POL-MS: Demonstrationsgeschehen in Münster am 18.02.2006
Münster (ots) - Für Samstag (18.02.2006), war von dem Rechtsextremisten Axel Reitz ein Aufzug mit Kundgebungen in Münster angemeldet worden.
Nach dem Eintreffen der Teilnehmer ab 11.00 Uhr im ostwärtigen Bahnhofsbereich sollte die eigentliche Versammlung mit einer Auftaktkundgebung im Bereich des Bremer Platzes beginnen.
Geplant war ein anschließender Aufzug, der mit einer weiteren Zwischenkundgebung durch das Hansaviertel führen und am Bahnhof enden sollte.
Gegen diese Versammlung formierte sich erheblicher Protest der Bürgerinnen und Bürger von Münster. Bei der Polizei wurden insgesamt fünf Gegenversammlungen angemeldet. Den größten Aufzug stellte ein bürgerliches Bündnis. Weit über 1.500 Teilnehmer gingen von der Windthorststraße bis in den Rathausinnenhof, wo ein multikulturelles Rahmenprogramm stattfand. Insgesamt dürften im gesamten Stadtgebiet über 3000 Personen an demonstrativen Aktionen teilgenommen haben.
Das Konzept der Polizei war darauf angelegt, durch eine räumliche Trennung der Versammlungen im Bereich der Bahnlinie, ein Zusammentreffen der unterschiedlichen Positionen zu verhindern und die sich abzeichnenden Konflikte zu minimieren. Gegendemonstranten versuchten immer wieder, durch die zahlreichen Sperrstellen entlang der Bahnlinie ins Hansaviertel zu gelangen. Zeitweise musste der Zugverkehr gestoppt werden, weil Demonstranten über die Gleise in den östlichen Bahnhofsbereich wollten.
Neben den angemeldeten Versammlungen kamen Hunderte von Anwohnern und Gästen aus ihren Häusern und stellten sich während des Aufzugs den Rechten massiv in den Weg.
Die Polizei musste, bereits am Bremer Platz beginnend, mehrere dieser Versammlungen auflösen, so dass der Aufzug der Rechten verspätet begann und nur schleppend voran kam. Als ein Gegendemonstrant im Bereich Bremer Straße in den Aufzug eindringen wollte, ging der Versammlungsleiter verbal und dann handgreiflich gegen diesen Mann vor. Bei dieser Aktion prallte der Gegendemonstrant gegen eine Polizeibeamtin. Beide fielen über einen Blumenkübel, wobei sich die Polizeibeamtin leichte Verletzungen zuzog. Der Versammlungsleiter wurde daraufhin aus dem Aufzug ausgeschlossen und in Gewahrsam genommen. Danach übernahm der Anmelder Axel Reitz selbst die Versammlungsleitung. In Anbetracht einer Gruppe von etwa 600 Personen, die sich im Kreuzungsbereich Bremer Straße / Hansaring der Rechten-Demo in den Weg stellte, entschied sich der Versammlungsleiter Reitz, mit den Aufzugsteilnehmern zum Hauptbahnhof zurückzukehren. Gegen 15:05 Uhr erklärte er dort die Versammlung für beendet. Im Zusammenhang mit den demonstrativen Aktionen nahm die Polizei insgesamt 19 Personen vorläufig fest. (9 Jugendliche und 10 Erwachsene) Sie hatten mit Flaschen und anderen Gegenständen geworfen, versucht, Gefangene zu befreien, Widerstand geleistet, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen und in einem Fall öffentlich den Hitlergruß gezeigt. Betroffen waren sowohl Teilnehmer aus der Rechten-Demo als auch Gegendemonstranten.
Polizeipräsident Hubert Wimber hatte auch am Veranstaltungstag einen engen Kontakt zu Oberbürgermeister Dr. Bertholt Tillmann. Der OB bedankte sich stellvertretend beim Präsidenten und dem verantwortlichen Einsatzleiter - Leitenden Polizeidirektor Fritz Unterberg - für das Augenmaß der Polizei in diesem schwierigen Einsatz und das besonnene Verhalten der Einsatzkräfte in der konfliktträchtigen Situation. "Die Polizisten haben hervorragende Arbeit geleistet und durch großen persönlichen Einsatz weitestgehend Störungen und Gefährdungen vermieden," so Tillmann. Er dankte der Polizei insbesondere dafür, dass die Kundgebung auf dem Platz des Westfälischen Friedens ohne Beeinträchtigung stattfinden konnte und die Münsteraner so ein deutliches Signal gegen Rechtsextremismus setzen konnten.
ots Originaltext: Polizei Münster
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