DIE ZEIT

Georg Preusse alias "Mary": Zwei Existenzen statt nur einer

    Hamburg (ots) - Der Travestiekünstler und Schaupieler, Georg Preusse alias "Mary" glaubt, dass viele Menschen ihn um die Möglichkeit des Verwandelns beneiden. "Ich glaube, das würden viele Leute gern tun: aus ihrer Rolle schlüpfen. Wir sind doch eigentlich ein Volk von Schauspielern", sagt er der ZEIT. "Mary ist die Frau, in deren Schatten ich lebe", sagt er der ZEIT. "Für mich ist Schatten aber nichts Negatives. Für mich war es immer schön, als Mary bekannt zu sein, und Georg konnte sich in den Schatten zurückziehen, wenn ihm die Schweinwerfer zu heiß wurden. Deshalb hatte der Schatten nichts Dunkles, sondern etwas Erholsames. Abschminken und weg. Kein Mensch hat mich erkannt. Das hat mir Freiheit gegeben. Zwei Existenzen statt nur einer."

    "Travestie ist eine Traumwelt", sagt Preusse. "Eine schillernde Seifenblase, die durch den Raum schwebt. Jeder freut sich daran. Dann platzt sie, und man wird nass. Bei manchen Leuten ist die Enttäuschung groß, wenn ich mich am Ende meiner Show auf der Bühne abschminke. Selbst nach 35 Jahren. Aber ich habe ein großes Verlangen nach Realität und Ehrlichkeit."

    Der Schauspieler weiter: "Die Kunstfigur, die ich geschaffen habe, war für mich anfangs eine Flucht. Vielleicht kam es aus einer Art Minderwertigkeitskomplex, aus dem Gefühl, ich als Georg würde nicht ausreichen. Also wurde ich Mary. Heute ist das anders, heute benutze ich die Figur als Transportmittel. Über sie kann ich anders mit den Leuten reden als zum Beispiel ein Kabarettist. Viel direkter und emotionaler. Die Puppe auf dem Arm kann viel frecher sein als der Bauchredner. Mary darf alles. Sie kann die Wahrheit sagen, ohne dass man ihr böse ist. Aber ich habe nicht den Wunsch, Geschlechterrollen aufzulösen. Ich fand Kontraste immer gut. Was sich angleicht, wird langweilig."

    Den kompletten ZEIT-Beitrag der ZEIT Nr. 1 vom 27.12.2007 senden wir Ihnen gerne zu.

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