AOK-Bundesverband

Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen: "Ärzteproteste in den neuen Bundesländern gehen am Ziel vorbei"

    Bonn (ots) - Die für die nächste Woche geplanten Protestaktionen
von niedergelassenen Ärzten in den neuen Bundesländern verfehlen nach
Ansicht der Spitzenverbände der Krankenkassen das vorgegebene Ziel,
die Qualität der medizinischen Versorgung in den neuen Bundesländern
zu verbessern.
    
    Die schlichte Botschaft der Ärzteaktionen, "mehr Geld gleich
bessere Medizin", sei ein Kurzschluss. Mehr Geld bedeute nicht
automatisch bessere Qualität. Auch ein bloßes Mehr z.B. an
Röntgenuntersuchungen, Kniespiegelungen oder an in ihrer Wirksamkeit
umstrittenen Medikamenten bedeute nicht mehr Qualität und mehr
Gesundheit. Dass diese schlichte Aktionsthese der Ärzte nicht gelte,
zeige sich im internationalen Vergleich. So lägen nach Angaben des
Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen
die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben in Deutschland weltweit auf dem
dritten Platz hinter den USA und der Schweiz. Die mit diesem hohen
Mittelaufwand in Deutschland erzielten Ergebnisse, gemessen an der
Entwicklung der Lebenserwartung, seien jedoch nur Mittelmaß.
    
    Die Kassen wiesen  darauf hin, dass ihre Zahlungen an die
Kassenärztlichen Vereinigungen im Jahre 2001 gemäß der gesetzlichen
Regelungen gegenüber dem Vorjahr um 1,63 % steigen.
    
    Außerdem sei die wirtschaftliche Situation der niedergelassenen
Ärzte in den neuen Ländern im Vergleich zu ihren Kollegen im Westen
bezüglich der erzielten Überschüsse aus der Behandlung von
Kassenpatienten fast auf Westniveau. Zwar lag der durchschnittliche
Umsatz je Vertragsarzt mit den gesetzlichen Krankenkassen pro
niedergelassenem Arzt in den alten Bundesländern 1998 bei ca. 372.000
DM, während die Ärzte in den neuen Bundesländern im Durchschnitt DM
327.000 erreichten. Jedoch ergebe sich aufgrund einer geringeren
Belastung mit Betriebsausgaben im Osten ein Überschuss fast auf
Westniveau. So erzielten die Ärzte nach Angaben des Zentralinstituts
für die kassenärztliche Versorgung (ZI) nach Abzug der
Betriebsausgaben in den alten Bundesländern im Durchschnitt der
Jahre 1996-1998 einen Überschuss von DM 153.402 aus Abrechnungen mit
den gesetzlichen Krankenkassen. Die Ärzte in den neuen Bundesländern
erreichten einen Überschuss aus Umsätzen mit Kassenpatienten in Höhe
von 148.690 DM je Vertragsarzt. Dies entspreche einer
Ost-West-Relation von 96.9%. Zusammen mit den Einnahmen aus der
Behandlung von Privatpatienten erreichten die Ärzte in den alten
Bundesländern nach ZI-Angaben im Durchschnitt der Jahre 1996 bis
1998 einen Überschuss von jährlich DM 194.739 DM und in den neuen
Bundesländern von 165.782 DM.
    
    Angesichts der allgemeinen Einkommenssituation in den neuen
Bundesländern mit durchschnittlichen beitragspflichtigen Einnahmen
der Kassenmitglieder von 28.898 DM im Jahre 1998  ( 79 % des
Westwertes) und mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit seien die
Honorarforderungen der Aktionsärzte und die Drohungen mit
Versorgungseinschränkungen Ausdruck von starkem Realitätsverlust.
Damit schadeten die Aktionsärzte auch dem Ansehen der großen Mehrheit
der Ärzte in den neuen Bundesländern, die gute Arbeit leisteten und
nicht versuchen würden, übersteigerte Gewinnerwartungen auf dem
Rücken ihrer Patienten durchzusetzen.
    
    Allein eine deutlich bessere Beschäftigungslage schaffe Spielräume
für höhere Einkommenszuwächse auch bei den Ärzten. Das aus
Krankenkassenbeiträgen finanzierte  Einkommen der Ärzte könne nicht
schneller wachsen als das der Beitragszahler der Krankenkassen. Die
Beitragszahler der Kassen in den alten Bundesländern leisteten
bereits Solidarität durch Milliardentransfers in die neuen
Bundesländer und auch die Honorare der Ärzte in den neuen
Bundesländern seien aufgrund gesetzlicher Transferregelungen bereits
aufgebessert worden.
    
    Die Spitzenverbände warnten Teilnehmer an den Ärzteaktionen vor
Praxisschließungen und vor der Produktion von Versorgungsproblemen.
Als Vertragsärzte seien die Ärzte verpflichtet, die medizinische
Versorgung ihrer Patienten sicher zu stellen. Im Falle von
Behandlungsverweigerungen drohe den Ärzten der Entzug der
Kassenzulassung.
    
    Die Krankenkassen forderten Patienten auf, sich unverzüglich an
ihre Kasse wenden, falls ihre medizinische Behandlung durch die
Aktionswoche der Ärzte beeinträchtigt werde.
    
    Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter
www.g-k-v.com.
    
    Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen
    
    AOK-Bundesverband, Bonn
    Bundesverband der Betriebskrankenkassen, Essen
    Bundesverband der Innungskrankenkassen, Bergisch Gladbach
    See-Krankenkasse, Hamburg
    Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen, Kassel
    Bundesknappschaft, Bochum
    Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg
    AEV - Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., Siegburg
    
    
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