 wieder fortgesetzt. Mit insgesamt 30.772 Fällen liegt die Fallzahl trotzdem deutlich unter dem 10-Jahresdurchschnittswert von 34.168.

    Kiels Polizeichef Werner Tanck zeigte sich bei der Vorstellung der Jahresstatistik zufrieden: "Dass wir seit dem Jahr 2005 die Zahl der Straftaten stetig reduzieren konnten ist überaus erfreulich. Wir befinden uns derzeit auf einem vergleichbar niedrigen Niveau, das ist die Bestätigung von harter Arbeit der Kieler Polizistinnen und Polizisten. Vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen  schwerer und gefährlicher Körperverletzungen und der Entwicklung im Bereich der Wohnungseinbrüche, ist die konsequente Fortsetzung der Qualitätsoffensive und der konzentrierten Sachbearbeitung zwingend."

    Die Gesamtzahl der Rohheitsdelikte (Raub/Körperverletzung pp.) ist im Gegensatz zur Gesamtkriminalität gestiegen. Die schweren und gefährlichen Körperverletzungen haben im Vergleich zum Vorjahr wiederum zugenommen und  im langfristigen Vergleich das Jahr 2006 übertroffen. Die Raubtaten sind gegenüber 2008 rückläufig, werden aber vermutlich durch die neue Entwicklung im kommenden Jahr wieder ansteigen. Besorgt blickt Werner Tanck auf diese Zunahme: "Die zunehmende Brutalität, mit der die vielfach jungen Täter vorgehen und neben den körperlichen auch schwere psychische Folgen bei ihren Opfern verursachen, machen mir Sorgen. Wir reagieren auf diese Straftaten mit der konsequenten Umsetzung eines Konzepts zur Bekämpfung dieser Straftaten. Vor allem an den Brennpunkten in der Innenstadt wollen wir die Übergriffe verhindern. Das Konzept basiert auf einer Lageauswertung, der Einrichtung von zusätzlichen Präsenz- und Kontrollstreifen an den Wochenenden sowie offensiver Öffentlichkeitsarbeit. Hinzu kommt die Konzentration der Ermittlungsarbeit der zuständigen Kommissariate der Kriminalpolizeistelle Kiel. Insbesondere die Kontrollen von verdächtigen Personen hat nach jetzigem Stand zu einer Beruhigung der Lage geführt."

    Die Diebstahlskriminalität nahm auch im vergangen Jahr mit 49,9 Prozent wieder den größten Anteil an der Gesamtkriminalität ein. Landesweit sind die registrierten Tageswohnungseinbrüche um 10 Prozent gestiegen. Kiel hat einen Anstieg von 61,3  Prozent zu verzeichnen. Der Leiter der Kriminalpolizei Kiel, Kai Richter, sagt dazu: "Der Anstieg der Straftaten im Deliktsbereich des Tageswohnungseinbruchs ist natürlich erheblich. Oft sind dies durch Einzeltäter verübte Serien, die die Statistik prägen. Durch Lageauswertungen erkennen wir Deliktsschwerpunkte und können entsprechende polizeiliche Maßnahmen einleiten. Diese führen oft zur Festnahme von Tatverdächtigen, die durch die anschließenden Ermittlungen letztendlich für die Einbrüche verantwortlich gemacht werden."

    Dieser Schwerpunkt prägt seit Jahren die Kieler Polizeiarbeit, denn durch Eintritt Fremder in den privaten Wohnraum wird das Sicherheitsgefühl der Bürger erheblich beeinträchtigt. Werner Tanck: "Die Beamtinnen und Beamten reagieren mit Engagement und Motivation auf dieses Phänomen. Mit hohem Personalaufwand leisten wir durch entsprechende polizeiliche Maßnahmen einen maximalen Beitrag zur Stärkung des Sicherheitsgefühls der Bürgerinnen und Bürger." Diebstahl Die Gesamtkriminalität wird weiterhin von der Diebstahlskriminalität geprägt. Der Anteil der einfachen Diebstähle ist um 2,6 Prozentpunkte gefallen, der des besonderen oder unter erschwerenden Umständen verübte Diebstahl um 4 Prozentpunkte. - Diebstahl an Kfz. -  11,9 % - Diebstahl aus PKW - 19,5 % - ED Wohnräume +  0,3 % - Tageswohnungs-ED + 61,3 % - Fahrraddiebstahl   -  7,8 % - Taschendiebstahl -  12,8 % - Ladendiebstahl +  16,8 %

    Bei den Diebstählen an und aus Pkw hat sich die Situation leicht entspannt, hier sind die Taten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle im Deliktsfeld Einbruchsdiebstahl in/aus Wohnungen ist auf stabilem Niveau, sie liegt allerdings weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Auch der Tageswohnungseinbruch nimmt überaus zu. Der Fahrraddiebstahl ist gegenüber 2008 rückläufig und deutlich unter den Zahlen vom Beginn des Jahrzehnts. Taschendiebstahl und Ladendiebstahl sind gegenüber 2008 gestiegen, bei Betrachtung des gesamten Beobachtungszeitraums aber rückläufig.

