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Helmut Schmidt kritisiert Afghanistaneinsatz

Hamburg (ots) - Der frühere Bundeskanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt hat sich tief besorgt über die Entwicklung in Afghanistan geäußert. "Mit den bisherigen Operationen, die nun schon seit fast einem Jahrzehnt laufen, ist das immer unschärfer gewordene Ziel offenbar nicht erreichbar", sagte Schmidt im ZEITmagazin. Das ursprüngliche Ziel, der Terrororganisation al-Qaida die Grundlage zu entziehen, habe der Westen nicht erreicht. "Zwar ist in Afghanistan nichts mehr von al-Qaida zu sehen, dafür aber im Westen Pakistans, nur ein Haus weiter. Man hätte vorher wissen können, dass man dieses Ziel mit den Mitteln, die man zur Verfügung hatte, nicht erreichen kann", sagte Schmidt. Um in Afghanistan Stabilität herzustellen, "reichen selbst 200.000 Soldaten offenbar nicht aus".

Schmidt äußerte sich sehr zurückhaltend über die deutsche Beteiligung in Afghanistan: "Ich habe den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan von Anfang an mit Skepsis begleitet. Ich habe jedoch größten Respekt vor den jungen Männern und Frauen, die dort ihr Leben riskieren. Ich möchte nicht dazu beitragen, dass ihre Bereitschaft, das zu tun, was ihre Regierung angeordnet hat, beeinträchtigt wird", sagte er.

Scharf kritisierte der Altbundeskanzler jedoch die fehlenden Debatten im Bundestag über den Bundeswehreinsatz am Hindukusch: "Der Komplex von Fragen hätte im Parlament längst tiefgreifend diskutiert und dann im Wahlkampf zugespitzt werden müssen. Das kann man nicht von heute auf morgen mit Schlagworten nachholen."

Helmut Schmidt äußerte sich im Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Der ZEIT-Herausgeber wird in Zukunft in loser Folge, befragt von di Lorenzo, zu aktuellen Fragen der Politik Stellung nehmen. Die erste Folge ist Titelgeschichte der am Donnerstag erscheinenden ZEIT.

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