IDG PC-WELT

Spioniert Microsoft's Media Player?
PC-WELT: Individuelle Hörgewohnheiten werden transparent
Über Newsletter-Abo werden dazu persönliche Daten erfasst

    München (ots) - Neuer Verdacht gegen Microsoft: Angeblich
spioniert der Software-Konzern die Nutzer des Windows Media Players
(Versionen 7 und 8) aus. Die Computerzeitschrift PC-WELT hat in ihrer
neuen Ausgabe (5/2002) recherchiert, inwieweit der Vorwurf stimmt.
    
    Hintergrund: Beim Abspielen von Audio-CDs oder DVDs fragt der
Windows Media Player eine Datenbank auf einem Microsoft-Server ab,
damit er Informationen über das eingelegte Medium, wie etwa Künstler-
und Titelangaben, anzeigen kann. (Hierzu muss der Anwender vorher
seine Internet-Verbindung aktiviert haben.) Jüngst ist der Verdacht
aufgekommen, dass es dabei aber nicht bleibt: Angeblich gehen
nebenbei auch persönliche Daten an Microsoft.
    
    Tatsache ist, so die PC-WELT nach einem entsprechenden Experiment
mit einem Sniffer-Tool: Bei der CDDB-Anfrage (CD Database) wird nicht
nur die Kennziffer des jeweiligen Mediums, sondern auch eine
eindeutige Identifikationsnummer des Players übermittelt. Dieser
Umstand allein sei noch nicht besorgniserregend, so die Zeitschrift,
denn mit dieser Nummer sind keinerlei persönliche Informationen
verknüpft. Allerdings: Anwender, die nicht nur den Media Player
nutzen, sondern auch den "Windows Media Newsletter" abonnieren,
werden mit der gleichen Identifikationsnummer erfasst. Für das
Newsletter-Abo wird dazu ein Passport-Account eingerichtet, der
ausführliche persönliche Daten enthält. Anhand der identischen Nummer
könnte Microsoft folglich die aus den CDDB-Abfragen gewonnenen
Hörgewohnheiten an die private Mail-Adresse und das Passport-Profil
des Anwenders knüpfen und detailliert statistisch auswerten. Obwohl
die PC-WELT davon ausgeht, dass Microsoft von dieser Möglichkeit
keinen Gebrauch macht, appelliert die Zeitschrift an das Unternehmen,
das Verfahren umgehend zu ändern.
    
    Wer die Datenübertragung von seinem Rechner unterbinden will, kann
die CDDB-Abfragen des Windows Media Players deaktivieren (Menü
"Datei", Befehl "Offline arbeiten"). Nach Einlegen einer bislang
nicht gehörten CD weist der Player zwar zunächst auf die fehlende
Internet-Verbindung hin, spielt die CD dann jedoch einfach ohne
Titelinformationen ab. Nachteil: Auch der Internet Explorer befindet
sich danach im Offline-Betrieb. Der Anwender muss die Einstellung
erst aufheben, um wieder im WWW surfen zu können. Eine andere
Variante: Wer ohne Microsoft Musik hören will, kann einfach eine
Alternative wählen, z.B. die Freeware Winamp.
    
ots Originaltext: PC-WELT
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