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Westeuropa laut Schmidt nicht immun gegen Rechtsextremismus

Hamburg (ots) - Der ZEIT-Herausgeber und ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt glaubt nicht daran, dass die Deutschen dem Rechtsextremismus gegenüber immun geworden sind. "Keine westeuropäische Gesellschaft ist immun gegenüber Rechtsextremismus; nicht die deutsche, nicht die französische - siehe Le Pen -, nicht die italienische, nicht die belgische, nicht die niederländische; am ehesten noch die englische Gesellschaft", sagt er dem ZEITmagazin.

In Schmidts erster Regierungserklärung vom 17. Mai 1974 hieß es: "Wirtschaftliche Not und Massenarbeitslosigkeit haben einst das Feuer entfacht, in dem die erste deutsche Republik verbrannt ist. Dieser Lehre haben alle Regierungen zu folgen." Schmidt heute: "Hier wurde darauf angespielt, dass die ökonomische Depression der Jahre 1929 und folgende ein ganzes Volk vom Pfad der Tugend abbringen konnte. Das würde ich auch für die Zukunft so sagen. Das muss aber nicht notwendigerweise nach rechts außen führen. Die Weimarer Republik ist zugrunde gegangen, weil die Weimarer Koalition der Wirtschaftskrise nicht gewachsen war und weil Nazis und Kommunisten sie sodann gemeinsam kaputt gemacht haben."

Dem ZEIT-Herausgeber macht der publizistische Erfolg der Linkspartei Sorgen. "Auch die Darstellung in den Sabbelshows im Fernsehen." Doch: "Die Sorge muss einstweilen aber nicht tief gehen." Er sei sich nicht sicher, ob man die Auseinandersetzung mit den rechten Gruppen suchen solle. Er selber mit seinen 89 Jahren "wäre dazu nicht geeignet". Doch wenn sich ein Rechtsradikaler im Bundestag daneben benähme, "würde ich ihm Kontra geben; und ich gehe davon aus, dass der Präsident ihn entsprechend anfasst. Man kann ihn öffentlich sichtbar und hörbar zur Schnecke machen. Das würde ich dann tun."

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