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Roberto Saviano: Die Camorra hat Angst

Hamburg (ots) - Mit den Urteilen im spektakulären "Spartacus"-Prozess gegen die Bosse des Casalesi-Clans in Neapel habe die italienische Justiz die Camorra "in die Knie gezwungen", schreibt der Schriftsteller Roberto Saviano, 29, Autor des Mafia-Bestsellers "Gomorrha", in einem exklusiven Beitrag für die ZEIT. Nach jahrelangen Ermittlungen wurden 16 Angeklagte wegen Mordes, Drogenhandels, Korruption und Staatsbetrugs zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil, sagt Saviano, sei "eine Wiedergeburt des Rechts, ein Sammlungsmoment für die Kräfte und Energien einer ganzen Region".

Bei dem Verfahren, schreibt Saviano, "handelt es sich dabei nicht, wie ein Großteil Italiens und Europas immer noch meint, bloß um das x-te Verfahren gegen eine Bande süditalienischer Krimineller", sondern um den "Kampf gegen ein schattenhaftes Imperium, das als eine der Herzkammern der italienischen Wirtschaft gelten muss". Auf dreißig Milliarden Euro Umsatz schätzen die italienischen Mafiajäger das Geschäftsvolumen des Casalesi-Clans, dessen Mitglieder aus der Gegend um den kleinen Ort Casal di Principe nördlich von Neapel stammen. "Ein Großkonzern, der überall mitmischt. Der in den Immobilienmarkt von Parma investiert, im Mailänder Stadtzentrum baut und Giftmüll aus ganz Norditalien entsorgt". Sogar Stützpunkte für die Nato haben die Casalesi gebaut - und "das Gefängnis, in dem später ihre eigenen Leute einsitzen sollten".

"Doch jetzt ist es vorbei mit diesem Schattenmonopol", schreibt Saviano, der seit zwei Jahren selbst unter Polizeischutz leben muss, in der ZEIT. "Der Clan hat Angst. Zum ersten Mal. Er hat Angst, weil es gegen die Casalesi noch nie ein rechtskräftiges Urteil gegeben hat. Weil sie hinnehmen müssen, dass die Vergangenheit sie einholt. Und weil die legendären Bosse nie im Gefängnis gestorben sind, sondern stets frei und fern der Heimat."

Saviano feiert das Urteil gegen die Camorra-Paten als Sieg für Polizisten, Richter und Staatsanwälte, als Sieg vieler mutiger Journalisten - und als "möglichen Neuanfang für den italienischen Süden".

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