DIE ZEIT

Notenbank der Notenbanken warnt vor Grenzen des Wachstums

Hamburg (ots) - Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erwartet eine längere Phase mit niedrigen Wachstumsraten. "Ich glaube, dass wir in den kommenden Jahren erheblich niedrigere Wachstumsraten erleben werden als bisher. In gewisser Weise könnte man sagen, dass das Spiel aus ist", sagt ihr Chefvolkswirt William White der ZEIT. "Unsere Art, zu leben und zu wirtschaften, war exzessiv, es konnte nicht ewig so weitergehen. Und was nicht ewig weitergehen kann, endet irgendwann einmal", sagt White.

Nach Einschätzung des Volkswirts kann die Welt kurz- und mittelfristig nicht so rapide weiterwachsen wie bisher: "Die Weltwirtschaft überhitzt sich. Die steigende Teuerung zeigt uns an, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Vor allem in den Schwellenländern ist die Lage dramatisch." Wichtige Ressourcen wie Öl würden knapp, am Arbeitsmarkt gebe es einen Mangel an Fachkräften. Es brauche einige Zeit, bis sich die Wirtschaft an die neue Situation anpassen könne.

Die BIZ mit Sitz in Basel ist die Dachorganisation der Zentralbanken weltweit und wird auch als Notenbank der Notenbanken bezeichnet. Eine Debatte über die Grenzen des Wachstums hatte es bereits in den siebziger Jahren gegeben, als der Club of Rome einen entsprechenden Bericht vorlegte.

White macht indirekt die Zentralbanken für die hohen Inflationsraten verantwortlich: "Die Globalisierung und der technische Fortschritt haben die Inflationsraten gebremst. Die Zentralbanken waren aber nicht bereit, den Rückgang der Teuerung hinzunehmen. Also haben sie die Zinsen niedriger gehalten, als sie eigentlich hätten sein müssen."

White fordert die Notenbanken auf, entschieden gegen die Inflationsgefahren vorzugehen - auch wenn sich derzeit die Wirtschaft abkühle. "Wir sollten uns jetzt zuerst um die Inflation kümmern. Erst wenn die Teuerung wieder unter Kontrolle ist, wenn die Inflationserwartungen stabil sind, kann man sich der Wachstumsschwäche widmen", sagt er. Das müsse dann aber ohne ideologische Scheuklappen geschehen. Auch Konjunkturprogramme könnten nötig werden. "Wenn keiner mehr Geld ausgeben will, muss es der Staat tun."

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Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 28 vom 3. Juli 2008 senden
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