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Bewusstlos ohne Grund?
Experten diskutierten Diagnostik und Therapie der plötzlichen Ohnmacht

    Mannheim (ots) - Wiederkehrende plötzliche Ohnmachten mit
ungeklärter Ursache sind ein immer noch unterschätztes Problem.
Jährlich erfolgen rund sechs Prozent aller Krankenhauseinweisungen
allein aufgrund von Ohnmachtsanfällen, sogenannter Synkopen, die bei
Menschen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts auftreten
können. Am Freitag diskutierten führende Kardiologen auf einem
Fachsymposium, wie immer wiederkehrende plötzliche Ohnmachtsanfälle
effektiv diagnostiziert und therapiert werden können. Die
Veranstaltung fand anlässlich der 68. Jahrestagung der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim unter der Leitung von Prof.
Dr. Wolfgang von Scheidt und Priv. Doz. Dr. Karlheinz Seidl statt. Im
Mittelpunkt standen die jüngsten Erfahrungen mit der
Herzschrittmachertherapie, die bei Patienten eingesetzt werden kann,
die aufgrund eines plötzlichen Herzfrequenzabfalls das Bewusstsein
verlieren.
    
    Gefährliche Folgen
    
    Plötzliche Ohnmachtsanfälle sind gefährlich, denn sie können bei
den Betroffenen zu Verletzungen führen und darüber hinaus schwere
Unfälle verursachen, z.B. im Straßenverkehr, und im Extremfall
tödlich enden. Betroffene, bei denen der plötzliche
Bewusstseinsverlust wiederholt auftritt, sollten deshalb unbedingt
einen Fachmann aufsuchen. Denn für die meisten Ursachen von Synkopen
gibt es wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten. Dazu ist allerdings
eine exakte Diagnose erforderlich, die nur ein Arzt stellen kann.
    
    Wenn Herzfrequenz und Blutdruck plötzlich abfallen
    
    Rund ein Drittel aller Ohnmachtspatienten leidet unter sogenannten
neurokardiogenen Synkopen, der häufigsten Synkopenform. Dabei kommt
es entweder zu einem plötzlichen starken Blutdruckabfall oder einem
Herzfrequenzabfall. Oft treten die Symptome jedoch auch zeitgleich
auf. "Die nachfolgende ungenügende Sauerstoff- und Blutversorgung des
Gehirns zieht die Bewusstlosigkeit nach sich", erläutert Dr. Thomas
Vieth vom Klinikum Chemnitz. Typische Auslöser für derartige Synkopen
sind langes Stehen oder emotionale Ausnahmesituationen wie Stress
oder Angst.
    
    Diät, (Kipptisch-) Training und Medikamente
    
    Prof. Dr. Gerd Fröhlig von den Universitätskliniken des
Saarlandes, Homburg/Saar stellte heraus, dass das Verständnis der
neurokardiogenen Synkope immer noch lückenhaft sei. Derzeit stehen
zur Behandlung zwar mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Diese
reichen von Diäten und speziellen Verhaltensvorschriften über
(Kipptisch-) Training und Medikamente bis hin zur
Herzschrittmachertherapie und müssen auf jeden einzelnen Patienten
individuell zugeschnitten werden. Das Problem dabei sei jedoch, dass
Tests zur Effektivitätskontrolle von Therapiemaßnahmen derzeit
fehlten. Außerdem lägen kaum repräsentative Studien zur
medikamentösen Behandlung vor, so Prof. Dr. Fröhlig. "Deshalb
beschränkt sich die Therapieempfehlung derzeit auf (Kipptisch-)
Training und die Erhöhung des zirkulierenden Blutvolumens mittels
Salz und Mineralkortikoiden sowie auf gefäßverengende Medikamente",
erläuterte Fröhlig.
    
    Schrittmacher verhindert Herzfrequenzabfall mit Rate Drop Response
    
    Patienten, die infolge eines plötzlichen Herzfrequenzabfalls das
Bewusstsein verlieren, können mit einem Herzschrittmacher effektiv
behandelt werden. Mittels einer speziellen Funktion, der sogenannten
Rate Drop Response (RDR) Funktion, erkennt ein moderner
Schrittmacher, wenn die Herzfrequenz plötzlich und stark absinkt. Die
Mini-High Tech-Geräte, die individuell für jeden Patienten
programmiert werden können, reagieren daraufhin sofort mit  der
sogenannten Therapiefrequenz, die die fehlende Herzleistung
kompensiert. Der Medizingerätehersteller Medtronic hat diese Funktion
in der Schrittmacherfamilie Kappa 700 und Kappa 900 weiter optimiert.
Die Geräte können so exakt eingestellt werden, dass sie auf die für
jeden Patienten individuellen normalen Frequenzabfälle, wie z.B. nach
sportlicher Belastung, nicht reagieren. "Placebokontrollierte Studien
haben die Effektivität der Schrittmachertherapie bei Patienten, die
aufgrund eines plötzlichen Herzfrequenzabfalls ohnmächtig werden,
bereits belegt", erläuterte Dr. Frank Gietzen von den Städtischen
Kliniken Bielefeld Mitte. Die Studien ließen erwarten, dass die
Synkopenhäufigkeit der Patienten, bei denen die Herzfrequenz
plötzlich absinkt, um bis zu 90 Prozent reduziert werden könne.
    
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