DIE ZEIT

EU-Kommissar Lamy in der ZEIT: Freie Märkte haben negative Seiten / Die Weltwirtschaft braucht ein Korsett

    Hamburg (ots) - Die Globalisierung muß stärker kontrolliert
werden, sagte der Handelskommissar der Europäischen Union, Pascal
Lamy, in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Die
Weltwirtschaft braucht ein Korsett von starken Institutionen", nur so
könne man die negativen Begleiterscheinungen freier Märkte in den
Griff bekommen. Der derzeit stark diskutierten Tobin-Steuer, mit der
Devisenspekulation unterbunden werden soll, erteilte Lamy allerdings
eine Absage: "Ich glaube eine solche Steuer kann die
Währungsspekulation nicht wirklich eindämmen."
    
    Vorbild für eine Globalisierung mit stärkeren Regeln könne die
Europäische Union sein, so Lamy. Innerhalb der EU habe man den Handel
liberalisiert, ohne dabei Umwelt- und Sozialstandards aus den Augen
zu verlieren. Auch das innereuropäische Umverteilungssystem von
reichen zu ärmeren Ländern sei "ein gutes Beispiel für supranationale
Eingriffe in den Markt", sagte der EU-Handelskommissar.
    
    Pascal Lamy, der in der EU auch für die Vorbereitung der kommenden
Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Doha/Katar zuständig
ist, zeigte sich zuversichtlich, dass es zu einer neuen
Liberalisierungsrunde im Welthandel kommt. Um die derzeit noch
zögerlichen Entwicklungsländer an Bord zu bringen, sei die EU unter
anderem bereit, ihre Agrarmärkte weiter zu öffnen sowie
Exportsubventionen und andere Zahlungen an die europäischen Landwirte
zu verringern. Die Märkte der Industrieländer seien "nicht offen
genug für Produkte aus Entwicklungsländern", meinte Lamy.
    
    Ein Scheitern der Gespräche in Doha würde nach Lamys Ansicht "zu
mehr Protektionismus" führen: "Es würde mehr bilaterale Abkommen
geben, in denen die Elefanten des Welthandels - etwa die USA - den
Ton angeben und vor allem die Entwicklungsländer kaum Chancen
hätten."
    
              Diese PRESSE-Vorabmeldung aus der ZEIT Nr. 37/2001 mit
              Erstverkaufstag am Donnerstag, 06. September 2001, ist unter
              Quellen-Nennung DIE ZEIT zur Veröffentlichung frei. Der
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