Die Nachfahren Odysseus und der richtige Wal
Vom "richtigen Wal" für die Jagd zum richtigen Wal für Schutzmaßnahmen

München / Kapstadt (ots) - Während die Segelgemeinde in Kapstadt gespannt die ersten Boote des Volvo Ocean Races erwartet, werden im südlichen Atlantik die Geschwindigkeitsrekorde für Einrumpfsegler pulverisiert. Erst gestern hat das Team Ericsson 4 den 24 Stunden Rekord von 562 auf 602 Seemeilen hochgeschraubt, das sind gut 1100 km Tagesstrecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit, die jedem Zeitfahrtspezialisten bei der Tour de France einen Podiumsplatz garantieren würde. Wesentlich langsamer als die mutigen Nachfahren Odysseus auf ihrer knapp 70.000 km währenden Fahrt nähert sich ein anderer Reisender der Stadt am Horn und zieht Tausende Walbeobachter an: der Südliche Glattwal oder Südkaper.

Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS ruft nun als der maritime Umweltpartner von Team Russia, dem einzigen privaten Team in der neunmonatigen Regatta, zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf und porträtiert in loser Folge die gefährdeten Arten, denen die Nachfahren Odysseus auf ihrer epischen Reise begegnen können.

Der Südliche Glattwal (Eubalaena australis) bevölkert ausschließlich die Gewässer der südlichen Hemisphäre. Die Tiere verbringen den australischen Winter und Frühling in den Gewässern vor Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland in ihren Fortpflanzungsgebieten. Von Oktober bis Dezember ziehen die Wale in tiefer liegende Nahrungsgründe rund um die Antarktis oder anderswo im Südlichen Ozean.

Weibliche Tiere sind größer als männliche. Sie erreichen mit einer Länge von 17 Metern ein Gewicht zwischen 35.000 - 40.000 Kilogramm. Der Südkaper kann bis zu 70 Jahre alt werden und ist durch ein stark gebogenes Maul, das Fehlen der Rückenflosse und große, an Paddel erinnernde Brustflossen charakterisiert. Das wichtigste und auffälligste Merkmal sind jedoch die Schwielen am Kopf, die aufgrund der dort sitzenden krebsähnlichen Parasiten, sogenannter Walläuse, weiß oder cremefarben gefärbt sind.

Der Südkaper wurde vor allem vor der Ära des modernen Walfangs ausgebeutet; die meisten Fänge fanden im 19. Jahrhundert statt. Der englische Name "Southern Right Whale" geht darauf zurück, dass die vergleichsweise langsamen Meeressäuger der "richtige Wal" für die Walfänger war. Bereits im Jahr 1935 wurde die Art international unter Schutz gestellt, im Südatlantik steigt die Population wieder langsam an.

Heute sind die Harpunen von Digitalkameras verdrängt worden und die Wale sind eine der Hauptattraktionen der Walbeobachtung in Südafrika, wie auch in Brasilien, Uruguay und Argentinien. Sie sind die richtigen Wale, die es zu beschützen gilt, und in dieser Hinsicht Botschafter für eine Vielzahl anderer mariner Arten.

Informationen über die WDCS-Kampagne zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten für Wale und Delfine, sowie Hintergrundinformationen über die Meeressäuger in Südafrika erhalten Sie unter: www.whales.org

Bildmaterial auf Anfrage erhältlich

Pressekontakt:

Holger Rönitz, WDCS Projektkoordinator, T. 0151 1620 4979, 
E-Mail. holger.roenitz@wdcs.org