Cipla Europa NV

Symposium von Cipla im Rahmen der DPG
Asthmatherapie in der Praxis: Alles im Griff?

Leipzig (ots) - Wie gut schaffen es Asthmatiker, ihre Krankheit zu kontrollieren? Liegen da womöglich Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Welchen Stellenwert hat die Patientenschulung? Wie sehen Eskalations- und Deeskalationstrategien in der Therapie aus? Und was ist in der Praxis letztlich möglich und realistisch? Einen bunten Strauß an Fragen und Herausforderungen im Praxisalltag der Pneumologen diskutierten Experten unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Helgo Magnussen (Großhansdorf) auf einem Symposium des indischen Arzneimittelherstellers Cipla im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Leipzig.

Einen etwas provokativen Vortrag hielt Prof. Dr. J. Christian Virchow von der Uniklinik Rostock. "Einer der üblichen Vorträge würde jetzt damit beginnen, dass nur fünf Prozent der Asthmatiker wirklich ihr Asthma unter Kontrolle haben. Doch wir müssen uns doch einmal an die Nase fassen und fragen, woran das liegt: Ist die Kontrolle wirklich so schlecht? Oder machen wir uns selbst das Leben schwer?" Unterschiedlichste Eingliederungen und Phänotypen von Asthma und immer wieder neue wissenschaftliche Erkenntnisse machten schon den Ärzten die Wahl der richtigen Therapie schwer. Virchow: "Wir verkomplizieren uns das System hier selbst ein bisschen. Und dem normalen Menschen ist das schon gleich gar nicht mehr vermittelbar!" In seinem hoch wissenschaftlichen, jedoch auch launigen Vortrag beleuchtete er die gängige Praxis, bei jedem Patienten leitlinienkonform vollständige Asthmakontrolle zu erzielen, kritisch. Gute Asthmakontrolle sei letztlich auch eine Frage der Wahrnehmung des Patienten und seiner Therapieziele: So sei es nicht schlimm, wenn ein Asthmatiker zwischenzeitlich weniger compliant sei, wenn dies nicht zu Entgleisungen und einem höheren Ressourcenverbrauch führe. Seine Botschaft, angelehnt an Picasso: "Learn the rules like a pro before you break them as an artist!"

Prof. Dr. Heinrich Worth, Experte in Sachen Selbstmanagement, brach eine Lanze für die Patientenschulung: Da Asthma eine Erkrankung mit sehr variablen Ausprägungen sei, könne die beste Kontrolle erreicht werden, "wenn der Patient Selbstkontrolle erlernt hat": Das freilich dürfe nicht mit dem "Nürnberger Trichter" erfolgen, sondern durch eine gute, strukturierte Schulung, die klare, verständliche Inhalte voraussetze. "Vor allem aber muss man Kopf, Herz und Hand des Patienten ansprechen", weiß der Experte. Auch sei gute Selbstkontrolle nicht durch einmaliges Erklären zu erreichen - "und am besten sollte man auch die Angehörigen einbeziehen", so Worth. Der Experte plädierte auch für den Einsatz von Peak flow-Metern als Frühwarnsystem. "Hier müssen Sie aber einen Wert festlegen, den der Patient auch erreichen kann", mahnte er. Darauf aufbauende Aktionspläne sollten so einfach wie möglich sein und möglichst nicht mehr als drei Maßnahmen beinhalten. "Wenn man das alles beachtet, dann hat man gute Chancen, dass sich auch die Asthmakontrolle deutlich verbessert", so Worth. Schließlich zeige eine Analyse von 36 Schulungsprogrammen, dass die Zahl der Krankenhausaufenthalte, Notfallbehandlungen und ungeplanter Arztbesuche deutlich reduziert werden konnte.

Prof. Dr. Roland Buhl von der Universitätsmedizin Mainz stellte die aktuelle Leitlinie GINA 2015 vor. Hier seien Asthmakontrolle und Risikokontrolle als zwei ganz selbstverständlich parallel laufende Maßnahmen empfohlen. Auch zeige die Leitlinie differenzierte Möglichkeiten in den therapeutischen Stufen auf. Nach ICS und LABA seien die LAMA (langwirksame Muskarin-Antagonisten) die logische nächste Stufe in der Eskalation der Therapie. Das habe auch die FDA anerkannt und dies spiegelten auch aktuelle Leitlinien. Darüber hinaus versprächen einige Biologica neue Therapieoptionen. "Aber bevor wir solche hochpreisigen Medikamente verordnen, sollten wir genau hinschauen, ob der Patient überhaupt Asthma hat - und ob er wirklich an schwerem Asthma leidet." Hier empfehle sich eine genaue Dokumentation. "Dann sind Sie auf der sicheren Seite", meinte Buhl. Ergänzend schlug ein anwesender Pneumologe vor, bei sehr teuren Therapien innerhalb der Kollegenschaft ein Zweitmeinungsverfahren auf Basis der Aktenlage zu organisieren. Buhl riet auch dazu, bei Besserung eine Reduktion der Medikation vorzunehmen: "Genauso, wie wir die Leiter hinaufsteigen können, können wir sie auch wieder runter gehen", meinte er. Nicht immer würden das aber verständlicherweise die Patienten so gerne mitmachen. Seine Botschaft: "Wir haben in der Asthmatherapie so vielfältige Möglichkeiten. Hier muss nicht allen Patienten eine Hose passen. Was wir brauchen, ist also die richtige Medikation und Intervention für die richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt!"

Der Frankfurter Internist Dr. Peter Kardos berichtete über die Möglichkeiten und Grenzen der Asthmatherapie in der Praxis. Das erste Problem sei die sichere Diagnose: "Viele Patienten, die mit der Diagnose Asthma in meine Praxis kommen, haben überhaupt kein Asthma", erzählte Kardos. Kaum eine Diagnose sei so schwer einzugrenzen wie Asthma. So schätze NICE, dass in Großbritannien etwa ein bis zwei Millionen Menschen auf Asthma behandelt werden, die gar keines haben. Eine französische Studie mit Schulkindern belege dagegen, dass ein Drittel der Asthmatiker überhaupt nicht diagnostiziert worden waren. "Wir haben ein extremes Problem der Unter- und Überdiagnose", so Kardos. Auch die Unterscheidung zwischen Asthma und COPD sei in vielen Fällen "Kaffeesatzlesen in der Praxis". Er sei aber sehr froh, dass es endlich eine Definition des "schweren Asthmas" gebe. Asthma sei eben ein Überbegriff für viele teils sehr verschiedenste Typen und Ausprägungen einer Erkrankung der Atemwege. Das erschwere Diagnose und Therapie. Eine weitere Herausforderung sei die "furchtbare Vielfalt der Devices", besonders bei Pulverinhalatoren. Das bewährte Dosieraerosol hingegen habe ein mehr oder weniger einheitliches Design und eine vergleichbare Handhabung. "Manche Leute denken, die seien altertümlich, aber sie eignen sich eigentlich sehr gut für die meisten Patienten zur Asthmakontrolle", so der niedergelassene Arzt. Kardos rät Kollegen und Patienten regelmäßig, auf die Homepage der Deutschen Atemwegsliga zu schauen: "Da finden Sie zu allen Devices kurze Filme, wie diese anzuwenden sind. Das ist wirklich sehr hilfreich!" So könnten sich Arzt und Patient je nach Vorliebe mit dem Device vertraut machen - und sich gegebenenfalls auch zuhause nochmal das Video anschauen. "Das stärkt das Selbstmanagement und die Compliance", so Kardos.

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Cornelia Wanke
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