    Vermögens- und Fälschungsdelikte Der Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte ist im Vergleich 2008 zu 2009 um 3,4 % gefallen. Die Fälle des Waren- und Kreditbetruges sind um 28,2 % gestiegen.

    Sachbeschädigungen Auch bei den Sachbeschädigungen setzt sich der bereits 2008 festgestellte Rückgang weiter fort, 2009 verzeichnet die Statistik ein Minus von 10,6 Prozent. Rohheitsdelikte Die Gesamtzahl der Rohheitsdelikte (Raub/Körperverletzung pp.) ist im Gegensatz zur Gesamtkriminalität gestiegen. Die schweren und gefährlichen Körperverletzungen haben im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen und  im langfristigen Vergleich die Zahlen von 2006 übertroffen. Die Raubtaten sind zwar gegenüber 2008 statistisch gesehen rückläufig, dennoch ist von einem Anstieg auszugehen, da im letzten Quartal 2009 eine hohe Anzahl von noch nicht erfassten Raubtaten hinzugekommen ist. Die Bekämpfung der Rohheitsdelikte wird 2010 wieder ein Aufgabenschwerpunkt in der Landeshauptstadt sein. Darauf haben sich Polizei, Staatsanwaltschaft und das Amt für Familie und Soziales vereinbart. Dies dürfte sich aber bestenfalls mittelfristig in der PKS niederschlagen. Die zur Bekämpfung der Rohheitsdelikte eingesetzten Polizisten werden anhand der Daten des Kieler Lage- und Analysesystems in den betroffenen Bereichen präsent sein und entsprechende Straftaten verhindern. Weiterhin wird das beschriebene Konzept konsequent durchgeführt und das mögliche Repertoire strafprozessualer Maßnahmen bis hin zur Prüfung der Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft ausgeschöpft.

    Rauschgiftdelikte Die Gesamtzahl der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz ist im Wesentlichen ein Ergebnis der polizeilichen Aktivitäten. Die Zahlen lassen nur bedingte Aussagen zur tatsächlichen Situation zu. Sie zeigen aber einerseits, dass Betäubungsmittel nahezu überall verfügbar sind und andererseits, dass es entsprechend dem Rauschgiftbekämpfungskonzept der Kieler Polizei nachhaltig gelingt, eine Vielzahl von Straftaten in diesem Bereich aufzudecken. Einen besonderen Schwerpunkt haben wir dabei in den  Jahren seit 2005 auf die Überprüfung von Verkehrsteilnehmern gelegt. Aufgrund der Erfahrungen wurde diese Schwerpunktsetzung auch im Jahre 2009 fortgesetzt. Nach wie vor wird die Situation durch einen hohen Anteil von Cannabisdelikten geprägt. Die Zahl der Drogentoten schwankt wegen der kleinen Zahlen prozentual sehr deutlich.

    Jugendkriminalität Die Erwachsenen über 21 Jahren stellen mit 72,3 % (7.196 Personen) den größten Anteil der Tatverdächtigen (2008: 71,5 %). Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) mit 12,6 % (2008: 11,9 %) und Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre) mit 10,8 % (2008: 12,1 %) bei den Tatverdächtigen deutlich überrepräsentiert. Dies ist nach kriminologischen Erkenntnissen allerdings durchaus als "normal" anzusehen. Besorgniserregend ist weiterhin der hohe Anteil Tatverdächtiger unter 21 Jahren im Bereich der Rohheitsdelikte. Bei den Raubtaten stellen sie mit rund 56,5 Prozent den größten Teil, bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen sind es 36,9 Prozent. Dies verdeutlicht, dass Gewaltprävention im Kinder- und Jugendbereich auch künftig eine zentrale Rolle in der polizeilichen Arbeit spielen muss.

    Straftaten gegen das Leben Die Zahl der Straftaten gegen das Leben beläuft sich im Jahr 2009auf 16.

    Fazit Nach fünf Jahren Rückgang und einen Anstieg in 2008 ist jetzt wieder eine Reduzierung der Fallzahlen zu verzeichnen. Damit entwickelte sich die bekannt gewordene Kriminalität in der Landeshauptstadt gegen den Landestrend. Insgesamt halten sich die Werte ganz überwiegend im Schwankungsbereich der letzten Jahre.

    Die Gesamtkriminalitätsbelastung der Landeshauptstadt Kiel liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt, dies ist aber für urbane Bereiche durchaus typisch. Im Vergleich der Häufigkeitszahl der kreisfreien Städte nimmt Kiel nach Neumünster und Lübeck den dritten Platz ein.

    Weiterhin gilt, dass die Kriminalität in der Landeshauptstadt Kiel wesentlich auch durch die "Magnetwirkung" einer Landeshauptstadt geprägt ist. Die Landesschwerpunkte, die Bekämpfung der schweren Diebstähle und der schweren Gewaltdelikte werden die polizeiliche Arbeit im Jahr 2010 prägen. Hier gilt es, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung durch die Steigerung der Aufklärungsquote nachhaltig zu stärken. Die vollständige Kriminalstatistik der PD Kiel ist ab Dienstag, 9. März 2010, 11 Uhr, im Internet unter www.polizei-kiel.de als Download abrufbar.

    Jürgen Börner


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