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Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien nehmen zu terre des hommes richtet dringenden Appell an Bundeskanzler Schröder

    Osnabrück (ots) - Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen in
Kolumbien hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Besonders
in der Region Cauca kamen Zivilisten bei Angriffen paramilitärischer
Verbände ums Leben. So wurde in der Osterwoche ein Massaker von
Paramilitärs im Departamento Valle de Cauca bekannt, bei dem 37
Menschen ermordet wurden. Unter den Opfern, die teilweise mit
Kettensägen getötet wurden, befanden sich auch zwei Kinder. Die
entwicklungspolitische Kinderhilfsorganisation terre des hommes
kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Rolle des Militärs, das
auf Hilferufe nicht reagierte. Auch habe sich das Militär geweigert,
so terre des hommes-Sprecher Michael Heuer, Flüchtlingen aus den
betroffenen Dörfern Schutz zu bieten. Heuer kritisierte auch die
Drogenbekämpfungsmaßnahmen in der Cauca-Region. Im Rahmen der im
"Plan Colombia" festgelegten Maßnahmen zur Drogenbekämpfung wurden
Kokafelder aus der Luft besprüht. Bei diesem Chemieeinsatz sind in
jüngster Zeit nicht nur 854 Hektar Koka vernichtet worden, sondern
auch über 6.000 Hektar Land von Kleinbauern. Über 12 Prozent der
Bevölkerung mussten wegen akuter Vergiftungen Krankenhäuser
aufsuchen. Bei den Aktionen wurden auch Gemüsegärten zerstört, die
der Versorgung von Schulkindern dienten. Weil auch Fisch- und
Tierbestände in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die Existenz
vieler Menschen bedroht. terre des hommes appellierte an
Bundeskanzler Schröder, die Einhaltung der Menschenrechte beim
heutigen Staatsbesuch des kolumbianischen Präsidenten Pastrana in
Deutschland unmissverständlich einzuklagen. Ferner forderte die
Kinderhilfsorganisation den Kanzler auf, die Hilfen für die
Zivilbevölkerung in der Kriegsregion aufzustocken. "Wir erwarten", so
Heuer, "deutliche Worte von Bundeskanzler Schröder gegen den Plan
Colombia und alle Versuche, die sozialen Probleme Kolumbiens mit
militärischer Gewalt zu lösen."
    
    Der "Plan Colombia", dessen militärischer Teil vor allem von den
USA finanziert wird, sieht unter anderem vor, durch Waffenlieferungen
und Militärhilfe den Bürgerkrieg in Kolumbien zu beenden. In welcher
Form sich die Länder der Europäischen Union am zivilen Teil des
Programmes beteiligen, ist im Moment noch unklar. "Bisher hat der
Plan", so terre des hommes, "nur zur Verschärfung des Krieges
zwischen Guerilla, Militär und paramiliärischen Verbänden geführt.
Unter den Folgen des Krieges hat vor allem die Zivilbevölkerung zu
leiden." Auch der kolumbianische Staat ist am "Plan Colombia"
beteiligt. Um die finanziellen Mittel aufzubringen, wurden drastische
Einsparungen im Haushalt vorgenommen. Unter den Sparmaßnahmen muss
vor allem die arme Bevölkerung leiden. Von den 17 Millionen Kindern
Kolumbiens leben etwa 38,9 Prozent in Armut; 17,5 Prozent in
absoluter Armut.
    
    Jedes Jahr werden in Kolumbien 26.000 Menschen ermordet. Über
3.000 dieser Morde sind politisch motiviert. Seit Mitte der 80er
Jahre sind etwa 1,5 Millionen Menschen wegen des Krieges aus ihren
Heimatorten geflohen.
    
    
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